Wie viele Landwirte mit ihren Traktoren sich am Dienstagmorgen um 8 Uhr im Uhinger Industriegebiet versammeln, war am Montagnachmittag noch gar nicht abzusehen. Klar war nur: Es wrden wohl sehr viele sein, die sich von Uhingen auf den langen Weg zum Landwirtschaftsministerium am Stuttgarter Kernerplatz machen werden, um dort ihren geballten Unmut über das geplante Agrarpaket und die bedrohte Existenz von landwirtschaftlichen Betrieben loszuwerden.

In Uhingen wird mit 200 oder mehr Traktoren gerechnet

Uhingen ist die Sammelstelle für Bauern aus dem Kreis Göppingen und dem Alb-Donau-Kreis, aber wahrscheinlich werden sie noch von viel weiter herkommen, sagt Wolfgang Daiber, Obmann der Uhinger Landwirte und Mitglied im Organisationsteam der bundesweiten Proteste. „Aus der Bodenseeregion machen sich einige nachts um zwei Uhr auf den Weg“, hat er erfahren. Er rechnet mit 200 oder noch mehr Traktoren, die in der Frühe nach Uhingen kommen werden.

Von dort aus  geht es dann ab halb neun in einem langen Schlepper-Korso über die alte B10 bis nach Plochingen und von dort über Altbach und Esslingen nach Bad Cannstatt. Gegen 10.30 Uhr wird mann dann von dort zu einer Art Sternfahrt nach Stuttgart aufbrechen. Gestern Nachmittag wurde noch mit der Polizei an der endgültigen Route gefeilt.

Öffentlichkeit soll auf die Probleme aufmerksam gemacht werden

„Unser Ziel ist nicht, ein totales Verkehrschaos anzurichten, sondern die Politik zu zwingen, endlich auch mit der landwirtschaftlichen Basis zu sprechen“, sagt Daiber, der selbst einen Betrieb in Holzhausen bewirtschaftet. Auch mit der Öffentlichkeit will man ins Gespräch kommen und sie auf die Probleme der Bauern aufmerksam machen.

„Wenn es so weitergeht, gibt es in zehn Jahren keine Landwirtschaft mehr“, fürchtet er. „Die jungen Leute steigen alle aus, es gibt keine Hofnachfolger mehr.“ Bevor es endgültig so weit kommt, und weil die Stimmung unter den Landwirten inzwischen „katastrophal schlecht“ sei, hätten sich der heutigen Protestaktion sehr viele Kollegen angeschlossen.

In Baden-Württemberg richte sich der Unmut der Landwirte momentan auch gegen den baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) und Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) , weil diese das neue Eckpunktepapier gegen das Bienensterben vorgestellt hätten, „ohne vorher mit der Basis zu sprechen“, kritisiert Daiber.

Protest organisiert sich in den sozialen Netzwerken

Genau diese, die Basis, sei es auch, die den heutigen Protesttag organisiert. Innerhalb von zwei Wochen habe sich über Facebook und WhatsApp ein landesweites Organisationsteam gebildet, berichtet er: „Und das ist ein richtiger Selbstläufer geworden, immer mehr Landwirte machen mit, weil das Fass jetzt endgültig übergelaufen ist.“ In den sozialen Netzwerken hat sich der Protest in der Bewegung „Land schafft Verbindung“ gesammelt.

Er rechnet damit, dass heute von 13 bis 14 Uhr in der Landeshauptstadt zwischen 500 und 1000 Schlepper  demonstrieren werden.

Auch in zehn anderen Städten sind Proteste geplant, darunter in Berlin, Freiburg und München. Die Organisatoren rechnen insgesamt mit bis zu 50 000 Demonstranten. Die Hauptveranstaltung findet in Bonn statt.

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