Göppingen Protest gegen Standortschließung von Telekom-Tochter

NICOLE FEIFEL 08.10.2014
Eine erste Protestaktion gegen die Standortschließungen der Telekom-Tochtergesellschaft Vivento Customer Services fand am Dienstag in Faurndau statt. 150 Beschäftigte sind betroffen. Weitere Proteste sollen folgen.

Die Fahnen der Telekom in der Salamanderstraße in Faurndau wehen im Wind. Ein paar Meter weiter stehen weiß-rote Fahnen der Gewerkschaft Verdi für den folgenden Protest bereit. Rund 50 Beschäftigte haben sich in ihrer Mittagspause versammelt, um gegen die Pläne des Telekommunikationsunternehmens zu protestieren.

Dieses hat bekanntgegeben, dass die Standorte der Telekom-Tochter Vivento Customer Services (VCS) in Faurndau, Offenburg und Weingarten geschlossen werden sollen. Bundesweit soll die Zahl der Standorte von 15 auf fünf reduziert werden. In Baden-Württemberg ist ein neuer VCS-Standort in Mannheim geplant.

Christine Muhr, Landesfachbereichssekretärin Telekommunikation/IT bei Verdi, sieht im neuen Standort Mannheim aber keine Alternative für die in Faurndau Beschäftigten. "Viele Beschäftigte kommen aus dem weiteren Umkreis von Faurndau, beispielsweise aus Ulm. Mannheim ist zu weit weg." Auch für die 50 Teilzeitbeschäftigten sei Mannheim keine Alternative. Der Standort in Faurndau müsse daher erhalten oder den Beschäftigten ein Arbeitsplatz in nahegelegenen Standorten der Telekom angeboten werden. Auch Vorruhestands- und Altersteilzeitregelungen seien wichtig. Mit dem Standort Faurndau hat es laut Muhr die Schwächsten getroffen. "Die Beschäftigten hier haben keine Tarifverträge," berichtet sie. Außerdem seien sie Restrukturierungs- und Rationalisierungsopfer.

Immer wieder wurde der Standort an andere Gesellschaften verkauft. Muhr denkt, das Ziel sei jedes Mal gewesen, die Beschäftigtenzahl zu reduzieren und nur die Beamten weiterzubeschäftigen. Das Ergebnis sei gewesen: In Faurndau sind etwa 130 der 150 Beschäftigten Beamte. Diese und die anderen Kollegen sollen nun mit der Standortschließung ebenfalls weichen. Die Beschäftigten setzen sich aber zur Wehr. "Wir sind hier, um zu bleiben", verkündet Hans-Dieter Adameit, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, die Devise. Mit dem Auftakt der Proteste zeigte sich Muhr zufrieden: "Wenn man bedenkt, dass in Faurndau viele Teilzeitbeschäftigte arbeiten und es auch Schichtarbeit gibt, kann man mit 50 Protestteilnehmern zufrieden sein." Von 15. auf 16. Oktober soll der Protest in Faurndau mit einer 24-stündigen Mahnwache fortgesetzt werden. Ziel ist es laut Muhr, den Druck bis 16. Oktober aufrechtzuerhalten. Dann findet die erste Verhandlungsrunde für die Neuausrichtung der VCS statt. Dort werden Arbeitgeber, Gesamtbetriebsrat und Verdi am Verhandlungstisch sitzen.

Auch von der zur Telekom gehörenden T-Systems kommt Unterstützung. Beschäftigte des Standorts nebenan zeigten sich solidarisch und beteiligten sich teilweise am Protest. Bei der T-Systems setzt die Telekom ebenfalls wieder den Rotstift an. Bis Ende 2015 müssen noch 30 der 250 Mitarbeiter gehen, weiß Helmut Müller, Betriebsratsvorsitzender von T-Systems.