Göppingen / Joa Schmid  Uhr
100 Tonnen Gewicht und eine Länge von 22 Metern:  Die Dampflok 41315  kommt als Dauerleihgabe  ins Märklin-Museum.

Wenn sich Firmenchefs etwas zu Weihnachten wünschen, dann nimmt das manchmal gewaltige Ausmaße an. Bei Florian Sieber war es so. Der Märklin-Chef  wollte sich pünktlich zur Eröffnung des neuen Märklin-Museums seine Wunsch-Lokomotive ins Stammwerk nach Göppingen holen. „Als eine Art Wahrzeichen für  das Märklineum.“ Auch sein Geschäftsführer-Kollege, Wolfrad Bächle, selbst ein ausgewiesener Eisenbahnfan,  war von der Idee begeistert.

Soweit eigentlich nichts Besonders. Für einen Modellbahnhersteller aber eher ungewöhnlich: Die Wunschlokomotive des Märklin-Chefs, die zur Zeit noch im Süddeutschen Eisenbahnmuseum in Heilbronn zu sehen ist, misst 22 Meter und wiegt über 100 Tonnen.  Im Frühjahr soll die Original-Dampflok aus dem Jahr  1942 nach Göppingen überführt werden. Schon der geplante Schwertransport dürfte nicht nur unter Eisenbahn-Fans für Aufsehen sorgen. „Das wird wie ein vorgezogener Maientag“, meint dazu Eventmarketing-Leiter Eric-Michael Peschel, der den Transport vorbereitet. „Die 4,70 Meter hohe Lok wird auf dem Bahngleis in Göppingen ankommen und dann per Kran und Lastwagen ins Stammwerk in der Stuttgarter Straße gebracht.“
Die Lokomotive, die 1942 bei Krupp in Essen gebaut wurde, wird zudem von Märklin komplett restauriert. Das machte die Stadt Kornwestheim zur Bedingung für die unbefristete Dauerleihgabe, bestätigt Pressesprecherin Eva Wiedemann. Märklin hat sich verpflichtet, die Lok für Ausstellungszecke auf eigene Rechnung herzurichten und instand zu halten. Außerdem kommt das Göppinger Traditionsunternehmen für die Transportkosten auf. Es geht darum, die Original-Maße einer 44er Lok gegenüber dem Märklin-Modell zu verdeutlichen, berichtet Eventmarketing-Leiter Peschel. Eine Art Carport im Design einer Märklin-Schachtel soll die Illusion perfekt machen.

Möglich geworden war der Deal mit der Stadt Kornwestheim, weil deren Vertrag mit dem Süddeutschen Eisenbahnmuseum in Heilbronn ausgelaufen ist und dessen Trägerverein sich personell und finanziell nicht in der Lage sah, die Lok aufwändig für museale Zwecke herzurichten.

Schließlich machte Märklin unter drei Bewerbern um die Dampflok das Rennen. Nach einem Besuch in Göppingen entschied sich die Stadt Kornwestheim für die Göppinger Variante: Vor allem die Unterbringung der historischen Lok auf einem  repräsentativen Stellplatz im Parkplatzbereich des Märklin-Museums sowie der Bekanntheitsgrad der Firma und die zu erwartende Besucherfrequenz habe für Märklin gesprochen. Wenn alles läuft wie geplant, dann wird die Lok der Baureihe 44 zur Eröffnung des Märklineums im Sommer nächsten Jahres bereit stehen. „Darauf freue ich mich sehr“, meint Märklin-Chef Florian Sieber. Der Geschäftsführer ist zuversichtlich: „Dieses Wahrzeichen soll Märklin für die nächsten 150 Jahre begleiten.“

Im Sommer ist die Eröffnung vorgesehen

Erlebniswelt Auf einer Gesamtfläche von rund 3000 Quadratmetern entsteht im östlichen Teil des Märklin-Areals an der Stuttgarter Straße für Sammler und Familien aus aller Welt die neue Erlebniswelt Märklineum. Seit dem Spatenstich im März ist der Bau  in vollem Gange. Die Fertigstellung hat sich aber aufgrund des aktuellen Baubooms im Land verzögert, „Es war einfach schwierig, die erforderlichen Handwerker zu bekommen“, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Florian Sieber. Das Göppinger Traditionsunternehmen rechnet allerdings damit, dass der erste Bauabschnitt ab April beendet ist. Dann sollen die Modelleisenbahnen in das Museum einziehen.

Museum Märklin hofft, das Museum im Juni eröffnen zu können. Bis dahin soll auch die historische Dampflokomotive der Stadt Kornwestheim soweit sein. Rund 11,3 Millionen Euro investiert Märklin  in die neue Erlebniswelt. Etwa 5,3 Millionen Euro davon stammen aus dem Verkauf der Turmzimmersammlung – legendärer Museumsschätze – an die Märklin-Stiftung der Kreissparkasse Göppingen. Im Mittelpunkt der Pläne steht das 16 Jahre alte ehemalige Domizil eines Dialysezentrums, das Märklin gekauft hat. Dort sollen unter anderem eine Empfangshalle für Besucher und ein Bistro entstehen.