Aufmerksam hört Robin zu, was ein Ziseleur beruflich so macht. Der 15-Jährige ist mit seinen Eltern gekommen und schaut sich genau das Bronzeteil an, das ihm Fatih Güngör von der Süßener Kunstgießerei Strassacker gerade in die Hand gedrückt hat. „Wir müssen den Interessenten oft erst einmal erklären, worum es bei uns geht", erläutert Personalreferentin Nadine Kerler. „Dafür ist die Bildungsmesse hier ideal." Manche bringen auch schon eine Bewerbung mit, die dann gemeinsam durchgesehen wird, oder es wird gleich ein Praktikumstermin vereinbart.

Angebot und Nachfrage zusammenbringen, das ist eines der Ziele der Veranstaltung in der Werfthalle, die mit 100 Ausstellern „die“ zentrale Bildungsmesse im Landkreis Göppingen ist, wie Mario Bayer, Geschäftsführer der veranstaltenden Medienagentur Staufen plus, unterstrich. Zu den Initiatoren gehören der Landkreis und die Stadt Göppingen, die Bundesagentur für Arbeit, die IHK Region Stuttgart und etliche andere: „100 Aussteller tun aktiv etwas gegen den bevorstehenden Fachkräftemangel", lobte Bayer die beteiligten Unternehmen, Verbände und Bildungseinrichtungen.

Bildung als Schlüsselfaktor

„Bildung ist ein Schlüsselfaktor für jeden einzelnen, aber auch für unser Land, um in Zukunft erfolgreich zu sein", betonte Landrat Edgar Wolff. Der Schirmherr der Messe skizzierte die Vielfalt der beruflichen Bildungswege, die jungen Menschen heute offen stehen und lobte die Bildungsmesse als wichtige regionale Plattform für Anbieter und Bewerber. „Der Arbeitsmarkt hat sich vor etwa drei Jahren gedreht", berichtete Bettina Münz von der Bundesagentur für Arbeit. „Waren früher Ausbildungsstellen knapp, so spüren heute Unternehmen, dass der demografische Wandel eingesetzt hat", so die „Geschäftsführerin Operativ“ der Göppinger Agentur. „Gleichzeitig sind auch die Anforderungen an die Bewerber gestiegen."

Umso dringender rät sie jedem: „Es ist empfehlenswert, in die eigene Qualifikation zu investieren." Inklusion und Unterstützung für junge Menschen mit Startschwierigkeiten im Beruf nannte Hanspeter Erne, Ausbildungsberater bei der IHK-Bezirkskammer Göppingen als wichtige Herausforderungen unter dem Motto: „Keiner darf verloren gehen". Ein Workshop von Arbeitsagentur und IHK widmete sich denn auch dem Thema „Chancen für alle". Vorträge unterschiedlicher Anbieter beleuchteten die verschiedensten Aspekte der beruflichen Bildung. Auch der Bewerbungsmappen-Check im Obergeschoss war sehr gefragt. Erstmals war ein großes Zelt im Außenbereich aufgebaut, in dem private und staatliche Bildungsträger ihr Angebot darstellten.

Welcher Abschluss für welche Ausbildung

Viele Jugendliche fanden es gut, dass überall Azubis Rede und Antwort standen. Johannes Goßner, Auszubildender zum Finanzassistenten bei der Kreissparkasse stellte fest: „Die meisten wollen wissen, wie sieht die Ausbildung aus, und welchen Abschluss braucht man für welche Ausbildung." Auch bei Schuler war der Andrang groß. Tobias Rössler, Patrick Schneider und Charlotte Götz, angehende Industriekaufleute im zweiten Ausbildungsjahr, gaben bereitwillig Auskunft über den kaufmännischen Bereich oder leiteten die eher technisch Interessierten zu ihren Kollegen weiter.

Größer denn je präsentiert sich die Bildungsmesse in ihrem siebten Jahr. „Die Messe hat sich sehr gut entwickelt", lobt Bettina Münz von der Agentur für Arbeit beim gemeinsamen Rundgang nach der Eröffnung. „Es war in den Anfangsjahren recht mühsam, bis sich das Angebot etabliert hat. Aber inzwischen ist es ein großer Erfolg."