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Stuttgarter Straße
Göppingen / Arnd Woletz Für 175 000 Euro  will die Stadt Göppingen einen Wettbewerb organisieren lassen, wie es auf dem Boehringer-Areal weitergehen soll. Hauptthema könnte der Denkmalschutz werden.

Eine Brache ist das Boehringer-Areal an der Stuttgarter Straße nicht. Derzeit seien 90 Prozent der Flächen vermietet, erklärte Rudolf Hollnaicher, Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft Businesspark Göppingen (BPG), als Eigentümer der gut 4,8 Hektar Flächen mitsamt der Gebäude. Vor fast drei Jahren hat die BPG das ganze Gebiet gekauft. Ideen wie die Umwandlung der alten Gießerei in einen Messehalle wurden zwischenzeitlich genau so gehandelt wie die Einrichtung eines Industriemuseums auf Teilflächen. Doch passiert ist seither wenig.

Die Flächen werden gewerblich genutzt. Allerdings ist die Arbeitsplatzdichte auf dem Grundstück der ehemaligen, traditionsreichen Maschinenfabrik, die zu Spitzenzeiten 2500 Mitarbeiter beschäftigte, derzeit sehr gering. Das soll sich ändern. Die Stadt sieht in dem Areal die letzte große verfügbare Industriefläche. Das Gebiet soll zu einem „urbanen Gewerbegebiet mit öffentlichen Strukturen“ werden, heißt es in einer Vorlage für den jetzt geplanten Planer-Wettbewerb.

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Ausdrücklich sei hochwertiges produzierendes Gewerbe erwünscht, unterstrich die Stadtplanerin Susanne Mehlis jetzt im Ausschuss für Umwelt und Technik. Baubürgermeister Helmut Renftle machte deutlich, dass die Stadt trotz mehrerer Suchläufe keine Freiflächen für Gewerbe mehr habe. Es gelte also frei gewordene Gebiete neu zu nutzen. Da spiele das Boehringer-­Areal eine große Rolle.

Allerdings hat das traditionsreiche Industrieareal für Investoren einen Haken: Die Backsteingebäude sind aus Sicht des Denkmalschutzes fast komplett schützens- und erhaltenswert. Es gebe „durchaus einen Konflikt mit dem Denkmalschutz“, sagte der Baubürgermeister. Das ist auch eines der Hauptthemen, von der sich die Stadt von den renommierten Architekturbüros Aufschluss erhofft. In einem aufwendigen Verfahren sollen elf Lokalpolitiker als Sachpreisrichter und 12 Experten als Fachpreisrichter den Sieger küren. Dazu kommen eine Handvoll Sachverständige, darunter auch ein Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege.

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Dass Teile des Gebäudebestandes stehen bleiben müssen, darüber herrscht auch bei der Stadtverwaltung Einigkeit. Das gelte beispielsweise für den Verwaltungsbau genauso wie für die Fassade entlang der Stuttgarter Straße, die ehemalige Modellschreinerei, die Alte Gießerei im Werk II, wo die Erfolgsgeschichte der Firma Boehringer vor 110 Jahren begann. So sieht es der erste Entwurf eines „Maßnahmenplans“ vor, den die Stadt den Wettbewerbsteilnehmern an die Hand geben will (siehe Grafik). Darin ist aber auch der Abriss des zentral gelegenen sogenannten Werk III vorgesehen, in dem sich mehrere Bauepochen mischen.

Im Ausschuss gab es überwiegend Zustimmung zu dem Wettebewerbsverfahren und Erleichterung, dass nun auf dem Boehringer-Areal wieder etwas passiert. Achim Fehrenbacher (CDU) wies aber darauf hin, dass die Planungsergebnisse schnell wieder Makulatur sein könnten, wenn ein Investor einen ganz anderen Bedarf anmelde. „Ich muss aber ehrlich gestehen, ich weiß auch nichts besseres“, räumte Fehrenbacher ein.

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Ziele und Zeitplan des Wettbewerbs

Zeitplan Wenn der Gemeinderat in der kommenden Woche zustimmt, beginnt unter Federführung eines externen Büros Ende März das Wettbewerbsverfahren. Von April bis Ende August ist Bearbeitungszeit für die Planer. Anfang Juni wird es eine Zwischenpräsentation geben. Die Preisgerichtssitzung mit Entscheidung ist für den 11. Oktober terminiert. Der Wettbewerb kostet 175 000 Euro.

Ziele Zu den städtebaulichen Zielen gehört auch die bessere Erschließung, die  Gesatltung von Freiräumen, die Gestaltung des Stadteingangs und das Wahren der Industriegeschichte.