Göppingen Programm: Fußgänger gehen vor

Die Stadt Göppingen will herausfinden, was sie für Fußgänger tun kann - wie hier am Bahnhof.
Die Stadt Göppingen will herausfinden, was sie für Fußgänger tun kann - wie hier am Bahnhof. © Foto: Staufenpress
Göppingen / ARND WOLETZ 31.07.2015
Die Stadt Göppingen wird als eine von 15 Kommunen im Land ihren Fußgängerverkehr genauer untersuchen. Das soll Hinweise auf Gefahrstellen und Lösungsansätze bringen. Der Check wird vom Land bezahlt.

Fußgänger sind auf den Straßen oft in der schwächsten Position. Gegenüber Fahrrädern und Autos müssen sie auf der Hut sein. In Göppingen wird jetzt die Situation der Fußgänger genauer unter die Lupe genommen. Möglich macht das ein Programm des Landes Baden-Württemberg. 15 Kommunen wurden ausgewählt für den sogenannten Fußverkehr-Check. Dabei bewerten Bürger, Politiker und die Verwaltung gemeinsam die Situation vor Ort.

Los geht es im September mit einem Workshop, bei dem der Bestand analysiert wird. Eingebunden sind auch Schulen, Kindergärten und Verbände. Im Oktober werden dann ein oder zwei Stadtquartiere genauer untersucht. Dort werden die Schwachstellen konkret ermittelt und Lösungsansätze diskutiert. In Zusammenarbeit mit dem Fachbüro "Planersocietät" wird dann bei einem Abschluss-Workshop ein Katalog von möglichen Schritten vorgestellt, wie der Fußgängerverkehr gefördert werden kann.

Die Hohenstaufenstadt hat sich mit der Teilnahme an dem Landesprogramm unter 60 Bewerbern durchgesetzt. Dabei hat eine Fachjury des Verkehrsministeriums ganz unterschiedliche Stadtgrößen berücksichtigt - von der Kleinstadt Königsfeld im Schwarzwald mit nicht einmal 6000 Einwohnern bis zum Oberzentrum Karlsruhe mit knapp 300.000 Einwohnern.

"Wir sind stolz, in die Auswahl gekommen zu sein", freute sich Göppingens Baubürgermeister Helmut Renftle. "Mit diesem Projekt wollen wir den Fußgängerverkehr im Hinblick auf mögliche Konflikte mit dem Fahrrad und dem Auto im Zusammenhang mit dem seit April umgesetzten Verkehrskonzept in der Innenstadt begutachten lassen". In Göppingen werde ein Schwerpunkt auf dem Bahnhofsquartier liegen. Dort ist beim Umbau des Bahnhofsplatzes auch an einen sogenannten Shared Space gedacht - also ein Verkehrsbereich, in dem Fußgänger Radfahrer und Autofahrer ohne räumliche Trennung gleichberechtigt sind. Die Stadt erwarte sich auch Vorschläge für die fußgängerfreundliche Gestaltung der "Mobilitätsdrehscheibe" am Bahnhof, meinte der Baudezernent. Die genauen Termine für die einzelnen Veranstaltungen würden nun möglichst bald mit dem beratenden Büro abgestimmt und veröffentlicht, so die Stadtverwaltung.

"Ziel des Fußverkehr-Checks ist es, den Fußverkehr als eigenständige und wichtige Mobilitätsform ins Bewusstsein zu rücken. Denn Fußverkehr ist die Basismobilität für alle", betonte Verkehrsminister Winfried Hermann bei der Bekanntgabe der 15 Teilnehmerkommunen in Stuttgart. Etwa ein Viertel der Wege innerhalb von Städten und Gemeinden wird zu Fuß zurückgelegt, so die Statistik. Dennoch sind die Bedingungen für Fußgänger oft unbefriedigend. Das gilt vor allem für Kinder und die immer größer werdende Gruppe der Senioren sowie der Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Die Vorschläge, wie sich die Situation der Fußgänger verbessern lässt, sollen Modellcharakter für andere Kommunen im Land haben.

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