Korruption im Gesundheitswesen – Schwarze Schafe im weißen Kittel“. Das Thema der von der SPD veranstalteten  Diskussionsveranstaltung in der Göppinger Schreinerei Moldaschl kam nicht von ungefähr. Nach Schätzungen des Brüsseler Netzwerks gegen Korruption entsteht durch Abrechnungsbetrug, Falschabrechnung und andere Tatbestände in Deutschland ein jährlicher Schaden von 14 Milliarden Euro.  Der Einstieg ins Thema ausgerechnet von einem Krimiautor – dem  Stuttgarter  Wolfgang Schorlau, der  aus seinem Buch „Die letzte Flucht“ las – schien da angemessen. Im Zusammenhang mit der Lesung und seiner Recherche hatte Schorlau davon gesprochen, dass der Kern der neuen Strategie der Pharmakonzerne die Patienten seien.

Nachdem in Deutschland die Werbung für Medikamente direkt beim Verbraucher verboten ist, seien die Pharmas bestrebt, mit vielerlei Methoden die Informationshoheit über Krankheiten und Medikamente zu übernehmen. Damit versuchten sie, die Patienten dazu zu bringen, dass diese beim Arzt, dem sogenannten „Verordner“, das aus wirtschaftlichen Gründen gewünschte Medikament verlangen. Das Geld befinde sich bei den Krankenkassen und es gehe darum, es auf die andere Seite zu bringen.

Der Arzneimittelmarkt sei riesig mit einem Volumen von 62 Milliarden Euro im Jahr 2016. Schorlau sagte, dass er große Unternehmen untersucht habe, die Umsatzrenditen zwischen 35 und 40 Prozent hätten. Keine Branche verdiene so viel Geld. Im Vergleich dazu seien es im Maschinenbau 6 Prozent und beim Buchhandel 3 Prozent. Das  Gesetz zur Bekämpfung von Korruption in allen Heilberufsgruppen, das Christian Lange, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium vorstellte, soll die kriminellen Machenschaften in der  Branche eindämmen.  Bei einer Verknüpfung von Vorteil und Gegenleistung mit einer Unrechtsvereinbarung handle es sich um einen Straftatbestand, betonte Staatssekretär Lange. Man habe allerdings von einem Sonderstrafrecht für Ärzte Abstand genommen, weil eine Kooperation im Gesundheitswesen nicht per se verwerflich sei.

Bei der Podiumsdiskussion unter Leitung der Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens, die davon sprach, dass man „seit 2011 gesetzlich nachjustiert“ habe, nahmen Dr. Johannes Fechner von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, und der Bartenbacher Apotheker Philipp Wälde, Mitglied der Vertreterversammlung der Landesapothekerkammer, dazu Stellung. In der Podiumsdiskussion wurde schnell klar, dass als schwarze Schafe die Pharmas ausgemacht wurden.

Wälde sagte auf die Frage von Baehrens, ob 100.000 verschiedene Medikamente nötig seien, die Apotheker würden nur beraten, nicht verordnen und ihr System sei transparent. Hermann wünschte sich, dass die Pharmas im ersten Jahr nicht die Preise festsetzen könnten, weil dies zu hohe Preise und keinen Wettbewerb bedeute. Die Kassen wollten bezahlen, aber nicht in diesen Größenordnungen und ohne Zusatznutzen des Medikaments: „Wenige dürfen nicht auf Kosten der Sozialkassen Gewinne machen.“ Fechner bedankte sich, dass nicht alle Hausärzte unter „Generalverdacht“ gestellt würden, räumte aber ein, dass eine versuchte Einflussnahme auf Klinikärzte durch die Pharmas zunehme. Er verwies auf unabhängige gemeinsame Publikationen von Ärzten und Kassen.