Kreis Göppingen Privatanbieter visiert Gymnasium und Grundschule an

Der Inhaber Dr. Christian Engel und die Leiterin Ebru Hazinedar in einem renovierten Klassenzimmer der Privatschule in Göppingen.
Der Inhaber Dr. Christian Engel und die Leiterin Ebru Hazinedar in einem renovierten Klassenzimmer der Privatschule in Göppingen.
ARND WOLETZ 07.02.2012
Privatschulen sind ein expandierender Markt. Nachdem sie sich im Kreis bei beruflichen Schulen etabliert haben, sollen jetzt in Göppingen auch eine private Grundschule und ein Gymnasium an den Start gehen.

Noch ist es eine große Baustelle. Rund um das Gebäude an der Freihofstraße in Göppingen, das früher das Arbeitsamt beherbergte, dominieren Bagger und Handwerker das Bild. Doch hier wird auch schon Unterricht gehalten. Auf 2000 Quadratmetern ist seit zwei Jahren die "Berufliche Schule Dr. Engel" zuhause.

Im gleichen Gebäude will das Unternehmen unter dem Markennamen "Poligenius" nun auch eine private Grundschule und ein Gymnasium eröffnen. Und dann wird sich das Bild auf dem Schulhof wandeln. Denn in diesen neuen Schularten sind dann die hell- und dunkelblauen T-Shirts als Schuluniform Pflicht. Auch um das Mensa-Essen kommt dann niemand herum. Das ist Teil des Konzepts, das der Chef des Unternehmens, der 49-jährige Betriebswirt- und Betriebspädagoge Dr. Christian Engel, etablieren will: Eine bilinguale Schule mit Fachunterricht auf Englisch, chinesisch als Pflicht-AG, und das alles angelehnt an die Montessori-Pädagogik: wenig lehrerzentrierter Unterricht, viel Freiarbeit, erklärt Engel. Die Privatschule wurde nach dem Krieg von Engels Tante in Heidenheim als Kombrecht-Engel-Schule gegründet, ist unter Christian Engel seit 1992 auf Expansionskurs und hat mittlerweile elf Standorte in Süddeutschland - seit 2007 auch in Göppingen. Mehrere Berufskollegs , aber auch eine kaufmännische Berufsfachschule und ein sozialwissenschaftliches Gymnasium gibt es hier. Nach dem Beginn an der Mörikestraße zog die Schule im Jahr 2010 in das viel größere Gebäude an der Freihofstraße um. Seit Jahresbeginn ist dort die in Esslingen geborene Juristin Ebru Hazinedar die Leiterin.

Was ist für das Unternehmen attraktiv am Standort Göppingen? Im Gegensatz zu anderen Städten wie Stuttgart oder Schwäbisch Gmünd sei Göppingen noch nicht so dicht mit Privatschulen bestückt, sagt Engel. "Das, was sich in anderen Städten bewährt hat, versuchen wir hier genauso", sagt der Inhaber. Allerdings noch immer auf kleiner Flamme. Insgesamt haben die beruflichen Schulen derzeit 18 Lehrer, einige Honorarkräfte und 250 Schüler. Grundschule und Gymnasium sollen im kommenden Schuljahr mit je einer Klasse starten und auch in Zukunft einzügig bleiben. "Wir sind geradezu putzig", sagt Engel mit dem für ihn typischen heiteren Lachen. "Das macht uns auch nichts aus. Wir besetzen eine Nische." Und das, so glaubt der Chef, macht die Schule auch für manche attraktiv. Seine Stärke sieht er darin, eine "überschaubare Schule" zu haben. Danach sehnen sich wohl viele Eltern und Kinder, meint er. Dafür machen sie auch Kompromisse bei den Angeboten - und dafür sind sie auch bereit, zu zahlen. 120 Euro pro Monat werden für die Grundschule fällig. Das muss erst einmal reichen. Erst drei Jahre nach der Genehmigung beteiligt sich der Staat an den Kosten. Dann bekommt die "Ersatzschule", wie sie offiziell heißt, zwei Drittel bis drei Viertel der Kosten erstattet, die ein Schüler auf einer staatlichen Schule verursacht.

Engel hat beobachtet, dass staatliche Schulen und die Behörden die privaten Bildungsangebote nicht immer nur mit Wohlwollen verfolgen. "Die mögen uns nicht, damit muss man leben", sagt der Inhaber, weist aber darauf hin, dass das Grundgesetz die Privatschulfreiheit garantiere.

Rainer Kollmer, Schulamtsdirektor am Staatlichen Schulamt Göppingen, sieht das entspannter. Es sei ein landesweiter Trend, dass private Gymnasien aus dem Boden gestampft werden. "Die Differenzierung ist politischer Wille." Er weist darauf hin, dass für die Anerkennung einer Privatschule ganz bestimmte Kriterien erfüllt sein müssen. Das Staatliche Schulamt hat die Aufsicht, die sich allerdings nicht auf die Dienstverhältnisse der angestellten Lehrer bezieht.

Dass es für private berufliche Schulen einen Markt gibt, erkennt auch Dr. Werner Faustmann, Leiter der kaufmännischen Schulen an der Öde, an. Er ist aber so selbstbewusst, vor allem die Qualität seiner staatlich geführten Schule herauszustellen. Ein "hervorragendes Umfeld und dank der Trägerschaft des Landkreises beispielhafte Bedingungen", gebe es an der Öde. Das gelte für Privatschulen nicht immer: "Der Qualitätsstandard mancher Privatschulen macht dem beruflichen Schulwesen keine Ehre", sagt Faustmann unverblümt. Das ist seiner Meinung nach an den Prüfungsergebnissen ablesbar. Privatschulen seien eben auch für Jugendliche geeignet, die für die staatlichen Angebote nicht die nötigen Notendurchschnitte haben. "Insofern haben wir eine etwas andere Klientel."