Begegnungen Politik statt Strandurlaub: Eine Reise durch zwölf Länder 

Viktoria Kruse, Anja Konanec und Alex Maier vor der Donau in Russe (Bulgarien), das gegenüberliegende Ufer gehört schon zu Rumänien.
Viktoria Kruse, Anja Konanec und Alex Maier vor der Donau in Russe (Bulgarien), das gegenüberliegende Ufer gehört schon zu Rumänien. © Foto: Privat
Göppingen / Helge Thiele 11.08.2018
Der Göppinger Landtagsabgeordnete Alex Maier (Grüne) ist ist einen Monat lang mit dem Zug im Donauraum unterwegs. Die Region fasziniert ihn.

Ich bin hier, um zu lernen“, sagt Alex Maier – und seine Stimme klingt so nah, als säße er einem direkt gegenüber. Doch der Göppinger Landtagsabgeordnete führt das Telefonat mit der NWZ aus einem Hotelzimmer in Sofia. Und gelernt hat der Grünen-Politiker auf seiner langen Reise bisher schon eine ganze Menge. In Bulgarien hat er eine der größten Roma-Siedlungen in Europa besucht. „Das ist eine ganz andere Welt. Die Armut ist greifbar und wie mit den Menschen dort umgegangen wird, hat mich sehr nachdenklich gemacht“, sagt der 27-jährige Parlamentarier.

In Ljubljana wohnt Alex Maier  in einem „grünen“ Hotel, dem einzigen seiner Art in der slowenischen Hauptstadt. Das Haus ist ein typischer Bau sozialistischer Prägung aus den 1970er Jahren – aber eben doch ein ökologisches Vorzeigeprojekt: Auf dem Dach des zwölfstöckigen Gebäudes sind gleich mehrere Bienenstöcke zu Hause. Der Abgeordnete aus Göppingen staunte nicht schlecht: „Slowenien ist ein bienenverücktes Land. Es gibt zwei Millionen Einwohner, davon sind  sage und schreibe 90 000 Imker. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es bei über 80 Millionen Menschen rund 130 000 Imker.“

Für die knapp 400 Kilometer von Belgrad nach Sofia benötigen Alex Maier und seine beiden Mitarbeiterinnen, Vicky Kruse aus Stuttgart und Anja Konanec aus Göppingen, mit der Bahn rund 13 Stunden. „Der Zug hält im Schnitt alle fünf Minuten auf offener Strecke an. Warum es diese Halte gibt, erschließt sich von unseren Plätzen aus nicht. Aber sowohl unser Vertrauen, als auch das der restlichen schweißnassen Passagiere in die serbische Eisenbahn ist unerschütterlich – und vor allem alternativlos“, erzählt Maier.

In der Landtagsfraktion der Grünen ist der Göppinger für die Donauraumstrategie der Europäischen Union (EU) zuständig. So entstand auch vor mehr als einem Jahr die Idee zu der Reise, die Alex Maier mit seinen Mitarbeiterinnen selbst organisiert – und finanziert hat, auch wenn er noch auf einen Zuschuss seiner Fraktion hofft. „Für meine Arbeit im Parlament wollte ich die Kultur und die Menschen vor Ort kennenlernen.“

Vor Ort – das sind in diesem Fall zwölf Länder, auch Moldawien gehört dazu. „Wir besuchen jeden Tag verschiedene Institutionen und sprechen mit ganz unterschiedlichen Menschen und Vertretern von Organisationen. So wollen wir einen Beitrag dazu leisten, die Donauraumstrategie mit Leben zu füllen.“

Diese wurde von der Europäischen Kommission erarbeitet und vom Europäischen Rat im Juni 2011 gebilligt. Entstanden war die Strategie unter anderem auf Initiative mehrerer Landesregierungen. Ziel ist es, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu stärken, um so durch Projekte den Donauraum und damit auch die EU insgesamt voran zu bringen.

Was dem gelernten Radiojournalisten Alex Maier auffällt, ist der „Grundenthusiasmus der Menschen, die wir erleben und mit denen wir sprechen“. Arroganz gegenüber den Donau-Staaten sei völlig fehl am Platz. Maier bedauert vielmehr, dass so wenige Deutsche „auf die Idee kommen, in Osteuropa Urlaub zu machen“. Das sei „angesichts des kulturellen Reichtums, der wunderbaren Landschaften und der sehr gastfreundlichen Menschen schade“. Ob der Abgeordnete mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen spricht, ein Jugendcamp, einen bedrohten Naturpark oder einen regierungskritischen Radiosender   besucht – nach seiner Rückkehr nach Göppingen will Alex Maier seine spannende Reise auf jeden Fall akribisch aufarbeiten und auswerten. Zum einen, um seine Erlebnisse anderen weitergeben zu können – vielleicht sogar in Form eines Buchs. Zum anderen, um seine Erfahrungen für die politische Arbeit im Landtag noch besser nutzen zu können.

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