Göppingen Papst und Teufel: Vortrag zu Kirche und NS-Diktatur

Professor Hubert Wolf hat im Vatikan zum Verhältnis der katholischen Kirche zur NS-Diktatur geforscht.
Professor Hubert Wolf hat im Vatikan zum Verhältnis der katholischen Kirche zur NS-Diktatur geforscht.
Göppingen / SWP 02.05.2012
Im Spiegel neu zugänglicher Akten hält der Historiker Hubert Wolf am Freitag einen Vortrag zum Themenkreis Kirche und NS-Diktatur.

Das Vatikanische Geheimarchiv und das Archiv der Glaubenskongregation mit den Akten der Römischen Inquisition und der Indexkongregation: Um diese Bestände ranken sich - nicht erst seit Dan Brown - die buntesten Mythen und Legenden. Professor Hubert Wolf kann ihnen wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse entgegenstellen. Im Spiegel der neu zugänglichen Akten aus den Vatikanischen Archiven hält der Historiker am Freitag, 19.30 Uhr, im Jüdischen Museum in der Alten Kirche Jebenhausen einen Vortrag unter dem Titel "Papst und Teufel - Katholische Kirche und NS-Diktatur".

Im Vatikanischen Geheimarchiv sind seit 2003 viele Akten für die höchst brisante Zeit von 1922 bis 1939 für die Wissenschaft zugänglich. Damit werden erstmals die harten Kämpfe hinter den hohen Mauern des Vatikans sichtbar: Philosemiten und Antisemiten, geschmeidige Diplomaten und dogmatische Fundamentalisten, selbstbewusste Bischöfe vor Ort und mächtige Kardinäle in Rom rangen um den richtigen Umgang mit den Mächten der Moderne: Liberalismus, Kommunismus und Nationalsozialismus.

Hubert Wolf hat zum Beispiel erforscht, warum eine philosemitische Vereinigung aufgelöst, gleichzeitig aber der Antisemitismus verurteilt wurde, wie es 1933 zum Konkordat mit dem "Dritten Reich" kam, wie es sich mit dem päpstlichen "Schweigen" zur Judenverfolgung verhält und warum Hitlers "Mein Kampf" nie auf den Index der verbotenen Bücher kam.

Hubert Wolf ist Professor für Kirchengeschichte an der Universität Münster. 2003 erhielt er den Leibnizpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), 2004 den Communicator-Preis von Stifterverband und DFG sowie 2006 den Gutenberg-Preis der Stadt Mainz.

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