Kreis Göppingen Praxis sucht Arzt

Kreis Göppingen / SUSANNE HERMANN 22.02.2014
Erneut ist landesweit die Zahl niedergelassener Mediziner gesunken. Im Landkreis gab es zuletzt 300 Ärzte in freier Praxis, sechs weniger als im Vorjahr.

Praxis sucht Arzt. Die Zahl niedergelassener Mediziner ist rückläufig - auch im Kreis Göppingen. Hier gab es zuletzt 300, sechs weniger als im Vorjahr. Durchschnittlich kommen hier 826 Einwohner auf einen niedergelassenen Arzt - landesweit liegt der Schnitt bei 656 Einwohnern.

Vor allem als Hausarzt will sich keiner niederlassen. Bundesweit fehlen bereits 2600 Hausarztpraxen, auch an vielen Fachärzten mangelt es. In der Folge bleiben häufig auch Apotheker und Physiotherapeuten weg. Betroffen sind vor allem ländliche Regionen, denn die Ärzte lassen sich wegen der besseren Infrastruktur bevorzugt in den Städten und deren nahem Umland nieder. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 52 000 Hausarztpraxen und etwa 66 400 Facharztpraxen (Quelle: Bundesärztekammer, Stand: 31. Dezember 2012).

Im Kreis Göppingen gab es Ende 2012 nach Zahlen des Statistischen Landesamtes insgesamt 785 Ärzte, darunter 300 niedergelassene Mediziner. Die Ärztezahl an sich erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 22, unter den niedergelassenen Ärzten verringerte sich die Zahl um sechs Ärzte. Landesweit sah die Entwicklung so aus: Die Gesamtärztezahl kletterte um 921 auf 44 816 Ärzte, die Zahl der niedergelassenen Kollegen schrumpfte um 136 auf nunmehr 16 103 Ärzte in freier Praxis, darunter waren rund 7100 Hausärzte (Allgemeinmediziner und hausärztlich tätige Internisten).

Die Landeszahlen klingen nicht dramatisch, doch mancherorts macht sich der Ärztemangel bereits bemerkbar. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KV) nennt den Hohenlohekreis und den Neckar-Odenwald-Kreis als Beispiele, wenn es um Engpässe in der hausärztlichen Versorgung geht. Die KVBW schätzt, dass in den kommenden Jahren rund 500 Hausarztpraxen im Südwesten nicht nachbesetzt werden können.

Die hohen Investitionskosten, lange Arbeitszeiten und Notdienste schrecken junge Mediziner von der Selbstständigkeit ab. Abhilfe soll das neu eingeführte Notfallpraxen-Konzept schaffen, ebenso das vom Sozialministerium aufgelegte Förderprogramm, das die Allgemeinmediziner in die ländlichen Regionen locken soll. Die CDU-Landtagsfraktion fordert generell eine stärkere Förderung neuer innovativer Konzepte und hat dabei gebündelte Gesundheitszentren, Ärztestationen oder Zweigpraxen im Blick.

Die Ärztedichte weicht im Vergleich auf Kreisebene teilweise deutlich vom Landesergebnis ab. Die vorderen acht Plätze nehmen die Stadtkreise ein, unter denen die drei Universitätsstädte mit eigenem Uni-Klinikum Heidelberg, Freiburg, Ulm zusammen mit Baden-Baden die Spitzengruppe bilden.