Jubiläum Pionierarbeit für neuen Stadtteil

Blick zurück: Mit diesem Foto berichtete die NWZ vor 25 Jahren über die Einweihung des Kinderhauses in der Herbert-C.-Hoover-Straße. Jetzt wird Jubiläum gefeiert.
Blick zurück: Mit diesem Foto berichtete die NWZ vor 25 Jahren über die Einweihung des Kinderhauses in der Herbert-C.-Hoover-Straße. Jetzt wird Jubiläum gefeiert. © Foto: Helge Thiele
Göppingen / Von Arnd Woletz 05.07.2018

Es war ein Kraftakt, den die Stadt Göppingen und die katholische Kirche vor  25 Jahren im Stauferpark vollbrachten. Denn nach dem Abzug der US-Army musste nicht nur ein komplett neuer Stadtteil besiedelt, sondern auch schnell die Infrastruktur aufgebaut werden. Mitten drin: das Kinderhaus St. Nikolaus, das der Stadt gehört, aber in Trägerschaft der katholischen Kirche von Anfang an pädagogische Pionierarbeit  mit Modellcharakter leistete. Die Aufbruchstimmung hatte damals auch Anita Renner erfasst. Sie kam in das Kinderhaus im neuen Stadtteil. „Es war eine leere Hülle, die mit Leben gefüllt werden musste“, erinnert sich die Erzieherin, die seit 15 Jahren das Kinderhaus leitet. Die soliden, aber damals schmucklosen Räume, die bereits von den Amerikanern als Kindergarten genutzt worden waren, wurden  so umgebaut, wie es die Erzieherinnen vorschlugen und immer wieder ganz individuell gestaltet. Freie Hand hätten sie damals gehabt, lobt die Kinderhaus-Leiterin. Das gilt bis heute.

Der viergruppige Kindergarten mit Schülerhort  war  für damalige Verhältnisse  ungewöhnlich groß und hatte ein neuartiges Konzept: lange Öffnungszeiten von  6.30 bis 17 Uhr, altersgemischte Gruppen und die Betreuung von drei bis elf Jahren, die somit Kontinuität und Verlässlichkeit bieten. Dazu ein Konzept, das auf feste Bezugsgruppen, aber statt der damals üblichen Abschottung auf familienähnliche Strukturen und Funktionsräume setzte. „Ein Haus wie eine Wohnung“, sollte es sein. Die  Eltern sind im Haus  ausdrücklich willkommen, man setzt seit jeher  auf Erziehungspartnerschaft.

Pädagogisch ist alles an den Interessen der Kinder ausgerichtet, die so gut wie möglich beteiligt werden, erklärt Anita Renner. „Wir bemühen uns, immer die Kinderperspektive einzunehmen.“ Die Kleinen sollen zu jungen, selbstbewussten Menschen werden, die Konflikte gewaltfrei lösen. Auf hochwertiges Spielzeug wird Wert gelegt. Zu Gute kommen den Mitarbeitern und Kindern das großzügige Platzangebot und die Außenanlagen.

Heute ist das Kinderhaus aus dem Stadtteil nicht mehr wegzudenken. Doch ganz einfach war der Start nicht. Denn bereits im Juni  1992, ein Jahr vor der offiziellen Eröffnung,  ging es mit einer „Notgruppe“ los. Währenddessen arbeiteten die Mitarbeiter an der Konzeption. Wie gut die gelungen ist und wie gut das Klima ist, sieht Anita Renner auch dadurch bestätigt, dass fünf Mitarbeiterinnen von damals immer noch dem Kinderhaus die Treue halten. Im Laufe eines Jahres füllte sich das Gebäude dann tatsächlich mit Leben, und 1993 feierten alle ein großes Einweihungsfest.

Seither ist das Kinderhaus St. Nikolaus viel mehr als nur ein Kindergarten geworden. Es dient in dem reinen Wohngebiet auch als wichtiges Bindeglied zwischen den Bewohnern. Hier trifft man sich, unterhält sich, knüpft Kontakte.

Das Konzept, das immer wieder verfeinert wurde, ist auch für Anpassungen flexibel. Vor sechs Jahren wurde der Hort an die nahe Schule ausgelagert, damit Platz war für eine weitere Neuerung: eine Kleinkindgruppe, die sich fest etabliert hat. „Wir hatten sehr viel Glück mit dem Personal“, wie Anita Renner betont, „das hat sich gut gefügt“. Und: „Wir sind stolz auf das, was wir geleistet haben. Und das zeigen wir auch.“ Deshalb steht die Transparenz im Vordergrund, sei es bei der pädagogischen Arbeit oder im elektronischen Bilderrahmen im Foyer. Deshalb soll die Jubiläumsfeier ein Fest für die ganze Stadt werden (siehe Infobox).

Buntes Jubiläumsfest bietet für jeden etwas

Willkommen Mit der ganzen Bevölkerung wird am Samstag, 14. Juli, gefeiert. Das Fest wird um 11 Uhr mit einem Lied eröffnet. Grußworte sprechen unter anderem Oberbürgermeister Guido Till und Pfarrer Markus Rometsch. Dann präsentieren die Kinder eine Aufführung.

Programm Das Spielmobil ist da, eine Hüpfburg bietet Bewegungsmöglichkeit, es gibt Kinderschminken und Gelegenheit, das Kinderhaus zu besichtigen. Um 14 Uhr tritt der Zauberer-Clown Bobby auf. Im Garten werden die Green-Sox einen Baseball-Schlagkäfig aufbauen.

Verpflegung Neben Pizza, Salat und Grillwurst am Kinderhaus gibt es im Schülerhort Kaffee und Kuchen.

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