Vergangene Woche war es noch einmal spannend geworden: Nachdem der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (64) überraschend angekündigt hatte, mit Blick auf sein Alter nicht wieder anzutreten, warteten viele Göppinger auf die persönliche Erklärung, die der Göppinger Rathauschef Guido Till für den Neujahrsempfang der Stadt in Aussicht gestellt hatte. Till – auch er ist 64 – ließ die Besucher in der vollbesetzten Stadthalle am Freitagabend lange zappeln.

„Das schönste Amt der Welt“

Erst am Ende seines Streifzugs durch die Stadtpolitik kam Till auf das Thema OB-Wahl zu sprechen. Und kündigte an: „Ich würde das Amt gerne weiterführen.“ Es sei für ihn das schönste der Welt, Göppingen und er hätten zueinander gefunden und er lebe mit seiner Familie gerne in der Stadt, betonte Till. „Wir haben manches erreichen können, aber noch unglaublich vieles liegt vor uns“, sagte der gebürtige Rheinländer. 2004 hatte Till den damaligen Göppinger OB Reinhard Frank im ersten Wahlgang mit 50,7 Prozent der Stimmen aus dem Amt gekegelt, 2012 war er trotz mehrerer Gegenkandidaten ebenfalls im ersten Wahlgang mit 61,9 Prozent wiedergewählt worden.

Bisher keine Gegenkandidaten

Er spüre „große Demut vor dem Amt und Dankbarkeit“, meinte Till, als er seine rationalen und emotionalen Beweggründe für seine erneute Kandidatur bei der OB-Wahl erläuterte. Der Urnengang könnte am 18. Oktober stattfinden, da der darauffolgende Sonntag bereits in den Herbstferien liegt. Der Termin wird in Kürze vom Göppinger Gemeinderat festgelegt. Von möglichen Gegenkandidaten ist bisher nichts bekannt, allerdings gibt es Signale aus einzelnen Fraktionen, wonach die Suche nach möglichen Bewerbern bereits laufe.

Klimaschutz und Busverkehr

In seiner Neujahrsrede hatte Till den Klimaschutz an erster Stelle der Herausforderungen genannt. Anhand zahlreicher Beispiele machte der Christdemokrat deutlich: „Schon lange vor Greta haben wir vieles in Sachen Nachhaltigkeit auf den Weg gebracht.“

Diesen Weg wolle die Stadt weitergehen, ihre umweltpolitischen Aktivitäten dabei aber „noch stärker bekannt machen“ und „alle Bürgerinnen und Bürger mitnehmen, eben auch die Jüngeren, die wir offensichtlich bisher nicht so gut erreichen konnten“. Till will gemeinsam mit dem Gemeinderat den Busverkehr in der Stadt weiterentwickeln. Hier werde bereits über „konkrete Anreize“ nachgedacht, damit „unsere Bürger mehr den ÖPNV nutzen“. Der Hochschulstandort Göppingen soll  – entgegen der viel kritisierten Pläne der Esslinger Hochschulverwaltung  – „qualitativ und quantitativ ausgebaut werden“. Guido Till: „Dafür werden wir uns mit Entschiedenheit einsetzen.“

Bezahlbare Wohnungen

Als weitere Aufgabe nannte Till die Schaffung von Wohnraum – in Form von bezahlbaren Mietwohnungen, aber auch, indem jungen Familien die Chance gegeben werde, selbst Wohneigentum zu schaffen. Erweitert werden sollen auch die Betreuungsangebote im Kita-Bereich. Nach wie vor fehlten 280 Plätze, sagte Till. „Das plagt mich arg, aber leider können wir auch hier nur einen Schritt nach dem anderen machen.“

Umrahmt wurde der Neujahrsempfang vom Jugendsinfonieorchester der Göppinger Jugendmusikschule, wofür es viel Applaus gab. Im Laufe des Abends wurden viele Bürger für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.