RANDNOTIZ: Lieber edel und gut als billig und flach

DIRK HÜLSER 23.03.2013

Sie entwickeln sich ja irgendwie zum Wahrzeichen des Göppinger Stadtteils, die berühmten Faurndauer Billigkisten. So ähnlich wie die Ulmer Schachteln. Aber die sind nicht billig und schwimmen außerdem, doch das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls zeichnet die Faurndauer Billigkiste aus, dass sie erstens billig zusammengezimmert ist, zweitens in Faurndau steht und drittens ein Pultdach hat, oder wenigstens ein Flachdach. Dies wurde jetzt in der Bürgerfragestunde im Nachbarort Wangen deutlich. Denn dort wird noch rechtschaffen schwäbisch gebaut, ein Haus ist ein Haus und hat ein Satteldach. Also vier Mauern, rechtwinklig, und zack, ein Dachstuhl drauf, dreieckig, dann noch ein paar Ziegel, rot, und fertig ist die Wangener Edelhütte. So baut der Wangener an sich seit gefühlten 500 Jahren. Was die Edelhütte von der Billigkiste unterscheidet, ist vor allem, dass sie bei gleicher Höhe weniger Platz bietet. Weitere Vorteile sind nicht bekannt, doch was 500 Jahre gut war, kann ja nicht plötzlich schlecht sein. Nun begibt es sich aber, dass verdächtige Jungbürger ihre aus Faurndau importierten Billigkisten aufstellen wollen. Frei erfunden sind Gerüchte, wonach die Edelhütten-Insassen dies in letzter Sekunde durch nächtliches Aussetzen von Eidechsen, Fledermäusen und Juchtenkäfern verhindern wollen. Die Kisten-Invasion wird also nicht zu stoppen sein. Allerdings steht nicht ganz Wangen hinter der Edelhütten-Norm, so mancher wünscht sich neue Zeiten. Und freut sich dennoch, dass es ein anderes Wahrzeichen noch nicht in den Ort geschafft hat: der ebenfalls berühmte Rechberghäuser Getränkemarkt. Doch auch das ist eine andere Geschichte.