Die Stadtbibliothek war komplett gefüllt. Es hatten sich nicht etwa nur Göppinger versammelt, um bei der Lese-Bühne "Miniaturromane" verschiedener Autoren zu hören. Einige Literaturfreunde hatten längere Wege in Kauf genommen und alle waren sich am Ende des Abends einig: "Das hat sich gelohnt." Die aus dem puren Leben gegriffenen, amüsanten Kurzgeschichten waren allesamt dazu angetan, in kürzester Zeit gute Laune zu verbreiten. Silke Porath servierte zwei Geschichten aus ihren Büchern "Schokolade ist auch nur Gemüse" und "Ein Schuh kommt selten allein". Dabei gewährte sie auf amüsante Weise auch Männern Einblick in das Bermudadreieck weiblicher Handtaschen und verriet, was sich aus ihnen so alles hervorzaubern lässt.

Was Kniekehlen mit gescheiterten Beziehungen zu tun haben können, verdeutlichte Volker Schwarz in seiner Liebesbiografie "Was bisher geschah". Zu dumm, dass die Frau mit den schönsten Kniekehlen der Welt sich an seinen nicht perfekten Ellbogenspitzen störte.

Für Schmunzeln und Gelächter sorgte Ingo Klopfer mit dem delikaten Text "Das Quiz", der auf fast perfide Weise aufzeigte, welch nachhaltig wirkende Fallenstricke Nachbarbarschafts-Spielrunden bergen, wenn die Fragen ans Eingemachte gehen und Themen wie die Länge des weiblichen Orgasmus aufgreifen.

Carolin Hafen wusste nicht nur zu erzählen, wie schnell man zur Kinderschänderin mutiert, wenn man Kindern von "Reiskeksmüttern" in Dealer-Manier einen Schokoriegel zusteckt. Höchst amüsant auch ihre Beichte, wie sie einst als professionelle Petze ihr Taschengeld mit dem Ausspionieren ihrer Brüder verdiente.

Wer kennt ihn nicht, den Wurm, der sich hin und wieder zwischen den Ohren einnistet und das Unterbewusstsein den ganzen Tag nicht mehr verlassen will? Brillant erzählt und gesungen kam die mit Wortwitz gespickte Darbietung von Nicolai Köppel mit fast schon kabarettistischem Charakter daher. "Hossa, Hossa!" Wenn plötzlich Wäscheleinen voller Rex-Gildo-T-Shirts zwischen den Synapsen hängen, dann hilft nur Rexorzismus. Dafür müssen dann schon mal Bonita oder Anita herhalten, wenn es noch was mit der geschäftlich wichtigen Powerpoint-Präsentation werden soll.

Es gelang den Autoren allesamt bestens aufzuzeigen, welch komödiantische Züge der schnöde Alltag doch hat. Abgerundet wurde der kurzweilige Abend mit Musik. Zwischen den Texten unterhielt der Gitarrist Hermann Bassé das Publikum mit spanischen Weisen.