Göppingen Beschluss des Gemeinderats nicht umgesetzt

Was passiert mit der alten Gießerei auf dem ehemaligen Boehringer-Areal? In dieser Frage herrscht keine Einigkeit, die SPD-Fraktion kritisiert die Rathausspitze.
Was passiert mit der alten Gießerei auf dem ehemaligen Boehringer-Areal? In dieser Frage herrscht keine Einigkeit, die SPD-Fraktion kritisiert die Rathausspitze. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Dirk Hülser 18.05.2018
Die SPD-Fraktion und das Technikforum sind verärgert: Die Verwaltung setzt einen Gemeinderatsbeschluss nicht um.

Im Streit um die Zukunft des Boehringer-Areals sind die Fronten verhärtet. Ein Beschluss des Göppinger Gemeinderats, auch das Technikforum in die Planungen einzubinden, wurde von der Verwaltung bislang nicht umgesetzt. Die SPD-Fraktion spricht vom „Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen“ und Christopher Goelz vom Technikforum ist maßlos enttäuscht vom Schweigen im Rathaus. Ob OB Guido Till ein Versprechen an Märklin einhalten kann, ist fraglich: Die Alte Gießerei von Boehringer soll demnach für die Märklintage 2019 als Halle zur Verfügung stehen.

2016 hat die Business Park Göppingen GmbH (BPG), die zu 90 Prozent der Stadt gehört, das 48 000 Quadratmeter große frühere Areal der Firma Boehringer von der MAG gekauft, um dort Gewerbe anzusiedeln. Das Gelände am Stadtausgang in Richtung Faurndau gilt als wichtigster Baustein in der kommunalen Wirtschaftsentwicklung. Herzstück ist die große, denkmalgeschützte alte Gießerei. Doch Einigkeit, was vor allem mit ihr passieren soll, herrscht nicht. Die Firma Blue Estate erstellt derzeit eine Machbarkeitsstudie zu möglichen Nutzungen der Halle, zudem wird die Sanierung der Industriebrache von der Wüstenrot Haus und Städtebau GmbH begleitet.

OB Till schwebt die Nutzung als Eventhalle und Ersatz für die Werfthalle vor, die ja an die Firma Kleemann verkauft wurde. Im vergangenen September sagte der Rathauschef: „Firmenchef Florian Sieber braucht sich über den Austragungsort für die Märklintage im Jahr 2019 keine Sorgen zu machen.“ Bis dahin stünde die Halle bereit, notfalls als Provisorium. Rathaus-Sprecher Olaf Hinrichsen verwies gestern darauf, dass zuerst die Studie fertig sein müsse, bevor weitere Dinge entschieden werden  können. Aber als Provisorium könne die Halle im kommenden Jahr vielleicht dennoch genutzt werden: „Ausschließen können wir im Vorfeld gar nichts.“

Auf Drängen der SPD-Fraktion war im Herbst auch das Technikforum, das bereits auf dem Areal ansässig ist, mit seiner Maschinensammlung als Ansprechpartner für die Konzeptentwicklung aufgenommen worden. Auch andere Mieter auf dem Gelände sind Ansprechpartner. „Was geschah bis heute? Wieder einmal nichts“, beschwert sich SPD-Fraktionsvorsitzender Armin Roos. „Leider ist es öfters so, dass die Verwaltung bestimmte Themen am liebsten totschweigen würde oder den Gemeinderat einfach ins Leere laufen lassen will“, meint er.

„Nun haben wir bereits Mitte Mai 2018, das Entwicklungskonzept von Blue Estate für das Boehringer-Areal wird hoffentlich auch mal in absehbarer Zeit fertig, aber wohl ohne jegliche Einbindung des Technikforums – und das gegen den Beschluss des Gemeinderats“, kritisiert Roos und bemängelt, dass der Verein trotz mehrfacher Kontaktversuche nichts von der Verwaltung gehört habe.  „Als Stadtrat muss man sich da unwillkürlich immer wieder fragen, ob man wirklich den Einfluss hat, den die Bürgerinnen und Bürger dem Gemeinderat zuschreiben.“

Der Vorsitzende des Technikforums, Christopher Goelz, bestätigt die Darstellung von Roos: „Es gab auf unser Schreiben keinerlei Reaktion.“ Vor vier Wochen hatte sich Goelz erneut an den OB gewandt, wie schon im Herbst. Damals sei dem Technikforum vom OB nur mitgeteilt worden, dass es „unsere Sache sei, wenn wir eine Konzeption erarbeiten“, berichtet Goelz.

Das macht ihn wütend: „Das war ein Auftrag seitens des Gemeinderats“, betont er und verweist auf Kosten von 5000 Euro, die sein Verein in das Konzept und die Präsentation gesteckt habe – nur um sie jetzt nicht vorstellen zu dürfen. Er fragt sich auch, warum ihm dann seitens der Verwaltung Pläne der Halle zur Verfügung gestellt wurden, wenn es sich doch angeblich um eine Privatsache handele. „Alle jammern immer wegen des Ehrenamts“, meint Goelz und findet: „Wer hat denn da noch Lust, sich zu engagieren, wenn man so behandelt wird?“

Die Stadtverwaltung stellt den Sachverhalt anders dar und sieht das Technikforum in der Pflicht: „Bereits am 31. Juli konnte Herr Gölz seine Idee für eine Handwerkergasse in der ehemaligen Gießereihalle Erster Bürgermeisterin Almut Cobet, Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Ruess und der BPG vortragen. Ein Finanzierungs- und Betreiberkonzept hat Gölz allerdings bis heute nicht vorgelegt“, teilt Pressesprecher Olaf Hinrichsen schriftlich mit.

Architekten planen Loftbüros

Vermietungen Derzeit bestehen laut Stadtverwaltung sieben Mietverhältnisse über rund 80 Prozent der vermietbaren Flächen auf dem Boehringer-Areal.

Loftbüros Außerdem habe die städtische Business Park Göppingen GmbH das Architekturbüro Gaus und Knödler mit dem Vorentwurf zur Umnutzung der ehemaligen Modellschreiner/Lehrwerksatt in Loftbüros beauftragt, diese Arbeiten sind laut Rathaus-Sprecher Olaf Hinrichsen in vollem Gange.

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