Kreis Göppingen / Von Max Schniepp Die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation. Dazu gab es viele Angebote. Ein Festakt in der Stadtkirche bildet am Dienstag den Abschluss.

Vor genau 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, schlug Martin Luther die berühmten 95 Thesen an die Türen der Schlosskirche zu Wittenberg. Seine Schläge hallten in ganz Europa wider und spalteten die Gemüter in der Kirche, bis sich letztendlich die gesamte Kirche spaltete. Daraus entwickelten sich die protestantischen Kirchen. Ein halbes Jahrtausend später feiern deshalb die evangelischen Kirchen das Jubiläum. Auswirkungen hatte der Jahrestag aber auf das ganze Kirchenjahr. „Wir hatten das ganze Jahr über schon über 60 Veranstaltungen zum Thema Reformation“, erklärt der evangelische Dekan Rolf Ulmer. „Besonders die Theaterveranstaltungen zum Thema Martin Luther und die Jugendkulturtage unter dem Motto ´Farbe bekennen` haben die Menschen besonders gut erreicht.“

Mit dem Nahen des Reformationstages häufen sich die eigens zu diesem Anlass vorbereiteten Veranstaltungen.  Schon diesen Sonntag fand in der Oberhofenkirche unter Pfarrer Andreas Weidle der Festgottesdienst „Christus im Wort“ mit der Kantate von Johann Sebastian Bach „Ein feste Burg ist unser Gott“ statt. Ebenfalls am Sonntag lud ein Konzert mit den Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy alle Interessierten ein. Unter der Leitung von Gerald Buß wurden in der Stadthalle der „Lobgesang“ und die „Reformationssymphonie“ gespielt.

„Das Reformationsjubiläum war eine große Chance deutlich zu machen, was die evangelische Kirche ist und für was sie steht“, bewertet Dekan Ulmer die Bedeutung des Jubiläums. Der heutige Montag ist von 14 bis 17.30 Uhr dem Diakonischen Werk Göppingen gewidmet. Die unterschiedlichen Träger und Dienste präsentieren ab 14 Uhr ihre Arbeit auf dem Schlossplatz, direkt vor der Stadtkirche. Ziel der Veranstaltung seien lebendige Begegnungen mit der Diakonie als Ausdruck von Kirche und die Information über die Vielfalt der Angebote. Eine Modenschau der Diakonie Göppingen zeigt die aktuellen Bestände aus den Kleidervorräten. Auf dem Platzkonzert werden die christlichen Bands „Die kleinen Fische“ sowie die „Rentnerbänd“ spielen. Das Programm wird bei schlechtem Wetter in die Stadtkirche verlegt.

Am Dienstag findet das Jubiläum laut Ulmer seinen Abschluss in einem „Highlight“. Um zehn Uhr startet der ökumenische Gottesdienst „Freiheit und Verantwortung – 500 Jahre Reformation“. Der Chor pro Musica der katholischen Kirchengemeinde arbeitet mit den Chören der Kantorei, geleitet von Martin Böhm und Klaus Rothaupt, zusammen. „Das Reformationsjubiläum ist kein Kampftag zwischen katholisch und evangelisch. Deshalb trifft man sich gemeinsam“, hebt der Dekan hervor.  Da passt es, dass beide Chöre ihr gemeinsames Programm präsentieren.

Weiter geht es am Nachmittag mit einem Platzkonzert auf dem Schlossplatz. Dort spielen die Bezirksbläser. Nach dem Beginn des Konzertes um 15 Uhr werden gegen 15.40 Uhr Turmbläser vom Turm der Stadtkirche spielen. Übernommen wird dies vom Bezirksbläserensemble. Im Anschluss beginnt der Festakt in der Stadtkirche, wo zu Beginn ein Rückblick auf das Reformationsjahr geplant ist. Darauf werden Grußworte vom Ersten Landesbeamten Jochen Heinz, Oberbürgermeister Guido Till und vom Dekan des katholischen Kirchenbezirks, Martin Ehrler, zu hören sein. Es folgt ein Festvortrag von Prälatin Gabriele Wulz. Im Anschluss  gibt es einen Empfang.

Nach Dekan Ulmer ist die Reformationsgeschichte keine Ruhmesgeschichte, zugleich aber trotzdem eine Segensgeschichte. Als Mönch Martin sich gegen den Ablasshandel und seine Kirche auflehnte, habe er sicherlich keine Kirchenspaltung geplant. Der Dekan erinnert an die Reformationskriege und daran, dass nach der Kirchenspaltung Streit zwischen den beiden Konfessionen oft mit dem Ringen um politische Macht einherging. Es sei aber wichtig, „dass ein Mensch sich nicht von seinem Gewissen abbringen lässt und sagt, ich lass mich nicht abbringen. Es ist etwas Göttliches geschehen, deshalb ist der Reformationstag auch eine Segensgeschichte.“

Am Dienstagabend findet die Church Night statt

Mit dem Festakt in der Stadtkirche ist das Jubiläum noch nicht vorbei. Das Luther-Theater „so wahr mir Gott helfe…“ ist um 19.30 Uhr in der Bad Boller Stiftskirche zu sehen. Ein Jugendgottesdienst findet von 19 bis 23 Uhr in der Adelberger Dorfkirche statt. Der CVJM Ebersbach veranstaltet von 19 bis 23 Uhr ebenfalls eine Church Night. Für Kindergarten- und Grundschulkinder gibt es in der der Martinskirche in Gruibingen von 17 bis 18 Uhr einen Gottesdienst. Im Anschluss sind alle Jugendlichen in das Gruibinger Martinshaus zur Halloweenparty „Churchnight for Teens“ von 19 bis 23 Uhr eingeladen. In der Eislinger Lutherkirche ist von 18 bis 19 Uhr ein Jugendgottesdienst.