Jebenhausen Post in Jebenhausen macht wieder auf

Freude übers Post-Projekt (v.li.): Ruth Weber, Bezirksleiterin des Bildungszentrums, Sandra Hofele und Viola Santosuosso (Bildungsbegleiterinnen) und Teilnehmer Marcel Birkholz.
Freude übers Post-Projekt (v.li.): Ruth Weber, Bezirksleiterin des Bildungszentrums, Sandra Hofele und Viola Santosuosso (Bildungsbegleiterinnen) und Teilnehmer Marcel Birkholz. © Foto: Sabine Ackermann
Jebenhausen / Von Sabine Ackermann 17.07.2018
Aufatmen in Jebenhausen: Ab heute bietet das Bildungszentrum der Lebenshilfe Göppingen Postdienstleistungen sowie Praktisch-Kreatives aus eigenen Reihen an.

Schnell noch das Geburtstags-Päckchen an Tante Luise schicken, die Zeit drängt. Spät dran stellt die Nichte fest, der ist ja schon übermorgen – aber jetzt noch extra mit dem Bus nach Göppingen fahren? Solche Problemchen wird es zukünftig zumindest in Jebenhausen nicht mehr geben, denn seit heute gibt es wieder eine Postfiliale.

Zur Erinnerung: Ende letzten Jahres hörte das Schreibwarengeschäft Volland in der Von-Sprewitz-Straße inklusive des Postservices aus Altersgründen auf. Ein Dienstleistungsangebot, auf das die Bürger ab sofort und nach sieben Monaten Schließung nun nicht mehr verzichten müssen. Denn ab sofort ist die Postfiliale an sechs Tagen für insgesamt 25 Stunden im Bildungszentrum der Lebenshilfe am Vorderen Berg geöffnet. Zusätzlich werden dort selbstgefertigte Produkte wie Heimtextilien, Utensilien aus Holz oder Metall, kreative Briefkarten oder kleine Geschenke von den im Berufsbildungs-Bereich beschäftigten Teilnehmern angeboten.

Hell, freundlich und recht offen wirkt der energetisch sanierte Raum, der zuvor als Lager diente und Rolltore anstelle der großen Fenster jeglichen Aus- oder Einblick verwehrten. Offen und freundlich, so möchte sich auch das Bildungszentrum der Lebenshilfe präsentieren, bestätigt Bezirksleiterin Ruth Weber. „Uns ist die fachliche Qualifikation im Einzelhandel wichtig und das wir uns nach außen öffnen. Anzukommen in Jebenhausen und auch Menschen von außen hereinzulassen“.

Der  Bezirksleiterin und dem Fachkräfteteam bestehend aus Carmen Gistol, Catrin Wiezorek und Jens Müller kam die Anregung und der Wunsch, den Fachbereich im Einzelhandel zu erweitern. Den Erhalt der Postfiliale zusammen mit dem Verkauf ihrer eigenen Produkte zu kombinieren sehen sie als geeignete Gelegenheit, sich so auch mehr der Öffentlichkeit zu zeigen. „Bis dato waren wir mit unseren Sachen nicht so präsent. Wir verkauften vorrangig auf Märkten oder es war eher ein Insider-Geschäft“, verrät Ruth Weber und betont: „Wir finden es toll, dass sich die Post darauf eingelassen hat“.

Nach den Vorgesprächen folgten der Vertrag sowie eine Reise nach Tübingen, denn dort gibt es schon seit einiger Zeit eine integrative Post mit Vorbildcharakter.

Schnell fündig wurde man auch bei den Mitarbeiterinnen. Sandra Hofele aus Jebenhausen und Viola Santosuosso aus Süßen sind jeweils Bildungsbegleiterinnen im Haus und bereits seit einigen Wochen vor Ort als ein gutes Team zusammengewachsen. „Wir kannten uns vorher nicht“, sagt Sandra Hofele, die kurioserweise acht Jahre zuvor bei Volland gearbeitet hat. „Aber nur im Bereich Schreibwaren, nicht bei der Post.“ Sie erzählt zudem, dass sie keinerlei Berührungsängste mit behinderten Menschen habe. Die gelernte Textillaborantin hat wie ihre Kollegin mehrere Schulungen der Post besucht und freut sich nun, dass es endlich losgeht.

Auch Viola Santosuosso „scharrt schon mit den Hufen“, die gelernte Finanzassistentin sieht als oberstes Ziel „die Vermittlung in die Arbeitswelt“. Darin sammelt gerade Marcel Birkholz Erfahrung, der ausgelernte Fachwerker für Metallbautechnik fühlt sich bei den zwei Damen sichtlich wohl. Seit November ist der 22-Jährige im Bildungszentrum, kommt jeden Tag mit dem Bus von Hohenstaufen. „Nicht so seins“ war der Holzbereich, wo er vorher arbeitete, „dafür war ich nicht so geeignet“, verrät er lachend, und gibt anschließend gleich seine Stärken preis: „Meine besondere Fähigkeit ist der Umgang mit Zahlen, dafür habe ich eine gute Merkfähigkeit“. Geplant für die Bürogruppe sind insgesamt vier Teilnehmer, Marcel Birkholz ist der Erste.

Postfilialen werden immer seltener

Ein gutes halbes Jahr hatte der Göppinger Stadtbezirk Jebenhausen keine Postagentur mehr, nachdem Ursula Volland die Pforten ihres Schreibwarengeschäfts an der Von-Sprewitz-Straße am 30. Dezember zum letzten Mal öffnete. Die 67-Jährige hatte altershalber aufgehört.

Auch andere Ortschaften und Stadtbezirke haben immer wieder Probleme, ihre Postfilialen zu halten. Generell verringert die Post die Zahl ihrer Filialen seit Jahren drastisch und arbeitet mit Partner-Agenturen in Supermärkten oder Schreibwarengeschäften zusammen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel