Göppingen OB Till ist jetzt Christdemokrat

© Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / HELGE THIELE 19.10.2013
Vor vier Jahren hatte Guido Till die SPD verlassen. Seit Donnerstagabend ist der Göppinger Oberbürgermeister nun CDU-Mitglied: Als Christdemokrat will Till im kommenden Jahr für den Kreistag kandidieren.

Die CDU im Filstal freut sich über einen prominenten Neuzugang: Einstimmig hat sich der Kreisvorstand am Donnerstagabend für die Aufnahme des Göppinger Oberbürgermeisters Guido Till ausgesprochen. Vor einer Woche hatte der Rathauschef den Antrag gestellt - eine Überraschung war dieser Schritt nicht mehr. Schon seit geraumer Zeit hatte Till mit einem Eintritt in die CDU geliebäugelt. Die Christdemokraten hatten ihn bei seiner Wiederwahl als OB im Herbst vergangenen Jahres unterstützt wie keine andere politische Kraft in der Stadt. Am Freitag sagte Till der NWZ: " Seit Jahren gibt es zwischen mir und der CDU viele gemeinsame Vorstellungen, was die Weiterentwicklung der Stadt betrifft." Er habe die CDU "konstruktiv erlebt, gerade auch in schwierigen Situationen wie zum Beispiel bei der Suche nach dem richtigen Standort für das geplante Einkaufszentrum", betonte Till.

Der Wechsel zur CDU ist für Beobachter der Göppinger Stadtpolitik der formale Abschluss einer jahrelangen - zunächst nicht immer reibungslos verlaufenen - Annäherungsphase. Als Sozialdemokrat und Herausforderer des damaligen CDU-Oberbürgermeisters Reinhard Frank war Till 2004 in die Stadt gekommen und hatte mit maßgeblicher Unterstützung der SPD Frank knapp besiegt. Doch es dauerte nicht lange, bis sich Gräben zwischen dem neuen OB und der SPD auftaten. Die Entfremdung wurde immer größer. 2009 schließlich gab Till das SPD-Parteibuch zurück. Vier Jahre lang regierte der inzwischen 58-Jährige die Stadt als parteiloser Rathauschef, doch bereits in dieser Zeit war es vor allem die CDU, auf die sich Till bei wichtigen Abstimmungen im Gemeinderat verlassen konnte.

Als "Dankeschön" für die Unterstützung der CDU möchte Till seinen Eintritt in die Partei dennoch nicht verstanden wissen. "Die Partei wechselt man nicht wie sein Unterhemd. Das sind lange Prozesse." Seine politischen Wertvorstellungen deckten sich in hohem Maße mit denen der CDU. Daher sei sein Parteieintritt ein "logischer Schritt". Die CDU, die nach Tills Worten " bei den Menschen, in den Stadtteilen und Vereinen stark verwurzelt ist", habe sich auch verändert und sei "mehr in die Mitte gerückt". Dies habe ihm die Annäherung erleichtert, sagte Till, dessen Vater früher CDU-Fraktionschef im Gemeinderat seiner Heimatstadt Haan bei Düsseldorf war.

Till kündigte an, er werde trotz CDU-Parteibuchs ein "Oberbürgermeister für alle Göppinger" bleiben. Till glaubt auch nicht, dass die CDU ihn wegen seines Parteieintritts in der Stadtpolitik künftig "unkritischer begleiten wird".

Der Verwaltungschef bekräftigte seine Ambitionen, im kommenden Jahr für den Kreistag zu kandidieren. Hätte der Vorstand des Göppinger CDU-Verbands nicht beschlossen, dass nur Parteimitglieder auf der CDU-Liste antreten dürfen, hätte Till mit seinem Eintritt in die CDU womöglich noch ein halbes Jahr gewartet. Das räumt Till ein. So aber setze er jetzt ein klares Zeichen. Nun müssten Gespräche über eine Kandidatur geführt werden, "denn selbst nominieren kann ich mich ja nicht", sagte Till.

Die CDU-Kreisvorsitzende Nicole Razavi sprach am Freitag von einem "großen Gewinn" für ihre Partei. "Wir haben Guido Till mit Freude in die CDU aufgenommen", betonte Razavi. Mit dem OB der Stadt Göppingen sei "eine Persönlichkeit und ein kommunalpolitisches Schwergewicht mit hohem Sachverstand und großem Fachwissen" zu den Christdemokraten gestoßen. Wenn sich Till entschließe, für den Kreistag zu kandidieren, sei das "eine ganz positive Sache".

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