Konzert Orgelsommer beschert Spitzenleistung

Verena Zahn stellte ihre künstlerische Reife und Spielfreude an der Rensch-Orgel eindrucksvoll unter Beweis.
Verena Zahn stellte ihre künstlerische Reife und Spielfreude an der Rensch-Orgel eindrucksvoll unter Beweis. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Ulrich Kernen 10.08.2018

Das zweite Konzert des „Orgelsommers“ in der Göppinger Stadtkirche war vorwiegend französischer Musik vorbehalten. Verena Zahn, die Künstlerin des Abends, hat vor Jahren in Paris ihr Auslandsstudium mit einem ersten Preis abgeschlossen und schöpfte auch deshalb aus dem Vollen. Wenn sie ein Programm aufstellt, muss sie dank ihres herausragenden Könnens, ihrer künstlerischen Reife und ihrer ansteckenden Spielfreude vor keiner Schwierigkeit zurückweichen.  So auch an diesem Abend.

Sie begann mit einem Dreischritt: „Apparition de L’Église éternelle“ von Olivier Messiaen ist eine Akkordfolge von Farbmischungen, die auf seiner Fähigkeit basierte, Klänge sehen (!) zu können. Die folgende hell klingende Fantasie G-Dur BWV 572 von J.S. Bach enthielt im Zentrum ein fünfstimmiges Grave im französischen Stil, das von virtuosen Sechzehntelfiguren eingerahmt wurde. Mächtige Quartsprünge im Pedal durchzogen, Bach kontrastierend, das dritte Werk: „Final“ opus 21 von César Franck. Mit diesem sinfonischen Satz beenden Organisten, dem Titel folgend, auch mal ihr Konzert.

Wo andere aufhören, da fängt ein Ausnahmetalent wie Verena Zahn erst richtig an! Der im Zentrum stehende Variationensatz aus der 5. Sinfonie f-moll opus 42 von Charles-Marie Widor gab der Künstlerin die Gelegenheit, ihre Lust an pfiffigen Registerwechseln mit ihren feinen Artikulationstechniken zu verbinden. Das Thema begann als seriöses Tänzchen und durchlief sodann viele Verwandlungen bis hin zu einem verblüffend echten Hummelflug und einem dramatischen Schlussdonner.

Den Schluss des Konzertabends bildete dann wieder ein Dreischritt. In seiner Mitte stand „Qui tollis peccata mundi“ von Francois Couperin,  Ruhe und Zuversicht  ausstrahlende Musik, die Bezug auf die einrahmenden Werke nahm. Mit diesen Solostücken zeigte Verena Zahn darauf, dass die Orgel auch sehr eindrück­lich Seelisches ausdrücken kann. In geradezu manischen Wiederholungen, die bis zur Ekstase gesteigert wurden, „sprach“ Jehan Alain in seinem Stück „Litanies“ von „Verzweiflung, wo die Seele keine Worte mehr findet“. Anklänge an die mittelalterliche Gregorianik verbanden sich mit kunstvollen modernen Stilmitteln. Entsprechend ausgewählt war das Schlussstück: „Prélude et Fugue sur le Nom d’Alan“ opus 7 von Maurice Duruflé. Im ersten Teil wob der Komponist den Namen seines Freundes Alain ein, der 29-jährig im Krieg gefallen war. Berührend war dann auch die Fuge, in der er das Motiv aus den zuvor gehörten „Litanies“ als klingendes Denkmal zitierte. Fazit: Der lange Beifall sprach für sich! Ulrich Kernen

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