Bestattung Privatfirma soll Göppinger Krematorium bauen

Ein neues Krematorium auf einer Erweiterungsfläche  des Hauptfriedhofs in Göppingen soll von einem Privatunternehmen gebaut und betrieben werden. Die Stadt bereitet die Suche nach einem Investor vor.
Ein neues Krematorium auf einer Erweiterungsfläche des Hauptfriedhofs in Göppingen soll von einem Privatunternehmen gebaut und betrieben werden. Die Stadt bereitet die Suche nach einem Investor vor. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Arnd Woletz 28.01.2017

Göppingen soll am Hauptfriedhof wieder ein Krematorium bekommen. Allerdings soll es nicht, wie die Mehrheit im Gemeinderat sich stets gewünscht hatte, unter städtischer Regie stehen, sondern von einem Privatunternehmen gebaut und betrieben werden. Der künftige Betreiber soll ein Qualitätszertifikat vorweisen. Diesem Vorschlag der Stadtverwaltung stimmte das Gremium am Donnerstagabend zu – fast vier Jahre, nachdem die Einäscherungen in Göppingen gestoppt wurden, weil es während einer Kremation zu einer Verpuffung gekommen war.

Damit ist der Bau noch nicht in trockenen Tüchern. Es herrscht nun aber Klarheit wie es weitergehen kann: Die Stadtverwaltung muss jetzt die Ausschreibung für die Suche nach einem privaten Investor vorbereiten. Der soll auf der dafür vorgesehenen Erweiterungsfläche östlich des Friedhofs die Einäscherungsanlage neu errichten und betreiben. Im Frühjahr soll die Ausschreibung beginnen. Wann dann mit dem Bau des neuen Krematoriums gerechnet werden kann, beantwortete die Verwaltung gestern nicht.

In der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend wollten die meisten Stadträte nicht mehr in die Vergangenheitsbewältigung einsteigen, sondern nach jahrelangem Tauziehen zu einer Lösung kommen, obwohl das gewünschte, in städtischer Regie betriebene Krematorium an rechtlichen Hürden scheiterte. Felix Gerber (CDU) untermauerte die Meinung, dass eine Stadt wie Göppingen einfach ein Krematorium brauche. Susanne Weiß (FDP/FW) machte deutlich, dass ihre Fraktion das Vorgehen der Stadt unterstütze. Die SPD wollte auch überprüft wissen, ob die Stadt die Anlage nicht selber bauen und an einen privaten Betreiber verpachten könne. Das biete mehr Einflussmöglichkeiten. Die Grünen hatten zunächst den Gedanken noch nicht aufgegeben, dass man die marode Anlage im Keller der Aussegnungshalle sanieren könne und brachten eine Machbarkeitsstudie ins Spiel. Den entsprechenden Antrag stellten sie dann aber nicht, als sich abzeichnete, dass sie dafür keine Mehrheit finden würden und dass dem Gemeinderat ein Kriterienkatalog vorgelegt wird.

Wieder andere Stadträte kritisierten, dass die Stadt mit dem Krematoriumsbau noch immer am Anfang steht. Christine Lipp-Wahl (Grüne) sagte, der Wille des Gemeinderats sei „blockiert“ worden. Christian Stähle (Linke) warf der Verwaltung Verschleppung und Verzögerung vor. OB Guido Till sagte, das „Stakkato an Unterstellungen und Anschuldigungen“ sei nicht richtig. Am Ende stimmte die große Mehrheit für die Investorenlösung. Die drei Stadträte von Linken und Piraten enthielten sich.

Baubürgermeister Helmut Renftle hatte zuvor dargestellt, wie die Stadt den Krematoriumsbau bisher vorangetrieben habe. Er verwies auch auf die Beschlüsse des Gemeinderats bereits aus den Jahren 2013 und 2014, eine Sanierung nicht weiter zu verfolgen sondern neu zu bauen.

In den vergangenen Tagen hatte die Stadt Kritik der Stadträte auf sich gezogen, weil sie nicht über die Gespräche mit der Firma Crem Tec unterrichtet hatte, die eine Sanierung des alten Krematoriums für möglich hielt und ein Angebot unterbreitet hatte. Auch auf diese Vorwürfe ging Renftle ein. Man habe dem Geschäftsführer auf sein Angebot hin sehr wohl geantwortet. Die Stadt habe aber die technische Umsetzbarkeit angezweifelt und bereits die Vorbehalte des Regierungspräsidiums zu einem kommunalen Krematoriumsbetrieb gekannt. Ohnehin wäre ein Ausschreibung erforderlich gewesen.

120

Euro pro Monat gibt der Göppinger für xx aus.

Handlungsbedarf nicht nur am Krematorium

Denkmal Die denkmalgeschützten neoromanischen Gebäude des Göppinger Hauptfriedhofs gelten als erhaltenswürdig. Die Ausstattung ist nach Ansicht vieler Stadträte aber dringend erneuerungsbedürftig. Das wurde in den Haushaltsanträgen gefordert.

Leichenzellen Vor allem die im Ursprungszustand erhaltenen Räume für die Aufbahrung von Verstorbenen wurden mehrmals kritisiert. Emil Frick (FWG) untermauerte am Donnerstag, dass die dortigen Verhältnisse und die Kühlmöglichkeiten unzureichend seien.

Gesamtpaket Der Gemeinderat hat nun dem Verwaltungsvorschlag zugestimmt, die Friedhofsgebäude an die heutigen Erfordernisse anzupassen. Die Leichenzellen sollen modernisiert, die Beleuchtung der Aussegnungshalle erneuert, ein behindertengerechter Zugang geschaffen und die Versorgungsleitungen erneuert werden.

Antrag Auf Antrag von Emil Frick, nahmen die Lokalpolitiker in ihren Beschluss den Passus auf, dass die Stadt dem Gemeinderat unverzüglich ein Konzept vorlegen soll. Frick sprach auch die Modernisierung der Verwaltung und die Entrümpelung des Untergeschosses an

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