Unser Gespräch im Sozialministerium hat deutlich gemacht, dass auch andere Kliniken im Land Probleme mit multiresistenten Keimen haben“, sagte Dr. Ingo Hüttner in der jüngsten Kreistagssitzung.

Ein Trost ist diese Erkenntnis für den Medizinischen Geschäftsführer der Alb-Fils-Klinien  allerdings nicht. Denn die Belastung mit den sogenannten VRE-Keimen in der Göppinger Klinik am Eichert habe zu einer „erheblichen Verunsicherung der Menschen“ geführt, stellte Hüttner fest. Und das, obwohl der Klinik inzwischen von allen Seiten bescheinigt werde, konsequent
gegen das Problem vorzugehen. „Wir entwickeln uns stabil“, betonte der Klinikchef. So stabil, dass die gesonderte Unterbringung bestimmter Patienten in Kürze eventuell aufgehoben werden könne. Doch die Situation der vergangenen Monate ist nicht ohne wirtschaftliche Folgen geblieben: Die Patientenzahlen sind deutlich gesunken. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es 2000 Fälle weniger, die in der Göppinger Klinik  – vor allem in den chirurgischen Abteilungen – behandelt wurden. Das Geld fehlt.

„Wir haben einen gewissen Imageschaden“, räumte Wolfgang Schmid, der Kaufmännische Geschäftsführer  der Alb-Fils-Kliniken, in der öffentlichen Kreistagssitzung am Freitag ein. Den Rückgang der Fallzahlen könne man mit der Keimproblematik in Zusammenhang bringen, denn bis zum Anstieg der Belastung sei „alles gut gewesen“. Hinzu komme jetzt noch der Wegfall der Schlaganfallversorgung aufgrund der Entscheidung des Sozialministeriums, dass vom 1. April an  für die kommenden zwei Jahre nur noch das Christophsbad für Patienten mit Schlaganfällen zuständig ist. Die Alb-Fils-Kliniken haben gegen den Bescheid des Ministers Klage eingereicht. Das Christophsbad klagt auch – allerdings gegen die Befristung. Beide Kliniken streiten seit vielen Jahren über die Schlaganfallversorgung. Parallel zu dem Konflikt sei man derzeit dabei, „mit dem Christophsbad eine neue Vereinbarung zu schmieden“, teilte Hüttner den Kreisräten mit. Dies gestalte sich jedoch „noch nicht so geschmeidig“, meinte er.

Unter anderem wegen des erhöhten Aufwands bei der Bekämpfung der Keime und der fehlenden Einnahmen aus der Schlaganfallversorgung schließt die Geschäftsführung der Alb-Fils-Kliniken ein Defizit von rund drei Millionen Euro für die beiden Kliniken in Göppingen und Geislingen in diesem Jahr nicht aus. Geplant war für 2018 die „Schwarze Null“. Wolfgang Schmid machte deutlich, dass man die fehlenden Fallzahlen bis Jahresende nicht mehr aufholen könne, da „die OP-Säle nicht auf 120 Prozent laufen können“. Für ein Raunen unter den Kreisräten sorgte Schmid mit dem Satz: „Wir gehen aber fest davon aus, dass 2019 ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt werden kann.“

Der Aufsichtsrat der Kliniken hat die Geschäftsführung vor wenigen Tagen damit beauftragt, Maßnahmen gegen die „Leistungsdelle“ (Schmid) zu entwickeln. Unter anderem soll die Öffentlichkeitsarbeit noch einmal verstärkt werden. Dazu wird in Kürze die Presse- und Marketingabteilung der Alb-Fils-Kliniken personell aufgestockt. Ingo Hüttner sieht trotz aller Herausforderungen keinen Grund zur Schwarzmalerei. Gleich zu Beginn der Kreistagssitzung hatte der Klinikchef festgestellt: „Es sind durchaus auch viele Patienten sehr zufrieden.“

Kliniken reichen diese Woche den Bauantrag ein


Neubau: Diese Woche wollen die Alb-Fils-Kliniken bei der Stadt Göppingen den Bauantrag für den geplanten Klinik-Neubau einreichen. Das kündigte der Kaufmännische Geschäftsführer Wolfgang Schmid am Freitag im Kreistag an. Die Alb-Fils-Kliniken setzen darauf, dass ihnen die Stadt die Baugenehmigungsgebühren erlässt, weil die Klinik ein Unternehmen im öffentlichen Interesse sei, sagte Schmid. Die Geschäftsführung gehe davon aus, „dass wir das bald gemeinsam klären können“. Schmid betonte zudem, er rechne weiterhin mit einer Förderquote des Landes von 48 Prozent für den geplanten Neubau.