Göppingen / Sabine Ackermann  Uhr

„Das war die beste Vorstellung von der ganzen Welt“, findet Luca aus Strümpfelbach, der als Fünfjähriger natürlich ganz klar zu den Experten in Sachen Kinderbespaßung gehört. Gut beobachtet, denn für das Familien-Musical „Pinocchio“ – eine Eigenproduktion des Theaters Liberi – gab es am Ende von über 430 Kindern und Erwachsenen frenetischen Applaus – zu Recht.

Wer kennt sie nicht, die turbulente Geschichte von Pinocchio (Maik Dehnelt), den Geppetto (Dennis Fischer) in seiner Werkstatt aus einem Holzscheit geschnitzt hat. Durch den Zauber der Blauen Fee (Elisa Maria Matzer), erwacht die menschengroße Marionette mit der großen Lügennase zum Leben. Jetzt ist der hölzerne Junge zwar lebendig, weiß sonst aber wenig von der Welt und den Unterschied zwischen Gut und Böse. Zum Glück steht dem neugierigen Pinocchio die schlaue Grille Grilli (Mareike Heyen) zur Seite, die ihn aus mancher schwierigen Situation befreien muss. Vor allem der listige Fuchs (Loraine Ziemke) sowie der gemeine Kater (Till Jochheim) wollen ihm seine fünf Goldtaler abluchsen.

Schnell wird Pinocchio klar, „Lügen haben kurze Beine – oder eine lange Nase“, und er lernt, dass man es auf dem Weg zum Erwachsenwerden mit der Wahrheit genau nehmen muss.

Einmal mehr ist es den sechs Darstellern von Theater Liberi gelungen, das Publikum mit ihrem frischen und lebendigen Spiel und großartigen Stimmen in den Bann zu ziehen. Alle Akteure sind bei der Sache, wirken nie zu aufgesetzt oder gar gelangweilt, bisweilen fragt man sich augenzwinkernd: Wer hat eigentlich mehr Spaß, die Schauspieler oder die Zuschauer? Schöner Nebeneffekt – die Jüngsten lernen aus der Geschichte. „Wer gar nicht wagt, der nicht gewinnt“, erfährt Pinocchio und bekommt auch gleich eine Anleitung dazu: „Wenn du etwas tun willst, warte nicht zu lange, mach es lieber heute!“

Individuell gestaltet sind das pfiffige Bühnenbild nebst buntem Lichtdesign sowie die ausgefallenen Kostüme und Masken, die zusammen mit der modernen Musik ein kreatives Gesamtkunstwerk abgeben. Gut verständlich sind die eingängigen Texte zu Songs aus den Bereichen Blues, Funk oder Pop, die  immer wieder zum Mitmachen animieren. Ob gefühlvolle Ballade, rockiger Song zum Mitsingen oder traditioneller Walzer – Ohrwurmpotenzial ist garantiert.

Sabine Ackermann