Kreis Göppingen Pollenflug setzt Heuschnupfen-Patienten zu

Von vielen lange herbeigesehnt, ist der Frühling jetzt da. Mit ihm kommen jedoch jedes Jahr auch die Pollen. Die hier abgebildeten Blütenkätzchen der Haselnuss sind für die meisten die Boten des Frühlings. Allergiker verbinden mit diesen nur den Griff zum Taschentuch.
Von vielen lange herbeigesehnt, ist der Frühling jetzt da. Mit ihm kommen jedoch jedes Jahr auch die Pollen. Die hier abgebildeten Blütenkätzchen der Haselnuss sind für die meisten die Boten des Frühlings. Allergiker verbinden mit diesen nur den Griff zum Taschentuch. © Foto: dpa
ROBIN ANIOBI SABRINA ORTWEIN 26.04.2013
Die Heuschnupfensaison hat wieder begonnen. Jedes Jahr aufs Neue bedeutet das für Betroffene: Niesen, Augentränen, Naseputzen und Co. sind an der Tagesordnung. Experten im Kreis geben Tipps.

Hinter einem Niesreiz muss derzeit keine Erkältung stecken, denn es ist Pollensaison. Bei einer Göppinger Allergikerin beginnt der Tag daher seit einigen Wochen mit Niesen und tränenden Augen. "Meine Augen muss ich zumindest nicht schminken", sagt die 21-Jährige lachend. Wie ihr geht es zurzeit vielen.

"Heuschnupfen schränkt die Lebensqualität ein und ist unangenehm", sagt Dr. Hans-Joachim Dietrich. Die schlimmste Zeit für die Patienten sei die Blütenzeit, die jetzt da ist: In der Luft tummeln sich derzeit auch Birkenpollen, die bei den meisten Patienten allergische Reaktionen auslösen. Dietrich, der Vorsitzender der Göppinger Kreisärzteschaft ist, erläutert: "Der menschliche Körper kann gegen alle Pollen allergisch sein." Die typischen Symptome seien Augentränen und das Verschnupftsein. "Auch Husten und Heiserkeit können auftreten. Wenn die Symptome nicht behandelt werden, kann das auf die Bronchien gehen", sagt Dietrich. In extremen Fällen könne es zu schwersten allergischen Reaktionen und deren Folgen kommen.

Heuschnupfen könne auch erst im Erwachsenenalter auftreten: "Da kommt es dann zur Allergisierung. Der Körper reagiert auf die Eiweißstoffe in den Pollen." Mittel und Wege, die Allergie loszuwerden, gebe es seiner Meinung nach praktisch nicht, sagt der Mediziner. "Eine Desensibilisierung kann versucht werden, aber ob das viel bringt, ist umstritten. Viele reagieren nicht darauf und je älter die Patienten, desto weniger Chancen bestehen", macht Dietrich deutlich. Am besten meide man das Allergen, aber "ständig im Haus bleiben - das kanns auch nicht sein".

Eine alternative Heilmethode ist die Akupunktur. "Akupunktur ist prinzipiell ein Verfahren, bei dem man gezielt Reize setzt, die wiederum Botenstoffe freisetzen. Diese werden über die Nerven transportiert. Das Gehirn, Rückenmark und auch das Immunsystem reagieren dann auf die Impulse", erklärt der Göppinger Schmerzmediziner Dr. Gerhard Müller-Schwefe. Ziel sei es, den Organismus zu beeinflussen: "Der Körper erkennt körperfremde Stoffe wie Pollen und reagiert auf diese. Durch Akupunktur wird diese Reaktion abgeblockt." Das vegetative Nervensystem lasse sich so beeinflussen.

Symptome wie gerötete Augen sollen abgeschaltet werden. "Akupunktur wirkt bei allen Formen von Allergien und hilft bei Jung und Alt", betont Müller-Schwefe. Mit der Behandlung könne schon begonnen werden, wenn die Symptome auftreten. Sinnvoller sei es aber, mit der Behandlung vier Wochen vor der Blütensaison zu beginnen. Akupunktur zur Behandlung von Heuschnupfen werde von der Krankenkasse nicht bezahlt, "Akupunktur kostet aber nicht die Welt." Sofort trete Besserung ein und nach drei Jahren treten oft keine Symptome mehr auf. Diese Methode habe keine Nebenwirkungen.

Kampf gegen die Allergie mit Desensibilisierung 

Weitere alternative Heilmethoden sind die Desensibilisierung und die Eigenblut-Therapie. "Mit der Eigenblut-Therapie beginnt man im November oder Dezember. Die Therapie wird über mehrere Wochen angewendet und dient dazu, die Allergie zu bekämpfen. Außerdem stärkt sie das Immunsystem", erklärt Heilpraktikerin Stefanie Denk. Ihre Patienten wirken dem Heuschnupfen auch mit Komplex-Homöopathie entgegen. "Früher hat man immer nur einzelne Mittel verschrieben. Heute sind das viele verschiedene, damit eins gezielt wirken kann", sagt Denk. Auch die Akupunktur im Gesicht helfe vielen Patienten, die auf Pollen reagieren.

"Derzeit blühen Esche, Erle und Birke. Die Gräser-Blüte hat noch nicht begonnen", weiß Meteorologe Martin Melber. Der Regen und somit Besserung sei nicht mehr fern: "Gegen Abend oder spätestens in der Nacht auf morgen wird es regnen. Auch mit Blitz und Donner. Die Temperaturen betragen zwischen sechs und 12 Grad", sagt Melber. In der Nacht auf Samstag dürfte die Luft also pollenfrei sein.