Leitartikel Arnd Woletz zum Sportstättenbau in Göppingen Raus aus dem Muff-Kabuff

Göppingen / Arnd Woletz 04.08.2018

Es klingt zunächst paradox: Weil die Mitgliederzahlen sinken, muss eine neue Halle her. Das ist die Begründung, die die Frisch-Auf-Vereinsführung ins Feld führt, um den Bau einer  Gymnastikhalle zu rechtfertigen. Mehr Sportstätten für weniger Sportler? Das Angebot in den Hallen ist in den vergangenen Jahren in Göppingen und im Umland gewachsen – und das, obwohl ausgerechnet der Sportkreis Göppingen überdurchschnittlich stark an Mitgliedern verliert.

Bei genauem Überlegen ist die Schlussfolgerung dennoch nicht abwegig. Denn wenn die klassischen Ballsportler wegbleiben, müssen die Sportvereine im ganzen Landkreis auch neue Zielgruppen locken. Das können Gesundheitssportler, Fitness-Fans, Senioren oder Familien mit Kleinkindern sein. Die muss man nach dieser Logik den kommerziellen und nichtkommerziellen Konkurrenten abluchsen. Fitness-Studios sind teuer, aber voll im Trend. Sogar die Volkshochschule knabbert am Kuchen mit.

Mit einem muffigen Turn-Kabuff aus Omas Zeiten können die Vereine nicht gegen ein nagelneues Luxus-Sportstudio anstinken. Erste Voraussetzung sind konkurrenzfähige Sportstätten. Insofern ist es folgerichtig, dass die hiesigen Vereine sich attraktiv aufstellen wollen.

Ob im Falle Göppingens der Bedarf für neue Sportstätten aber tatsächlich am Standort Hohenstaufenstraße gegeben ist, das müssen der Verein, die Lokalpolitiker,  Stadtverwaltung und der Landessportbund gewissenhaft überprüfen. Denn letztlich sollen auch Steuergelder fließen. Tatsache ist: An der Hohenstaufenstraße verfolgt derzeit in Sichtweite auch die Behindertensportgemeinschaft ein ganz ähnliches Hallenprojekt. Und der örtliche Alpenverein will mit einer neuen Kletterhalle in unmittelbarer Nachbarschaft hoch hinaus.

Alles in allem würde sich die Hohenstaufenstraße noch mehr zum Zentrum des Sports entwickeln. Doch was ist mit den Vereinen und Bürgern am anderen Ende der Stadt? Und in den Stadtbezirken? Die Eifersüchteleien sind programmiert. Teils zurecht. Es muss im Interesse der Politik sein, ein gleichmäßiges Angebot zu schaffen. Es kann auf Dauer auch nicht angehen, dass die Clubs sich gegenseitig kannibalisieren. Das Angebot wird breiter, die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Einsatz geringer. Um die Strukturen der Vereine zu retten, braucht es also  mehr als neue Hallen.

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