Göppingen Rauchfreies Ursenwang

Blick zurück: In diesen Betonrohren, geschützt gegen Wärmeverluste, sollten später die Rohre der Fernheizungsanlage für Ursenwang verlaufen. Foto: Archiv
Blick zurück: In diesen Betonrohren, geschützt gegen Wärmeverluste, sollten später die Rohre der Fernheizungsanlage für Ursenwang verlaufen. Foto: Archiv
SUSANN SCHÖNFELDER 21.04.2012
Die Ursenwanger konnten 1962 aufatmen: Der Gemeinderat beschloss den Bau einer Fernheizungsanlage. Die Tage rauchender Schornsteine im damals modernsten Wohngebiet Göppingens waren somit gezählt.

"Wer in Ursenwang eine Wohnung bezieht oder ein Haus baut, für den wird das Problem ,Kaufe ich die Kohlen zu Sommerpreisen oder nicht? keine Rolle mehr spielen", hieß es in einem NWZ-Bericht vom 21. April 1962. Er brauche sich auch keine Gedanken darüber zu machen, ob er einen Ölbehälter im Keller gleich oder erst später durch eine Betonwanne schützen lassen will. "Und Asche wird er überhaupt nicht zu sehen bekommen." Denn Göppingens damals jüngstes und modernstes Wohngebiet sollte ein Teilort ohne rauchende Schornsteine werden. Als erstes Siedlungsgebiet Göppingens sollte Ursenwang eine zentrale Fernheizungsanlage bekommen - der Gemeinderat gab dafür im April 1962 grünes Licht. Auf rund 1,2 Millionen Mark wurden die Kosten für das Großprojekt damals geschätzt.

Die Stadt hatte sich lange darum bemüht, dass das Vorhaben in das Demonstrativprogramm des Bundeswohnungsbauministeriums aufgenommen wurde. Eine Göppinger Delegation reiste extra nach Bonn, um für ihr Projekt die Werbetrommel zu rühren. Es mussten einige Bedingungen erfüllt werden: Unter anderem mussten die in Ursenwang geplanten Hochhäuser "verpflanzt" und um einige Etagen "gekürzt" werden. Im zuständigen Ministerium habe aber auch der Wunsch bestanden, dass beim Bau einer solchen modernen Siedlung "die in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund getretenen Probleme der Lufthygiene beachtet werden", war vor 50 Jahren in der NWZ zu lesen. "Man trachtet danach zu vermeiden, dass in solchen Wohngebieten Qualm aus Hunderten von Schornsteinen strömt." Fernwärmeanlagen waren Anfang der 60er Jahre unter anderem bereits in Leonberg, Heidenheim und Ulm in Betrieb.

Die Entscheidung, welche Energiequelle man für das neue Göppinger Heizkraftwerk anzapfen will, machten sich die Stadträte nicht leicht, weil sie nicht wussten, wie sich die Preise für Öl und Gas entwickeln werden. Am Ende stand ein Kompromiss: Bei der ersten Ausbaustufe sollte eine Ölheizung installiert werden, dann werde man sehen, ob sich die Situation verändert, wenn die Fernversorgungsleitung der Gasversorgung Süddeutschland Ferngas liefert.