„Hier und heute kann die Revolution beginnen“, riefen Marc Friedrich und Matthias Weik den knapp 500 Zuschauern am 25. April 2017 in der Göppinger Stadthalle zu. Damals feierte ihr Buch „Sonst knallt’s“ Premiere in der Hohenstaufenstadt. Die Revolution und der geforderte „Wandel von unten“ blieben bis dato aus.

Grund genug für die beiden Autoren aus dem Remstal, ein weiteres Buch zu schreiben. „Der größte Crash aller Zeiten“ heißt das aktuelle Werk, mit dem die zwei Ökonomen eine „einmalige Zeitenwende mit heftigsten Verwerfungen“ voraussagen.

Das Krisenbuch, das vor dem Allerschlimmsten warnt, trifft offenbar den Nerv der Zeit: Rund 1100 Besucher waren am Donnerstag bei der Premiere der Wirtschaftslektüre, die es von Null auf Platz eins der Spiegel-Bestseller-Liste geschafft hat, dabei. Sie erlebten einen informativen Abend, bei dem trotz düsterer Prognosen der Humor nicht zu kurz kam.

Rezession klopft an die Tür

„Ich habe Gänsehaut am ganzen Körper“, gab Marc Friedrich Einblick in sein Gefühlsleben, als er in den vollen Saal blickte. Dass so viele Besucher gekommen waren, sah er als „Indikator dafür, was für Zeiten wir haben“. Es laufe etwas gewaltig schief, in der EU, aber auch weltweit. „Etwas ist aus den Fugen geraten, und wir werden dafür blechen, was gerade passiert“, kündigte Friedrich an und erntete immer wieder zustimmendes Nicken aus dem Publikum.

Weik und Friedrich sind sich sicher: „Im bestehenden System gibt es keine Lösung mehr“, der Crash sei unumgänglich. Die „Lethargie und Inkompetenz“ der Politiker sei daran Schuld, hinzu komme die Rezession, die lautstark an die Tür klopfe, Mitarbeiter bei Schuler und Bosch könnten davon bereits ein Lied singen.

Die beiden Wirtschaftswissenschaftler harmonierten als Duo, kein Wunder, sie kennen sich aus dem Kindergarten. Keiner fiel dem anderen ins Wort, Marc Friedrich sprach frei und eindringlich und war kaum zu bremsen. Ihre Präsentation war anschaulich und verständlich, die zwei sympathischen, bodenständigen Autoren dozierten nie, sondern nahmen das Publikum mit auf eine spannende Reise in die Welt der Finanzen. Im Anschluss stellten sich die beiden Querdenker in einem lockeren Talk den Fragen der NWZ-Moderatoren Helge Thiele und Joa Schmid.

Autoren sagen eine historische Krise voraus

Die Zahlen und Fakten, die Weik und Friedrich dem Publikum servierten, waren schwere Kost. 2,59 Billionen Euro habe die EZB in Märkte und Staaten gepumpt, „damit könnten Sie alle DAX-Unternehmen kaufen und hätten noch 1000 Milliarden übrig“, verdeutlichten sie. Oder man könnte sich 100 Millionen VW Golf mit diesem Geld kaufen. „Das System ist krank“, betonte Friedrich und forderte die Zuschauer auf: „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.“ Die Bestseller-Autoren sagen eine „historisch große Krise“ voraus – „obwohl wir innigst hoffen, dass das alles nicht eintritt“.

Die Remstäler zeichneten ein düsteres Bild von der Gegenwart und der Zukunft: „Die fetten Jahre im Automobilsektor sind längst vorbei“, machte Matthias Weik deutlich. Deutschland lebe auf Verschleiß und habe verpasst, in Breitband-Ausbau, Digitalisierung, Bildung und Infrastruktur zu investieren.

Den Volksparteien liefen die Bürger davon, die Schulden explodierten, die Nullzinsphase werde zu unsicheren Renten und Altersarmut führen, der breite Mittelstand erodiere. „Wir erleben die größte Blase aller Zeiten“, sagte Friedrich. Schulden-, Anleihen-, Aktien- und Immobilienblase führten zum Bankensterben und zu dem Tod vieler Zombiefirmen. „Die Kuh vom Eis zu holen, geht nicht mehr“, meinte der 44-Jährige. Und: „Der bevorstehende Crash wird größer als der 2008.“

„Der Vorhang fällt spätestens 2023“

Spätestens 2023 werde der Vorhang fallen, sind sich Weik und Friedrich sicher und legen sich damit erstmals in ihrem aktuellen Buch auf einen Zeitpunkt des Untergangs und des Euro-Scheiterns fest. Der Lauf der Dinge bestehe aus Zyklen, die Natur sei dabei ein guter Ratgeber. Ihre Schlussfolgerung: Nach dem tiefen Tal werde „ein goldenes Zeitalter“ anbrechen, der Mensch lerne durch Scheitern, es könne danach also alles nur besser werden. Bis dahin gelte es, sein Vermögen so gut es geht zu schützen und in verschiedene Sachwerte zu investieren. „Wer streut, rutscht nicht aus“, lautete der Tipp von Marc Friedrich.

