Information Radfahrwege auf dem Prüfstand

Für Radler soll es in Stadt und Kreis Göppingen besser werden.
Für Radler soll es in Stadt und Kreis Göppingen besser werden. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Axel Raisch 21.07.2018

Was ist bereits realisiert, was steht noch an – Der Weg zur „fahrradfreundlichen Kommune“ war Mittelpunkt bei der jüngsten Informationsveranstaltung im Rahmen eines „Forum Radverkehr“. Vorgestellt wurden in der Gaststätte Andechser die Vorhaben des Fachbereichs Tiefbau, Umwelt, Verkehr und Vermessung der Stadtverwaltung unter Leitung von Werner Hauser. Zwei Mitarbeiter des „Fachbüros VIA“ aus Köln brachten die neuesten Überlegungen zum Radschnellweg im Filstal sowie zum übergeordneten Radnetz Baden-Württemberg mit.

Winfried Maurer vom Fachbereich der Stadt zeigte Bilder des  bereits realisierten Riedwegs zwischen Holzheim und Eislingen, erläuterte geplante Vorhaben wie die „Rampe Süd“, die es Radlern künftig ermöglichen soll über den Bahnhofsteg zur Jahnstraße zu gelangen, die vom ADFC lange gewünschten Ampelgriffe, von denen nun elf Stück angebracht werden sollen.

Der Radverkehrsbeauftragte der Stadt Göppingen, Ertugrul Cansu, stellte das Pilotprojekt „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ (eine Initiative der EU und des ADFC) vor. Die Stadt will sich selbst um eine Zertifizierung bemühen und Ansprechpartner für Unternehmen werden. Man wolle eine flächendeckende, nachhaltige Radkultur etablieren, so Cansu. Er verwies unter anderem auf 50 überdachte Stellplätze für Mitarbeiter-Räder, Ladestationen für Pedelecs und Duschen sowie Umkleideräume für die radelnden Kollegen beim Verwaltungsneubau am Bahnhof:

Zum Thema Radschnellweg sagten Peter Gwiasda und Frank Reuter vom „Planungsbüro VIA“, dass derzeit im Filstal eine Bestandsaufnahme gemacht werde. Dazu gehörten auch Workshops mit Kommunen. Die Streckenführungen, die zuvor einer Machbarkeitsstudie Stand halten müssten, seien auch davon abhängig „was der Vorder- und der Hintermann macht“, erläuterte Gwiasda. „Göppingen ist keine Insel!“ Aufgrund der Gegebenheiten in Eislingen und Faurndau präferierte Gwiasda in einer „ersten Abschätzung“ die „Südtrasse“ gegenüber den alternativen Strecken „Mitte“ und „Nord“. Auf der Südtrasse könnten die für eine Radschnellwegverbindung nötigen 80 Prozent  der Anforderungen wahrscheinlich „gerade so“ erfüllt werden. Die am grünen Tisch gewonnenen Erkenntnisse sollten nun mittels Befahrungen konkretisiert werden.

Zum weiteren Ablauf sagte Gwiasda, dass für die Vorzugs­trasse ein Bauprogramm entworfen und eine Prognose zur Anzahl der Nutzer als auch eine Kostenkalkulation vorgenommen werde. Die Kosten-Nutzen-Analyse müsse dann positiv ausfallen. Letztendlich gelte es dann die entsprechenden politischen Beschlüsse zu fassen.

Das könnte womöglich schwierig werden, denn Gwiasda machte auch deutlich, dass die noch am ehesten geeignete Südtrasse bis zu neun Querungen über Bahn und Fils erforderlich machen könnte. Das hieße: zusätzlicher Investitionsaufwand, der die Kosten-Nutzen-Analyse ins Negative führen könnte. So wie sich die Situation heute zeige, sei es keine gute Anbindung.

Intensiv wurde über die verschiedenen Trassen diskutiert. Auf Besucherseite waren unter anderem Vertreter des ADFC, des Arbeitskreises Verkehr und Stadtentwicklung sowie der Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur im Kreis, Jörg-Michael Wienecke, dabei. „Eine Radkultur muss erst geschaffen werden“, sieht Wienecke den Ansatzpunkt als einen Schritt vor den Überlegungen zu Verbindungen. „Mit einer Brezeltaste und dem nächsten Tiefgaragenprojekt schafft man es aber nicht.“

Fachbereichsleiter Werner Hauser versuchte den Blickwinkel zu weiten und wies darauf hin, dass die Stadt alle Verkehrsteilnehmer im Auge haben müsse. Aber gerade auch für das Rad habe Göppingen viel getan. „Zeigen Sie mir eine Stadt, die so früh Radwege umgesetzt hat wie Göppingen, zeigen Sie mir eine Stadt, in der so viele Einbahnstraßen für Radler entgegengesetzt befahren werden dürfen.“

Wann eine Strecke Radschnellweg wird

Minimum Was ein Radschnellweg unter anderem erfüllen muss: Mindestens fünf Kilometer lang muss eine zusammenhängende Strecke sein, mindestens 2000 Radler müssen darauf jeden Tag unterwegs sein. Verlustzeiten müssen minimiert werden, das heißt, dass die Strecke vielfach bevorrechtigt werden muss. Aber: Reduzierte Standards sind möglich.

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