Sozial Räte fordern Betreuung für Obdachlose

Hermine Martin von der Wohnbau Göppingen in einer der Küchen der nagelneuen Obdachlosenunterkunft in der Brückenstraße. Dort sollen im März die ersten Bewohner einziehen.
Hermine Martin von der Wohnbau Göppingen in einer der Küchen der nagelneuen Obdachlosenunterkunft in der Brückenstraße. Dort sollen im März die ersten Bewohner einziehen. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Von Arnd Woletz 02.02.2018
Bald ziehen die ersten Obdachlosen in die neue Göppinger Sammelunterkunft um. Die Betreuung bleibt ein heißes Eisen.

Nagelneue Sanitärräume und Küchen, funktionale Zimmer, moderne Architektur: Die neue Sammelunterkunft in der Göppinger Brückenstraße zwischen Fils und Freibad ist fast bezugsfertig. Bis zu 89 alleinstehende Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht oder schon länger wohnungslos sind, können hier einmal wohnen. Im März sollen die ersten Bewohner in die Wohngemeinschaften einziehen, sagt Volker Kurz, Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft Wohnbau Göppingen (WGG), die die Immobilie an die Stadt vermietet. Im Verwaltungsausschuss wurden am Donnerstagabend die dort geltenden Regeln und Benutzungsgebühren debattiert (siehe Infobox).

Mit der Belegung der nagelneuen Holzhäuser ist auch ein Paradigmenwechsel bei der Stadtverwaltung verbunden. Die Verweildauer in den Obdachlosenunterkünften soll reduziert werden. Ziel sei immer, die betroffenen Menschen wieder so weit zu bringen, dass sie auf dem regulären Wohnungsmarkt Fuß fassen können, betonten Oberbürgermeister Guido Till und die Sozialbürgermeisterin Almut Cobet unisono.

Die Realität sieht bisher allerdings anders aus, da macht man sich im Rathaus gar nichts vor:  Manche Obdachlose leben schon in der zweiten Generation in städtischen Unterkünften. Jetzt sollen Alleinstehende in die Brückenstraße umgesetzt werden. Sie leben derzeit unter anderem in den Wohnblocks im Bruckwasen oder im Höhenweg in Manzen, die teilweise in schlechtem baulichem Zustand sind. In der Sammelunterkunft mit Gemeinschaftsküchen und -bädern haben die Betroffenen nicht mehr so viel Platz, dafür aber viel bessere hygienische Bedingungen und mehr soziale Kontakte, meint Kurz.

Die Betreuung ist jedoch seit längerem Grund für einen Dissenz zwischen der Stadt Göppingen und dem Landkreis: Im Verwaltungsausschuss kochte der Disput erneut hoch. OB Till reagierte gereizt auf die Forderung mehrerer Stadträte, es müsse in der neuen Unterkunft auch soziale Hilfestellungen geben. „Das ist bei dem lobenswerten Projekt dringend geboten, wenn man will, dass es ein Erfolg wird und nicht grässlich schief geht“, sagte Eva Epple (Grüne). Und Heidrun Schellong meinte für die SPD: „Wir sind dringend für eine soziale Betreuung“. Der Oberbürgermeister erklärte die Stadt aber für nicht zuständig: „Die neuen Gebäude sind für die ambulante Unterbringung gedacht. Das ist keine Reha-Einrichtung“, stellte Till klar. Damit erfülle die Stadt voll und ganz ihre gesetzlichen Verpflichtungen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit. Für die soziale Betreuung dieser Klientel sei aber eindeutig der Landkreis zuständig, schoss der Rathauschef einige Pfeile Richtung Landratsamt ab. Das habe man „immer klipp und klar“ gesagt. Es könne nicht sein, dass der Landrat sich auf seinen Stellenplan berufe, so Till. „Dann muss er halt eine Eilentscheidung treffen.“ Der Kompromissvorschlag des CDU-Stadtrats Felix Gerber, den Sozialdezernenten des Landkreises zur nächsten Sitzung des Sozialausschusses einzuladen, fand Anklang.

Insgesamt soll die Sammelunterkunft dazu beitragen, dass die Hohenstaufenstadt die hohe Zahl der von ihr untergebrachten Obdachlosen reduzieren kann. Zum Vergleich: Bei der letzten Erhebung der Stadt lag Göppingen (57 000 Einwohner) mit 172 Wohnungslosen klar vor Esslingen (91 000 Einwohner), wo lediglich 100 Obdachlose versorgt werden. Viele Menschen kommen aus den Umlandgemeinden nach Göppingen, wenn sie ihre Wohnung verloren haben – mit entsprechend hohen Kosten für die Kreisstadt.

Nebeneffekt der nun angepeilten zentralen Unterbringung vieler Wohnungsloser ist auch, dass die derzeitigen für die wohnungslosen Menschen genutzten Unterkünfte, beispielsweise im Höhenweg in Manzen – saniert oder durch Neubauten ersetzt werden könnten, erklärte Volker Kurz. Die würden der WGG dann auf dem derzeit sehr angespannten regulären Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen.

Strenge Regeln für die Nutzer

Regeln Die Stadt betreibt die Obdachlosenunterkünfte als öffentliche Einrichtungen. Das bedeutet auch, dass dort die entsprechenden Regeln gelten, beispielsweise das Rauchverbot. Zu den in der neuen Satzung vorgesehenen Regeln gehört auch, dass Wände nicht beschriftet, beklebt oder angebohrt werden dürfen. Außerdem ist Tierhaltung verboten. Allerdings kann die Behörde Ausnahmen genehmigen.

Gebühren Die Bewohner, beziehungsweise die Kostenträger von Jobcenter oder Landratsamt müssen pro Quadratmeter 11,57 Euro monatlich für Benutzung und Nebenkosten berappen, das sind etwa  zwei Euro pro Quadratmeter und Monat weniger, als die Stadt aufwenden muss. Zusätzlich zu dieser Summe bleibe die Stadt jährlich auf Kosten von 100 000 Euro jährlich sitzen, erklärte die Erste Beigeordnete Almut Cobet.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel