Tiermessi Polizei löst erneut illegale Tierhaltung auf

Kreis Göppingen / ARND WOLETZ / SANDRA SCHRÖDER 31.07.2014
Die Tierhalterin aus einer Schurwaldgemeinde, der die Behörden im April bereits 19 Rottweiler in erbärmlichem Zustand wegnahm, hat jetzt wieder Ärger mit Polizei und Veterinäramt.

Eigentlich darf die Frau aus einer Schurwaldgemeinde gar keine Tiere mehr halten. Denn im April hatten die Behörden von ihrem Anwesen 19 Rottweiler befreit. Die Hunde waren damals in erbarmungswürdigem Zustand: Sie saßen in ihrem eigenen Kot, hatten kaum Wasser und Nahrung bekommen. Ein weiteres Tier war verendet.

Damals brachten die Mitarbeiter des Veterinäramts nicht nur die vernachlässigten Hunde in Sicherheit, die Behörden verhängten auch ein Tierhaltungsverbot gegen die 59-jährige Frau – schließlich war sie schon zuvor an ihrem vorherigen Wohnort im Ostalbkreis wegen solcher Verstöße aufgefallen.

An das Verbot hat sie sich offenbar nicht gehalten. Jedenfalls rückten am Donnerstagmorgen erneut die Polizei und das Veterinäramt in dem Dorf an: Auf dem Gelände fanden die bei der Aktion eingesetzten Amtstierärzte und Vollstreckungsbeamte des Veterinäramtes, Polizeibeamten und Mitarbeiter der Tierherberge Donzdorf, eine Herde von 55 Schafen, außerdem zwölf Enten, 24 Hühner und neun Kaninchen.

Nach derzeitigem Stand der Untersuchungen wiesen einige Schafe überlange Klauen auf, andere litten an Atemwegserkrankungen oder waren abgemagert. Es gebe Hinweise darauf, dass auch andere Tiere an Parasitenbefall und Durchfall litten, sagte Stephan Ludwig, Abteilungsleiter beim Veterinäramt. Das werde nun geprüft. Offenbar hatte die Behörde die Frau nach dem Vorfall im April intensiv beobachtet und Zeugen befragt. Jedenfalls „lagen Erkenntnisse und Verdachtsmomente vor, wonach sich die Frau nicht an die Untersagung hält“, teilte das Veterinäramt am Donnerstag mit.

Die Frau habe auch versucht, die Beamten zu täuschen indem sie mit Scheingeschäften vorgaukelte, die Tiere weggegeben zu haben. So wollte sie das Verbot umgehen. Als dann noch das Verwaltungsgericht Stuttgart im Eilverfahren die Rechtsmittel der Tierhalterin zurückgewiesen hatte und das Tierhalteverbot als voraussichtlich rechtmäßig einstufte, schritten die Behörden ein.

Bei dem Haus der Frau handele es sich um ein Gebäude mit Stall, erklärte Stephan Ludwig. An der vorhandenen Fläche habe es also nicht gelegen, dass die Frau keine Tiere mehr halten darf. Sie sei aber mit der Menge der gehaltenen Tiere überfordert gewesen. „Die tierschutzrechtliche Unzuverlässigkeit hat sich bestätigt“, sagte Ludwig. Experten sprechen in solchen Problemfällen von Animal-Hoarding, eine Art auf Tiere bezogenes Messie-Syndrom bei Menschen.

Die Kaninchen werden derzeit in der Tierherberge Donzdorf versorgt. "Die Tiere sind in einem schlechten Zustand", sagte die Leiterin Martina Heinzmann am Freitag auf Nachfrage. Es sei nicht sicher, ob alle Kaninchen überleben. Die Behandlung gegen den Durchfall der Tiere laufe bereits, am Freitag werden nun am Nachmittag die überlangen Krallen gekürzt. Sorgen bereiten Heinzmann auch die Hauterkrankungen durch den Milbenbefall und die Augen der Tiere. Sobald alle Tiere fertig behandelt sind, beginnt die Vermittlung, so Heinzmann.
 


Was geschieht mit den Tieren?

Vorbereitet: Das Veterinäramt war im aktuellen Fall darauf vorbereitet, eine größere Anzahl von Tieren unterbringen zu müssen. Deshalb sei vorab mit Gnadenhöfen, Tierheimen und Viehhändlern über den weiteren Verbleib gesprochen worden, sagte der Veterinäramtssprecher. Einzelheiten wollte er nicht nennen.

Prüfung: Im Fall der im April befreiten 19 Rottweiler hatten Tierschützer Kritik an der Weitervermittlung der Hunde geübt. Das Veterinäramt verweist aber auf die stattfindende „tierschutzrechtliche Prüfung, dass die Tiere in gute Hände vermittelt werden“. Im Falle der Hunde habe die Besitzerin Anspruch auf den Gegenwert gehabt, im aktuellen Fall nicht.