Konzert Odeon: Feinsinniger Jazz mit Jakob-Bro-Trio

Musikalisch wie optisch wurde die Innigkeit im Spiel zwischen Bassist Thomas Morgan und Gitarrist Jakob Bro deutlich.
Musikalisch wie optisch wurde die Innigkeit im Spiel zwischen Bassist Thomas Morgan und Gitarrist Jakob Bro deutlich. © Foto: Stefan Renner
Göppingen / Stefan Renner 17.04.2018

Mit Jakob Bro trat ein besonderer Gitarrist im gut besuchten Alten E-Werk auf. Der Däne Bro ist eine der wichtigen neuen Gitarrenstimmen, die sich, wie man während des Konzerts eindrücklich erfahren konnte, nicht solistischer Geschwätzigkeit verschrieben hat, sondern einem ruhigen, melodischen, frei fließenden Interagieren sowie dem Aufgreifen und Erzeugen von Klangfarben und Tonfolgen – und: dem gemeinsamen Ausbilden sich melodisch verzahnender Strukturen. Dazu hatte er den feinsinnig agierenden Bassisten Thomas Morgan und die alles rhythmisch freischwebend oder groovend zusammenhaltende Schlagzeugerlegende Joey Baron mitgebracht.

Alles, was man von einem Jazzkonzert hätte erwarten können, treibende Rhythmen etwa, eruptive Dynamik, Themenvorstellungen und abwechselndes Improvisieren über diese, wurde vermieden. Dafür wurde mit Klängen und Harmonien in geloopten und geschichteten Strukturen gearbeitet, die zu repetitiven Mustern und atmosphärischen Schleifen entwickelt wurden. Dargeboten wurde so ein Stil zwischen Jazz, Folk, Minimal und improvisierter Musik, der Hektik und Wucht vermied, transparent blieb und dabei eher leise und eher langsam gespielt wurde.

Scheinbar aus dem Nichts ertönte eine verhallte Gitarrenfigur, die wieder berührend verklang und zugleich von den Mitmusikern aufgegriffen und weitergeführt wurde. Bisweilen lieferte Bro auch nur ein gelooptes Gitarrengeräusch als Improvisationsreiz, dessen Ton von Morgan melodisch und von Baron rhythmisch frei umspielt wurde, bevor Bro selbst mit Klangschichten aus Geräuschen und improvisierten Linien darauf reagierte. Daraus entwickelten sich scheinbar wie von selbst kleine volksliedhafte Melodien, angerissene Themen und Andeutungen, die die Musiker im Kollektiv verfolgten, um sie dann wieder verklingen zu lassen. Musikalische Ideen wurden so im Kontext kammermusikalischer Klangzaubereien erschaffen und ausgetauscht. Gängige Abfolgen wurden umgangen, schwebende Klang- und Ton-Verflechtungen erschaffen. Die Musiker ließen sich Zeit: Töne und Pausen wurden bewusst gesetzt – kein Ton wurde zu viel gespielt.

Der ruhige Fluss dieser Musik übertrug sich aufs Publikum, das dem Konzert andächtig und selbstvergessen lauschte und es mit großem Applaus bedachte. Zu hören bekam es eine ureigene Position, die mit Hörgewohnheiten spielte, sich bewusst gegen die Nervosität und den Lärm unserer Zeit stellte. Stefan Renner