Göppingen / ANNEROSE FISCHER-BUCHER Freies W-Lan in Asylbewerberheimen? Drei Rotary Clubs, der Lions-Club, das Landratsamt und die Freifunker Göppingen machten's möglich.

Ein Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Göppinger Pappelallee erzählte auf Französisch, wie schwierig es vor der Einrichtung des freien W-Lan gewesen sei, mit seinen Verwandten zu kommunizieren. Der Algerier freute sich zusammen mit der Leiterin der Einrichtung, Rosemarie Schumm, dass diese Kommunikationsprobleme jetzt der Vergangenheit angehören. Ein gemeinsames Pilotprojekt der Serviceclubs Rotary Göppingen, RC Göppingen-Stauferland und RC Geislingen-Laichingen, des Lions Clubs, des Göppinger Landratsamts und der Freifunker machte es möglich. Wie wichtig die technische Neuerung gerade für Flüchtlinge ist, darauf machten auch die Initiatoren aufmerksam. "Es ist kein Luxus, sondern eine Grundversorgung, um sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden", sagte Marlis Prinzing, Präsidentin des Rotary Clubs (RC) Göppingen.

Sechs Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis Göppingen, von denen bereits vier am Netz sind, wurden mit einem frei zugänglichen, kostenlosen W-Lan-Zugang ausgestattet. Über 1000 Asylbewerber werden von der Gemeinschaftsinitiative profitieren. Weitere sechs Unterkünfte sollen hinzukommen.

Möglich war dies geworden, weil die vier Serviceclubs - Rotary Göppingen, RC Göppingen-Stauferland, RC Geislingen-Laichingen, Lions-Club Göppingen - in ihrer Asylkooperation "dienst-bar" die Einmalkosten und das erste Betriebsjahr der drahtlosen Internetverbindungen in Höhe von 8000 Euro finanziert haben. Die weiteren Betriebsjahre wird der Landkreis mit jeweils 3000 Euro finanzieren. Dies sei eine Freiwilligkeitleistung des Landkreises, die der Kreistag unterstützt habe, berichtete Landrat Edgar Wolff von der "Akzeptanz des Kreistags". Ohne technische und ehrenamtliche Unterstützung des Freifunkervereins, den es seit 2014 mit zehn Mitgliedern in Göppingen gibt, wäre dies nicht möglich gewesen, betonte der Öffentlichkeitsbeauftragte des Rotary Clubs Göppingen-Stauferland, Michael Wirkner.

Ursprünglich ging die Initiative zu dem Projekt vom "Arbeitskreis Asyl" der Stadt Göppingen aus, deren Idee dann von den Rotary Clubs und der Landkreis-Verwaltung aufgegriffen wurde. Unter der Federführung des Landkreises sei das Projekt so richtig zum Laufen gekommen, berichtete Frank Steiner von den Göppinger Freifunkern. Nach vielen Gesprächen habe es noch etwa neun Monate bis zur Realisierung der technischen Neuerung gedauert. Die private Initiative der Freifunker wolle ein offenes freies W-Lan ohne sogenannte Störerhaftung ermöglichen und helfe bei der technischen Umsetzung. Unterstützt werden Kommunen, Betriebe, Gastronomie, Privatpersonen oder Schulen, so Steiner. Für sie werde es immer wichtiger, einen nicht kommerziellen weltweiten Zugang zum Netz zu haben.

Alexander Gaugler, Präsident des RC Göppingen-Stauferland, der am "Runden Tisch Asyl" teilgenommen hatte, betonte die "integrationsunterstützende Wirkung" des Projekts für die Flüchtlinge. Die karitative Aufgabe der Serviceclubs sei es, da zu helfen, wo es fehle. Es gehe nicht nur um Geld, sondern um viel persönliches und ehrenamtliches Engagement der Beteiligten, um ein solches Projekt zu realisieren.