Göppingen Reise in die Grundschulzeit

Ein Bild aus der Uhland-Grundschule aus dem Jahr 2015. Generationen von Schülern blicken auf eine ereignisreiche Zeit zurück und erinnern sich gerne an die ersten Schuljahre.
Ein Bild aus der Uhland-Grundschule aus dem Jahr 2015. Generationen von Schülern blicken auf eine ereignisreiche Zeit zurück und erinnern sich gerne an die ersten Schuljahre. © Foto: Schule
Göppingen / Von Sabine Ackermann 26.06.2018
Fröhliches Kinderlachen, viele Freunde, klopfende Herzen und so manche Tränen: 50 Jahre Uhland-Grundschule Göppingen – Grund genug zu feiern.

Erinnerungen an die ersten Schuljahre können wahre Schätze sein oder einem klar machen, wie viel sich geändert hat. Allerdings, ehemalige Grundschüler für die Reise in die Vergangenheit zu finden, war für Andrea Honold, Leiterin der Uhland-Grundschule, kein leichtes Unterfangen. Doch die Pädagogin wurde fündig.

Damals – in den Anfängen

Eingeschult wurde Sabine Marzini 1967 in der Schiller-Grundschule, im Folgejahr kam sie dann in ein neues Klassenzimmer in die Uhland-Grundschule, in der es aufgrund der stark befahrenen Burg- und Marktstraße erheblich lauter war. Damals waren es 25 Kinder, die zu zweit am Tisch in ordentlichen Reihen saßen, anfangs auf Schiefertafeln mit Griffel, später auf Tafeln aus Kunststoff und ab der dritten Klasse in Hefte schrieben. „Ich habe noch meinen Schulranzen aus burgunderrotem Leder“, berichtet die Göppingerin und plaudert mit Freude und beneidenswertem Gedächtnis über ihre Schulzeit. Wie von ihrer Klassenlehrerin, die bereits ihre Mutter unterrichtete. Streng sei sie gewesen, aber man habe viel bei ihr gelernt, so die 57-jährige Göppingerin, die außerdem gerne an die Gastarbeiterkinder zurückdenkt: „Als damals die ersten Italiener und Griechen in die Klasse kamen, das war schon etwas Besonderes“, sagt Sabine Marzini und entsinnt sich: „Einer brachte sogar einmal eine Landschildkröte mit.“

Nachhaltig in Erinnerung blieben überdies die von der Lehrerin wunderschön gezeichneten Adventskränze an der seitlichen Wandtafel, auf denen jeden Montag eine weitere Kerze „brannte“. Gleichfalls unvergessen und sehr motivierend: die Lob- und Fleißkärtchen, genauer gesagt waren es geschnittenen Papierstreifen, die man für vorbildliches Lesen, Lateinschrift-Schreiben oder Rechnen bekam. War man dann noch gut an der Tafel, gab es obendrein ein kleines Engelsbildchen für die Mädchen und Fußballmotive für die Jungs.

Freilich war seinerzeit nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Sogenannte „Tatzen“ bei mangelnder Disziplin und schlechten Leistungen standen noch auf der Tagesordnung. Der zu bestrafende Schüler – auch Mädchen – wurde nach vorne zitiert, dort musste er seinen Arm ausstrecken. Die äußerst schmerzhaften Hiebe erfolgten dann mit einem Rohrstock oder Lineal auf die mit der Innenseite nach oben ausgestreckte Hand. „Ich habe da immer mit den Schülern mitgelitten“, erzählt Sabine Marzini und ergänzt: „Dank meines eher ruhigen Naturells wurde mir das aber glücklicherweise erspart.“ Weitere „körperliche Züchtigungen“ bestanden aus „Ohrfeigen“, manchmal zog der damalige Rektor auch am Ohr oder verteilte Kinnhaken: Dazu musste der Schüler leicht den Mund öffnen und bekam unters Kinn einen kurzen heftigen Schlag, quasi als Maßregelung, den Mund zu halten. Schmerzfrei, aber dafür peinlich, war dagegen das allseits bekannte „in-der-Ecke-stehen“ oder das harmlosere „vor-die-Türe-gehen“. Mit einer der Höhepunkte waren die jährlichen Schulausflüge, darunter der beliebte Filsursprung in Wiesensteig.

