Die Region Stuttgart will einen Beitrag zur Energiewende leisten, stellt Thomas Kiwitt fest. Schließlich sei die industrielle Produktion in der Region doppelt so hoch wie im Ruhrgebiet, entsprechend hoch sei das Interesse an einer sicheren Energieversorgung, hat der Leitender Technischer Direktor des Verbands Region Stuttgart im Gespräch mit der NWZ-Redaktion betont. Die Windkraft wird innerhalb des regionalen Beitrags zur Energiewende einen Schwerpunkt bilden. 10 bis 15 Prozent des in der Region verbrauchten Stroms könnten einmal durch Windräder erzeugt werden, schätzt Kiwitt.

Im Vergleich zur Windkraft könne zum Beispiel die Biomasse in der Region nur wenig zur Energieversorgung beitragen. Laut Kiwitt hat eine Untersuchung ergeben, dass die Biomasse maximal vier Prozent beisteuern könnte. Dazu müssten aber auf allen Ackerflächen der Region, einschließlich der Weinberge, Energiepflanzen angebaut werden, erklärt er.

Im Vergleich dazu wirken die 96 Standorte, die der Regionalverband grundsätzlich für die Windkraft geeignet hält - auf die fünf Landkreise und den Stadtkreis Stuttgart verteilt - fast überschaubar. Pro Standort könnten normalerweise drei, vielleicht auch fünf Anlagen Strom produzieren. Es gibt aber auch Plätze, die dank ihrer Windstärke gut geeignet und relativ konfliktfrei nutzbar sind. Dazu zählt der Technische Direktor den Falkenberg zwischen Weißenstein und Bartholomä. Dort über dem Wald könnten sich einmal auch zwei Dutzend Windräder drehen.

Kiwitt konnte zudem nicht ausschließen, dass auf der Gemarkung Bartholomä, das zum Regionalverband Ostwürttemberg zählt, ein weiteres Dutzend Windräder aufgestellt wird. Wobei aus Kiwitts Sicht an Stellen, wo die Windräder ohnehin schon massiert errichtet werden, ein paar mehr oder weniger die Optik nicht weiter beeinträchtigen werden. "Aus einer Distanz von zehn Kilometern wirken die Windkraftanlagen auch nicht mehr so dominierend", findet der Regionalplaner. Wobei Kiwitt einräumt, dass bewegte Objekte eher ins Auge stechen als stillstehende.

Auf den drei Kaiserbergen werden keine Windräder zugelassen

Generell sei der Albtrauf ein außerordentlich guter Standort. Jedoch "gibt es keine Möglichkeit, 150 bis 200 Meter hohe Anlagen zu verstecken", erklärt der Technische Direktor. Die Region versuche aber, die geeigneten Standorte zu bündeln, "damit Bereiche frei bleiben, um eine Verspargelung zu verhindern". Zudem werden die Planer Rücksicht auf prägende Landmarken nehmen. Dazu zählt Kiwitt neben dem Hohenneuffen und der Teck auch die drei Kaiserberge. Hier werden keine Windräder zugelassen. Auch Grünzüge sollen verschont werden, um in der dichtbesiedelten Landschaft freie Zonen zu behalten.

Die jetzt ins Auge gefassten 96 Standorte sind nur der erste Schritt im Planungsverfahren. In den nächsten Monaten geht es ins Detail. Die Standortkommunen aber auch die Verbände, etwa Natur- und Landschaftsschützer, Bauernvertreter und andere Organisationen sowie die Bürger können sich zu den Vorschlägen äußern.

Deren Stellungnahmen werden in die Pläne eingearbeitet. Die Region werde versuchen, den Interessen der Gemeinden Rechnung zu tragen, sichert Kiwitt zu. Jedoch räume man ihnen kein Vetorecht ein. Am Ende werde dann die Regionalversammlung die Teilfortschreibung des Regionalplans mit den Windkraftstandorten beschließen. "Ich bin sicher, es wird Gegenstimmen geben." Da es sich um ein offenes Verfahren handele, werde sich zeigen, was von den 96 Standorten bleibt.

Vor allem der Naturschutz könnte bei der Auswahlfrage noch eine größere Rolle spielen. Da können zum Beispiel Brutplätze von geschützten Vogelarten einen Standort verhindern. Die Frage, ob das Wetterradar bei Türkheim die Windkraft am Albtrauf blockieren wird, ist ebenfalls noch nicht beantwortet. "Wir warten auf die Stellungnahme des Deutschen Wetterdienstes", berichtet Kiwitt. Insgesamt sind bei der Planung viele Fragen zu beantworten und viele Interessen zu berücksichtigen. "Alles mögliche spielt mit" - selbst EU-Vorgaben. "Die Dinge werden komplexer", stellt Kiwitt fest. Dennoch befinde er sich nicht am Rande eines Nervenzusammenbruchs. "Sie sehen mich ziemlich relaxed."

Wird ein Standort tatsächlich baureif, hat der Grundstückseigentümer das letzte Wort. Kiwitt: "Es ist eine Angebotsplanung. Wir greifen nicht in Eigentumsrechte ein." Angestrebt wird, dass der Regionalplan für Windkraftstandorte im kommenden Jahr in Kraft tritt. Kiwitt rechnet damit, dass schon zeitnah die ersten Windräder aufgebaut werden. Denn schon jetzt würden private Investoren ihre Planungen vorantreiben und führten Gespräche mit den Grundbesitzern. Er erwartet, dass die Standortpläne, wenn sie einmal Rechtskraft haben, für die nächsten 10 bis 15 Jahre in den jeweiligen Bereichen das Baurecht festlegen werden.

Region informiert über mögliche Windkraft-Standorte

Die Region Stuttgart informiert am Freitag, 26. Oktober, ab 18 Uhr in Göppingen, Altes E-Werk/Odeon, Mörikestr. 18, über Windkraft-Standorte im Bereich östlicher Schurwald, Göppingen und Voralb.

Über Standorte im Bereich Schwäbische Alb, Lauterstein bis Wiesensteig, wird am Montag, 5. November, ab 18 Uhr in Geislingen, Kapellmühle in der MAG, Schillerstr. 2, informiert. Zu den bisherigen Veranstaltungen in anderen Landkreisen seien 90 bis 150 Teilnehmer gekommen. Die Diskussion verlaufe in der Regel kontrovers aber sachlich, berichtet Kiwitt vom Regionalverband.

Im Kreisgebiet sind interessante Windkraftstandorte vor allem am Albtrauf zu finden. Flächen in Gruibingen, Deggingen Bad Ditzenbach oder Bad Überkingen könnten für Investoren interessant werden.