Projekt Polizisten im Einsatz für die Natur

Volkmar Spitz vom Umweltschutzamt in Aktion. Er ist „begeistert“ von der Idee und dem Engagement der Polizisten.
Volkmar Spitz vom Umweltschutzamt in Aktion. Er ist „begeistert“ von der Idee und dem Engagement der Polizisten. © Foto: Axel Raisch
Göppingen / Axel Raisch 15.02.2018
Beim Polizeipräsidium Einsatz setzen sich Mitarbeiter für den Naturschutz ein und versuchen das Potential des BePo-Geländes in dieser Hinsicht optimal zu nutzen.

Immer deutlicher wird: Insekten, Amphibien und Vögel brauchen in unserem Land dringend Schutz. Diesen Gedanken hat das Polizeipräsidium Einsatz aufgegriffen. Dort wird das Thema Naturschutz aktiv angegangen: „Uns liegt es im Blut, Schutzbedürftigen zu helfen“, sagt Polizeipräsident Thomas Mürder schmunzelnd. Mit großem Ernst jedoch verfolgen er und seine Mitarbeiter bereits seit einiger Zeit konkrete Maßnahmen.

„Ziemlich einmalig“, nennt das Naturschutzkonzept des Polizeipräsidiums Einsatz Regierungsdirektor Dr. Stefan Horrer vom für das Polizeigelände zuständigen Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg (VBA) in Schwäbisch Gmünd. Besonders spannend und außergewöhnlich sei die Tatsache, dass in diesem Fall die Nutzer den Anstoß gegeben hätten, so Dr. Horrer weiter.

Die beim VBA für die Göppinger Liegenschaft zuständige Projektleiterin Elke Brüllmann erklärt, wie das konkret aussieht. So sind etwa Dachbegrünungen für 131 geplante Carports vorgesehen. Rasenflächen sollen durch Anpassung der Pflege zu Wiesen werden, ein in den 80er Jahren angelegter Teich wurde reaktiviert und Nistkästen aufgehängt, nennt Präsident Mürder weitere Beispiele. Ein Naturschutzteam unterstützt die Maßnahmen ehrenamtlich. Zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Torsten Hoffmann vom Grünflächenmanagement des VBA, der Bäume schneidet, nachpflanzt und Totholzbäume als Refugium für Kleintiere sichert. Daneben geht es um die Pflege einer Magerwiese wie eines Streuobstbestandes und die Bepflanzung mit bienenfreundlichen Blumen.

Volkmar Spitz vom Umweltschutzamt des Landkreises ist „begeistert“ von der Idee und dem Engagement der Polizisten des Einsatzpräsidiums. Gerne stehe man beratend zur Seite. Denn sonst sei der Naturschutz meist ein Hindernis. Dass hier auf der größten, zusammenhängenden und abgeschlossenen Fläche in öffentlicher Hand des Kreises der Wunsch nach mehr Naturschutz bestehe, sei großartig.

Maximilian Groh vom Landratsamt vergleicht das 42 Hektar umfassende Gelände, abgesehen von der Größe, mit dem Truppenübungsplatz in Münsingen. Das Terrain habe mit seinem alten Baumbestand, der extensiven Bewirtschaftung und der Verbindung zu weiteren Teilflächen Richtung Heiningen und Alb eine große Bedeutung für die Vogelwelt.

Daran ändert auch die Anwesenheit des größten Vogels des Geländes nichts. „Unser Bussard muss auch weiterhin landen können“, sagt Thomas Mürder mit Blick auf den Einsatzhubschrauber, der mindestens einmal pro Tag das Gelände anfliegt und wieder verlässt. Das sind auch die einzigen Einschränkungen, die es für den Naturschutz gibt: Die Arbeit dürfe nicht darunter leiden, sei es in baulicher Hinsicht oder bezüglich Trainingseinheiten auf dem Gelände. „Ansonsten sind uns die Tiere herzlich willkommen und dürfen auch ohne Kontrolle in die Sicherheitszone eindringen“, betont Mürder.

Das Bewusstsein für den Naturschutz sei nicht neu, betont der Polizeipräsident. Davon zeugt das Gelände in überzeugender Weise. So findet sich ein Insektenhotel in bestem Zustand, das von Polizistenkindern während deren Ferienprogrammwoche erstellt wurde, Nistkästen an Bäumen, ein Hornissenkasten und ein in den 80ern entstandener Teich.

Mürder möchte nicht nur für das Gelände selbst etwas erreichen, sondern das Thema auch in den Köpfen der Mitarbeiter verankern: „Sie sollen es auch mit nach Hause nehmen“.

Als weiteres Ziel könnte er sich die Gründung eines Fördervereins vorstellen, der die relativ geringen Mittel bereitstellen könnte. Bislang erfolgt die Finanzierung aus dem Jahresbudget für Grünpflegemaßnahmen.

Derweil ist auch eine Studentin der Ludwigsburger Hochschule auf das Thema aufmerksam geworden; sie hat es ihrem Dozenten als Gegenstand ihrer Bachelorarbeit vorgeschlagen. Dabei möchte sie unter anderem untersuchen, wie mit möglichst wenig Mitteln viel zu erreichen ist.

Auch Pensionäre werden eingebunden

Naturschutz: Seit 2017 engagieren sich neun Polizisten des Präsidiums Einsatz ehrenamtlich in Sachen Naturschutz. „Tendenz steigend“, sagt der Erste Polizeihauptkommissar Andreas Ochs, der in der Gruppe engagiert ist. Aktionen des Teams finden ausschließlich in der Freizeit der Kollegen statt. Sie belebten damit das Engagement Kollegen früherer Zeiten wieder, so Ochs weiter.

Ehemalige: Es engagieren sich auch pensionierte Kollegen. Zum Beispiel als Imker für die auf dem Gelände beheimateten Bienenvölker.

Idee: Die Ideenfindung zum Projekt hatte im Sommer 2017 unter den Mitarbeitern stattgefunden.