Alles in allem hat Sabine Marzini die ersten Grundschuljahre in bester Erinnerung. „Sehr schön war der Zusammenhalt unter uns Mädchen, aber auch mit den Jungs verstanden wir uns prima. Besonders lustig, wenn die mit den Stühlen im Klassenzimmer immer Autorennen gespielt haben.“ Daraus entstanden dicke Freundschaften, gemeinsame Spiele auf dem Pausenhof sowie viele schöne Kindergeburtstage, die zusammen gefeiert wurden.

Vielem kann sich Claudia Dreher anschließen. „Da war der Stelzenbau gerade fertig“, erinnert sich die Tochter des gleichnamigen Göppinger Friseurs, als sie 1972 in die Uhland-Schule kam. Anständig angezogen mit einem blauen Röckchen – zur Feier des Tages bekam sie diesen auch noch in grün – einer weißen Bluse mit Blümchen drauf, die Beine steckten in einer knallgelben Wollstrumpfhose. „Meine Mama fand das toll, ordentlich angezogen zu sein“, verrät Claudia Dreher und berichtet vom Großeinkauf bei Bertz, Haux und Finck. „Wir Unternehmerkinder sind damals in der Stadt auch groß geworden, waren gerne Stadtkinder“, erzählt die 54-Jährige, die im Odenwald lebt. Den Schlossplatz oder Oberhofenpark sowie kleine Fußgängerzonen machten sie zu ihren Spielplätzen und entbehrten dabei nichts. Ihre Göppinger Schulzeit hat sie in guter Erinnerung, auch wenn einer ihrer Lehrer sehr empfindlich bei Lautstärke reagierte: „Er bekam erst einen knallroten Kopf und schmiss dann auf den Übeltäter mit Kreide“.

Vieles ist heute anders

Seit 1997 an der Grundschule, ab 2006 als Konrektorin, leitet Andrea Honold nun seit 2012 die Grundschule mit momentan 261 Schülern und Schülerinnen aus 30 verschiedenen Nationalitäten sowie hauptsächlich aus Syrien stammenden Flüchtlingen. Alle vier Jahrgangsstufen sind dreizügig. Eine erste einschneidende Änderung für die Schule war die Umstellung des Ganztagsbetriebs von Versuchsmodell auf Ganztagesschule – an vier Tagen je acht Stunden – in offener Wahlform. Weitere Entwicklungen unter Andrea Honolds Regie sind die Ausweitung der Sprachförderung mit Partnern von außen sowie die „mit langem Atem“ in Angriff genommene Umgestaltung des Schulhofs. „Weil ich im Rektorat viele Stunden verbringe, habe ich es mir nach meiner Vorstellung eingerichtet“, nennt die umtriebige Schulleiterin noch eine weitere Neuerung für ihr persönliches Wohlbefinden.

Apropos persönlich, da fällt ihr eine nette Anekdote ein: „Ich war noch Konrektorin, als eine Zweitklässlerin zu mir sagte: ,Ich weiß, wer du bist. Du bist die Cheferin (O-Ton), die alles bestimmt.’“ Im Weglaufen bemerkte sie: „Aber nur die Zweite!“ Die aus Süßen stammende Pädagogin mag nicht nur die große Vielfalt an „ihrer“ Schule, darüber hinaus schätzt sie, „dass ich ein engagiertes Lehrerinnenkollegium sowie ebenfalls engagierte Mitarbeiter und Kooperationspartner im Ganztag habe. Durch diese Unterstützung wird die Schule nach außen geöffnet und es entstehen daraus fruchtbare Kontakte mit Vereinen und Institutionen“.

Noch längst nicht genug, stehen weitere Aufgaben auf ihrer „To-do-Liste“: Wie beispielsweise die Medienentwicklung in Form einer Ausstattung der Klassenzimmer mit White boards sowie neuen Computern für die Schüler. „Mein größter Wunsch ist freilich die sukzessive Renovierung des 50-jährigen Gebäudes“, betont Andrea Honold. Könnte sie sich allerdings etwas von der Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann wünschen, wäre dies: „Eine Person an meiner Seite, die bei den vielen Verwaltungsaufgaben hilft, damit mehr Zeit für pädagogische Schulentwicklung bleibt. Dass ganz schnell die Lehrerunterversorgung behoben wird,  dass jede Schule eine zusätzliche Krankheitsvertretung bekommt“.

Info Um das Gelernte aus der Projektwoche zu zeigen, findet morgen, Donnerstag, von 14 bis 15.30 Uhr ein „Tag der offenen Tür“ mit Elterncafé statt.

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