Göppingen Raus aus der Schmuddelecke

Blick auf das Göppinger Bahnhofsquartier. Eine wichtige Rolle im Rahmenplan spielen der heute noch baumbestandene Platz, das denkmalgeschützte Bürohaus (Bildmitte), aber auch das Gelände der alten Güterhalle (unten). Foto: Giacinto Carlucci
Blick auf das Göppinger Bahnhofsquartier. Eine wichtige Rolle im Rahmenplan spielen der heute noch baumbestandene Platz, das denkmalgeschützte Bürohaus (Bildmitte), aber auch das Gelände der alten Güterhalle (unten). Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / ARND WOLETZ 10.02.2012
Grüne Spazierwege an der Fils, hochwertige Dienstleistungen statt der alten Güterhalle, ein Brückenschlag zwischen Hochschule und City. Das sind Beispiele für eine Neuordnung der Göppinger Bahnhofsgegend.

Vorweg gesagt: Es wird noch viel Wasser die Fils hinunter fließen, bevor die jetzt vorliegende "Rahmenplanung Bahnhofsumfeld" umgesetzt ist. Das Areal entlang der Gleise zwischen der Jebenhäuser Brücke und der Sonnenbrücke bedeckt die Fläche von umgerechnet etwa 50 Fußballfeldern. Dort sollen Schritt für Schritt die Defizte angegangen werden - und davon gibt es viele. Das Gebiet gilt seit je her als Schmuddelecke der Stadt, hat aber Potenzial.

Vieles was die Planer in das Papier schrieben, ist langfristig angelegt. Es ist Teil des Entwicklungskonzepts "Göppingen 2030". Deshalb empfahl der Göppinger Haus- und Hofplaner, der Stuttgarter Professor Franz Pesch, Prioritäten zu entwickeln. Die Kommune solle punktuelle Impulse geben, an die sich private Investoren anschließen.

Die größte Chance auf eine recht kurzfristige Entwicklung dürfte die Neuordnung des unmittelbaren Bahnhofsvorplatzes haben. Dafür muss allerdings noch in diesem Jahr ein weiterer Wettbewerb ausgeschrieben werden. Die vorhandene Expertise aus dem Jahr 2004 passt nach Ansicht der Planer nicht mehr. Die Tiefgarage unter dem Platz hat die Stadt ebenfalls fest im Visier und bekam dafür gestern auch in der gemeinsamen Sitzung von Technik- und Verwaltungsausschuss viel Zuspruch. Pesch regte an, den Bahnhof und den ZOB als "Mobiliätsdrehscheibe" zu entwickeln. Dabei werde auch Carsharing eine Rolle spielen.

Pesch schärfte den Stadträten ein, auf das westlich des Bahnhofs gelegene Gelände mit dem denkmalgeschützten Gebäude besonderes Augenmerk zu legen. Von dort müssen die belebenden Impulse für den Platz ausgehen. Das historische Haus steht derzeit zum Verkauf. Die Stadt habe über einen Kauf nachgedacht, bestätigte Baubürgermeister Olav Brinker der NWZ. Es sei aber nicht entschieden, "ob wir uns das leisten können und wollen".

Nicht auf die lange Bank schieben müsste die Stadt die Arrondierung der Fischstraße mit ihren wenig ansehnlichen Gebäuden und dem Parkplatz-Provisorium. Hochwertige Dienstleistungen und Verwaltungsfunktionen seien dort wünschenswert, sagte Pesch, genauso wie im Bereich der alten Güterbahnhofhalle und des Zollgebäudes direkt an den Gleisen. Dieses Gebiet müsse seiner Bedeutung als Stadteingang wieder gerecht werden.

Dagegen ist die anvisierte Verlegung des Ost-West-Verkehrs von der Bahnhofstraße auf die Fläche der heutigen Gleise 1 und 2 höchstens noch Zukunftsmusik. Völlig offen ist nämlich, ob die Bahn die beiden Gleise für einen künftigen S-Bahn-Verkehr brauchen würde. Trotz entsprechender Anfragen gibt es keine Ergebnisse. Auch die Preisvorstellungen der Bahn gelten als großes Hindernis für die so genannte Südtrasse. Die Stadt will sich aber nichts verbauen.

Gleis 9 und 10 am Bahnhof sowie die gewerblichen Gleise im Osten des Bahnhofs könnten ebenfalls abgebaut und das gewonnene Gelände zu "Filsterrassen" werden. Den Planern schwebt sogar ein grünes Band entlang der Fils vor. Dazu kommt eine direkte Anbindung zum Hochschul-Campus auf der anderen Flussseite. Allerdings tut sich auch hier noch nichts. "Wir reden seit 20 Jahren um die Fils rum, aber passiert ist sehr wenig", schimpfte Wolfgang Aupperle (CDU) in der Ausschusssitzung. Manches brauche Zeit, hielt Pesch dagegen, jedenfalls sei die Fils für Göppingen "ein Schatz, den wir heben müssen".

Wichtig seien jedenfalls fußläufige Verbindungen. Nur wenn alle Elemente gut vernetzt und an die Innenstadt angebunden seien, funktionieren sie, mahnte Pesch. Diese Verbindungen sind in Göppingen derzeit sehr schwach ausgepägt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel