Als die Trommelschläge erklingen, wird der kleine Junge unruhig. „Los“, ruft er seinem Vater zu, auf dessen Schultern er sitzt. Um sie herum drehen sich die Menschen um und gehen langsamen Schrittes den Berg hinauf. Bis zum nächsten Halt.

Zur Karfreitagsprozession der italienischen Gemeinde San Giovanni Bosco hatten sich am Nachmittag gut 1000 Menschen am Rechberg versammelt. Sie stiegen zusammen mit den Darstellern von Jesu Gang zum Kreuz in Richtung Kirche St. Maria hinauf, immer unterbrochen von den einzelnen Stationen des Kreuzwegs.

Erkenntnis statt Show

Die Gemeinde sei heute nicht hier, um eine Show zu veranstalten, hatte Pfarrvikar Dr. Charles Unaeze zu Anfang erklärt. „Sondern, um nachzudenken und neu zu erkennen, wie sehr Jesus für unser Heil gelitten hat.“ Er lud alle Gläubigen ein, in Gebet und Meditation den Weg mitzugehen. Die Einladung wurde angenommen. Obwohl so viele Menschen sich im Pulk bewegten, waren kaum Geräusche zu hören. Ob ganz nah mit dabei oder viel weiter hinten, viele Zuschauer sangen oder sprachen die Gebetsverse andächtig mit. Nicht nur Ita­liener nahmen augenscheinlich Anteil und verfolgten die Darbietung. Anna Granieri erklärte jede Station kurz auf Deutsch, dann trug Marcella Santisi die Liturgie auf Italienisch vor. Don Carlo, wie die Italiener Pfarrvikar Unaeze nennen, ergänzte Gebete und Fürbitten. Und die Darsteller spielten die Szenen.

Franco Greco als Jesus hatte ein weißes Leinenkleid an und rote Striemen an Stirn und Gesicht. An der dritten Station bekam er das Kreuz aufgebürdet, dazu einen roten Mantel und die Dornenkrone.

Eindrückliche Szenen

Über 30 Frauen und Männer machten die Szenen eindrücklich. Etwa Gaitana Greco als Jesu Mutter Maria oder Giovanni Greco als Mann, der Jesus beim Tragen des Kreuzes half. Neben Jesus liefen Francesco Griffo und Antonio Melissano als Verurteilte. Und als römische Soldaten fungierten Lilo Parisi, Salvatore Greco, Angelo Antico, Valentino Cordaro, Maurizio Badaglicco und Guiseppe Paterna, Zenturio war Vincenzo Basta.

Regelmäßigen Teilnehmern der Prozession müsste Guiseppe Paternas Gesicht bekannt vorgekommen sein. „Ich war zehn Jahre lang der Jesus“, sagte er und lächelte: „Jetzt muss die Jugend ran.“ Sein Nachfolger Franco Greco meisterte die Aufgabe gut. Und so blickten die Menschen nach einer Stunde still und ergriffen zu Jesus am Kreuz.