Aber hat jeder so viel Geld?, fragte Moderator Helge Thiele nach. „Man muss sich auf den Crash vorbereiten, mental und monetär“, antwortete der Erfolgsautor. Dabei gebe es für jedes Portemonnaie Lösungen: „Auch mit einem kleinen Geldbeutel kann ich mir eine Silbermünze leisten“, ergänzte Matthias Weik. Das Ende des Bargelds ging an diesem Abend wie ein Schreckgespenst im Saal herum: Autoren, Moderatoren und die Mehrheit des Publikums wünschten sich, weiterhin mit Schein und Münze bezahlen zu können. „Bargeld ist Freiheit“, appellierte Weik an die Zuschauer, für dieses Recht zu kämpfen und erntete Applaus.

Kein Ausflug in die Politik

Trauen Sie denn den Politikern zu, die Krise zu lösen?, fragten Helge Thiele und Joa Schmid die beiden Autoren. Marc Friedrich gab die Frage an das Publikum weiter – die Antwort war eindeutig. Er selbst habe jedoch nicht vor, politische Verantwortung zu übernehmen: „Schuster bleib bei Deinen Leisten.“  Vielmehr könnten die Politiker mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz unterstützt werden, schlug der 44-Jährige vor. Aber das sei Zukunftsmusik. Im Gegensatz zum Crash, der unmittelbar bevorstehe. Daher sollten die Leute auf die Straße gehen, forderten die Autoren die Besucher einmal mehr zum Protest auf: „Wir dürfen die Macht der Menschen nicht unterschätzen.“

Die Anfänge: Über Nacht zum Riesenerfolg


Fünf Bestseller Das erste Buch von Marc Friedrich und Matthias Weik „Der größte Raubzug der Geschichte“ erschien im Jahr 2012 mit einer Auflage von 500 Exemplaren. Mit diesem Wirtschaftskrimi stürmten die bis dato unbekannten Autoren aus dem Remstal über Nacht die Bestseller-Listen. Auch ihr zweites Sachbuch „Der Crash ist die Lösung“, das 2014 in den Handel kam, wurde ein Riesenerfolg. Mittlerweile haben die beiden 44-jährigen Finanzstrategen und Querdenker rund 500 000 Bücher verkauft. Mit ihrem dritten Streich „Kapitalfehler“ im Jahr 2017 wollten die beiden Ökonomen eine tiefere Analyse mit Lösungsansätzen liefern. Ihr viertes Buch „Sonst knallt’s“ haben Friedrich und Weik zusammen mit Götz Werner, dem Gründer der Drogeriemarktkette dm, geschrieben. Im aktuellen Werk „Der größte Crash aller Zeiten“ ist sich das Autoren-Duo sicher, dass der Crash nicht mehr abzuwenden ist, es gehe stattdessen nur noch darum, sein Geld zu schützen.

Vierte Premiere Die Buchpräsentation in Göppingen war bereits die vierte Premiere, die Matthias Weik und Marc Friedrich zusammen mit der NWZ feierten. Bis auf den „Raubzug“ wurden alle Werke exklusiv im Landkreis vorgestellt.

Die Erfolgsautoren im Fernsehen


Filstalwelle Der „Talk im Wasserwerk“, ein Gemeinschaftsprojekt von NWZ und Filstalwelle, wurde von der Filstalwelle aufgezeichnet. An folgenden Tagen wird die Sendung mit Marc Friedrich und Matthias Weik im Fernsehen ausgestrahlt: Heute, Samstag, um 17, 19, 21 und 23 Uhr und am Sonntag, 17. November, um 7, 9 und 11 Uhr. Außerdem ist der Beitrag in der Mediathek der Filstalwelle zu sehen.

ARD Auch „report München“ beschäftigt sich in einem aktuellen Beitrag mit der Null- und Negativzinsphase. Ausstrahlung ist am kommenden Dienstag, 19. November, um 21.45 Uhr im Ersten. Die beiden Autoren kommen in dem Beitrag zu Wort.