Porträt Oskar Schlemmer begann Karriere in Göppingen

Göppingen / Margit Haas 13.04.2018

Im Juli des Jahres 1900 schreckte ein Feueralarm die Göppinger auf. In der Knabenschule an der Burgstraße – heute die Uhland-Realschule – war ein Brand ausgebrochen. Ein zwölfjähriger Knabe war von dem Ereignis nachhaltig beeindruckt und hielt die aus dem Dach schlagenden Flammen in einem kleinen Aquarell fest. Es steht heute ganz am Anfang des Werkverzeichnisses von Oskar Schlemmer.

Der bedeutende Bauhaus-Künstler hat einige Jahre seiner Kindheit in Göppingen verbracht. 1899 zog er zu seiner Schwester Wilma Morgenstern in die Marstallstraße. Er besuchte die Realschule, das heutige Freihof-Gymnasium. Hier traf er in Carl Gmelich und Gustav Kolb zwei Kunstlehrer, die sein Talent erkannten und ihn ermunterten, die Künstlerlaufbahn einzuschlagen. „Auf Anraten seiner Lehrer besorgte sich Schlemmer einen Malkasten und legte ein Herbarium an, dessen Pflanzen er aquarellierte. Stolz berichtete er im April 1902, dass er im „Gedächtnis- und Freihandzeichnen“ bereits viermal den ersten Preis erhalten habe und dass seine Zeichnungen auf einer Schülerausstellung in Stuttgart gezeigt werden sollen“, berichtet die Schlemmer-Expertin Karin von Maur.

Aus der Göppinger Zeit haben sich einige Briefe Schlemmers erhalten und eben auch der dramatische Eindruck des brennenden Schulhauses. Bis heute befindet sich das Aquarell im Besitz der Stuttgarter Staatsgalerie, die den künstlerischen Nachlass Schlemmers verwaltet. Außerdem ist ein nach seinen Entwürfen gemaltes Wandgemälde im Badehaus der früheren Märklin-Villa erhalten.

Oskar Schlemmer konnte die Schule nicht beenden, zog nach Stuttgart, trat als Lehrling in die Kunstanstalt für Intarsien von Wölffel & Kiessling ein. Es folgte ein Studium an der Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie und der Umzug nach Berlin. 1920 wurde er von Walter Gropius als Leiter der Bildhauerei-Abteilung und der Bühnenwerkstatt ans Bauhaus in Weimar berufen. Durch die Uraufführung des „Triadischen Balletts“ 1922 in Stuttgart wurde er international bekannt.

Das kreative Schaffen Oskar Schlemmers endete jäh mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Er galt als entarteter Künstler, zog sich in die innere Emigration zurück. Seine Figurendarstellung wurde düster, reflektierte seine Situation. 1942 entstanden mit den „Wuppertaler Fensterbildern“ seine letzten Werke. Ein Jahr später starb er in Baden-Baden.

Kunst im Badehaus

Märklin-Villa In Göppingen erinnert ein Wandgemälde im Badehaus der ehemaligen Märklin- Villa an Oskar Schlemmer. Nach seinen Entwürfen hat es sein Bruder Karl gemalt. Er war mit dem Maler Helmut Baumann und der Familie Märklin befreundet gewesen. Es zeigt ganz typisch für Schlemmer entpersonifizierte, archaische Figuren, die perfekt mit der Natur harmonieren und bildet mit der original erhaltenen Innenausstattung eine stimmige Einheit.