Kabarett Ohne Rolf mit viel Witz

Erlesene Komik bot das Kabarettduo Ohne Rolf bei seinem Gastspiel mit dem Programm „Schreibhals“ im Alten E-Werk.
Erlesene Komik bot das Kabarettduo Ohne Rolf bei seinem Gastspiel mit dem Programm „Schreibhals“ im Alten E-Werk. © Foto: Tilman Ehrcke
Sabine Ackermann 04.10.2017

Lass uns ausgehen, vielleicht hat ein Schreibwarenladen geöffnet“, schlägt der eine dem anderen vor. Doch zum Glück bleiben sie, und die Blätter fallen im Kulturherbst bei Odeon. Nach sieben Jahren machten „Ohne Rolf“ wieder Station im Göppinger Alten E-Werk.

Hatten die mehrfach preisgekrönten Schweizer aus Luzern damals schon einen Senkrechtstart hingelegt, blättern sie diesmal mit ihrem kleinen Schreibhals. Aus einem Kinderbuch? Von wegen. Vielmehr wird schnell klar, der kleine „Tintenpisser“ will’s wissen, möchte unbedingt wie seine beiden Papas Christof Wolfisberg und Jonas Anderhub auch mal das Format Din A1 blättern. Doch als „Legasdeniker“ ist das natürlich zum Scheitern verurteilt, recht schnell kommt er in der schwarz-weißen Realität an. Bevor allerdings vom Nachwuchs mehr als nur die Hände zu sehen sind, dreht sich erst einmal alles um dessen Namensfindung. Und die wird mindestens so ausführlich zelebriert wie die Patensuche zu seiner bevorstehenden Taufe.

Zum Glück peppen kurz vor dem Abdriften in die Monotonie witzige Ermahnungen die Feierlichkeiten auf: zum Beispiel „Nicht an den Plakaten kauen“. Oder auch Diagnosen wie „Der Kleine leidet an Vitamin-C-Mangel“, nachdem dieser „Mir schmekts nicht“ geschrieben hat.

Schnell muss man sein, wenn Sprüche wie „Der Kork hat Wein“ zünden sollen. Einer Mischung zwischen „albern“ und „genial“ kommt der bellende Kassettenrekorder als Hund Tippex gleich, der dank Leinenpflicht und guter Führung seines Herrchens nicht nur mit der Antenne wedelt, sondern sich auch zwei Paten aus dem Publikum greift.

Endlich war es soweit: weil „Alain“ einsam klinge, haben sich seine Eltern für Rolf entschieden. Immer wieder beziehen die Künstler das Publikum ein: ob als stummer Gesangschor aufgeteilt – die eine Hälfte liest stumm vom Blatt „Kumbaya“, die andere „my Lord“ – oder, wenn sich die beiden Paten auf der Leiter stehend romantisch an- und abblättern. Und das machen sie wirklich gut. „Ihr habt eine Stimme, ich bloß Papier“, lamentiert plötzlich der kleine Rolf, bisweilen auch „Fehldruck“ genannt, und spuckt auf einmal kein Papier mehr aus. Apparat kaputt? Sichtlich erschrocken darüber, nehmen Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg den „Drucker“ auseinander, bedauern mit Stimme die Panne und suchen einen, der während der Reparatur das Zepter übernimmt. Und weil sich bei einem Mitmachprogramm stets alle wegducken und ganz klein machen, springt Odeon-Macher Klaus Ege ein. „Lieber Jonas, lieber Christof, das kommt unerwartet, ich muss mich nun abblättern, auf Wiedersehen, euer Rolf“, liest Klaus Ege vor und, ratzfatz, sind Jahrzehnte vergangen. Plötzlich ist es da, das gesprochene Wort, das dem plakativ limitierten Spiel eine ganz neue Facette gibt.

Die Krönung war freilich der Schluss. Ein wenig eklig war es ja schon, wie die gealterten Väter mit heraushängender Gummizunge im Seniorenheim verweilen und sich in dementen Gedanken verlieren. Und wie sie mit dem Rücken zum Publikum quasi fürs Kopfkino Papierschlangen und Konfetti auf den Bühnenboden pullern. Lang anhaltender Beifall. Ohne Rolf ist eben selbst mit kleinen Schwächen noch immer eine extrem lustige Lesestunde.