Göppingen Populäres Bild gibt weiterhin Rätsel auf Vortrag zum Cappenberger Barbarossakopf

Göppingen / MARGIT HAAS 24.04.2012
Der Cappenberger Barbarossakopf gibt nach wie vor Rätsel auf - wie eine Veranstaltung der Gesellschaft für staufische Geschichte verdeutlichte.

Er scheint zu lächeln, er verändert je nach Blickpunkt des Betrachters sein Aussehen, er ziert Bücher und Werbematerialien - der Cappenberger Barbarossakopf fasziniert bis heute. Seit knapp 50 Jahren stellt die Stadt eine Kopie aus. Das Original haben Dr. Caroline Horch und Dr. Annemarie Stauffer erforscht. Auf Einladung der Gesellschaft für staufische Geschichte stellten sie nun die Ergebnisse vor. Caroline Horch, Kunsthistorikerin in Halle, betonte, dass noch immer manches rätselhaft und strittig sei. "Nach dem Antlitz des Kaisers geformt", sei er und dennoch kein Porträt, vielmehr "ein Herrscherbild mit seinen Vorstellungen von Herrschaft". Die geteilte Figur, die der Kaiser seinem Taufpaten Otto von Cappenberg geschenkt hatte, bringe seine Herrschaftskonzeption zum Ausdruck. "Das Kunstwerk ist ikonographisch hochkomplex", so Horch. Das fehlende Diadem verweise auf Konstantin den Großen. Der erste Mauerkranz symbolisiere Rom, der zweite das himmlische Jerusalem oder auch Aachen. Der Kaiser sieht seine Macht von Engeln getragen. Die Drachenfüße stehen für eine friedliche Zeit.

Der Kaiser trägt einen gepflegten Bart - hinter dem sich freilich so manches verbarg. Denn der Cappenberger Barbarossakopf war in Cappenberg auch zum wertvollen Reliquiar geworden und regelrecht voll gestopft mit Reliquien.

Wie ein entsprechendes Inventurverzeichnis aus dem 18. Jahrhundert belegt, waren es "zwischen 60 und 100", weiß Dr. Annemarie Stauffer vom Institut für Konservierungswissenschaft an der Fachhochschule Köln. Sie hat vier Gruppen von Reliquien ausgemacht. Die aus dem 10. bis 12. Jahrhundert sind in kostbare byzantinische Seide gehüllt, die es damals im Abendland nicht zu kaufen gab. Sie entstammten vermutlich einem Reliquienkreuz, das Otto gegen zwei Burgen eingetauscht hatte. Noch nicht geöffnet sind Stoffbündelchen aus dem 13. Jahrhundert. Die Stoffe stammen aus Nordspanien. Aus dem 14. Jahrhundert haben sich ganz unterschiedliche "Verpackungsformen" erhalten. Stoffe aus dem 17. Jahrhundert verweisen auf die jüngste Reliquie.

Dem Reliquiar war also über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Bedeutung zugekommen. Eine genaue Zuordnung der Reliquien ist heute freilich nicht mehr möglich. Und so bleibt der Kopf, den Dr. Karl-Heinz Rueß von der Gesellschaft für staufische Geschichte als "das wohl populärste Bild des Mittelalters" bezeichnete, weiterhin rätselhaft - und vielleicht gerade deshalb so faszinierend.