Sozialbürgermeisterin Wahlniederlage mit positiver Seite

Göppingen / Dirk Hülser 20.06.2018
Nach Almut Cobets Wahlniederlage in Pforzheim nehmen die Gemeinderatsfraktionen Stellung. Wie geht es mit ihr und dem OB weiter?

Keine Häme, etwas Mitleid und überwiegend Freude, dass der Stadt Göppingen die Erste Bürgermeisterin Almut Cobet erhalten bleibt: Vertreter der Fraktionen im Gemeinderat nehmen Stellung zur Wahl des Sozialbürgermeisters in Pforzheim. Dort war Cobet am Dienstagabend mit nur zwei Stimmen chancenlos geblieben, ein FDP-Politiker aus der Uckermark wird neuer Bürgermeister an der Enz.

Klaus Rollmann, Chef der fünfköpfigen FDP/FW-Fraktion, bedauert Cobets Abschneiden aus menschlicher Sicht: „Für sie ist es wahrscheinlich eine große Enttäuschung.“ Er erinnert aber an ihre eigene Wahl vor mehr als einem Jahr in Göppingen: „Sie sollte schätzen, was sie für einen großen Rückhalt im Gemeinderat hatte.“ Die FDP hatte damals nach einer geeigneten Kandidatin Ausschau gehalten – und Cobet gefunden. Rollmann betont: „Deshalb haben wir sie damals geholt: wegen ihrer großen Kompetenz.“ Für ihn hat Cobets Niederlage noch eine kleine positive Seite: „Wir brauchen jetzt niemand Neues zu suchen.“ Nicht mit so wenig Stimmen hat CDU-Fraktionsvorsitzender Felix Gerber gerechnet. „Über das Ergebnis bin ich sehr überrascht – sie hat ja fünf Jahre dort gearbeitet.“ Wobei er auch einräumt, dass er nicht an einen Wahlsieg Cobets geglaubt habe, höchstens in einem zweiten Wahlgang hätte er ihr Chancen eingeräumt.

Auch Emil Frick, Chef der Freien Wähler Göppingen (FWG), meint: „Zwei Stimmen sind ein bisschen wenig – vielleicht hätte sie vorher besser reinhören sollen. Ich hätte ihr von Herzen ein besseres Ergebnis gewünscht.“ Aber sie sei natürlich „nach wie vor willkommen“ in Göppingen. Nachdem Cobet nach der Wahl am Dienstagabend gesagt hatte, sie freue sich nun auf die anstehende Wanderung mit Gemeinderäten, spielt Frick den Ball zurück: „Mich freut’s, dass sie mit der interfraktionellen Wandergruppe ins Allgäu geht – ich bin ja der Organisator.“

Etwas skeptisch blickt die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Christine Schlenker, in die Zukunft: „Ich denke, dass es schwierig wird, jetzt, wo sie dachte, sie wird in Pforzheim gewählt.“ Sie sagt aber auch: „Ich wünsche mir, dass sie nicht total frustriert ist.“ Grünen-Fraktionschef Christoph Weber freut sich: „Sie bleibt uns in Göppingen erhalten.“ Denn: „Sie ist unsere Sozialbürgermeisterin und Erste Bürgermeisterin, wir haben bisher gut mit ihr zusammengearbeitet und wollen dies auch weiterhin tun.“

Philipp Siemer von der Lipi­Fraktion sagt: „Wir hätten uns natürlich für sie gefreut, wenn’s geklappt hätte.“ Nun gebe es dennoch Grund zur Freude, „weil sie weiterhin ihre Tätigkeit im Rathaus ausübt“.

Skeptischer Blick auf die künftige Zusammenarbeit von Till und Cobet

Zusammenarbeit Dass die Chemie zwischen ihr und OB Guido Till nicht stimmt, hat Almut Cobet bereits vor Wochen berichtet. Wie sehen die Stadträte die Zukunft der Rathausspitze? Wird die Zusammenarbeit besser werden?

Bereitschaft Wenn es sogar gelungen ist, dass sich die Dauerrivalen Till und Christian Stähle (Linke) „nach neunjährigen Anschweigen zu einem Gespräch mit positivem Ausgang treffen“, dann sei das auch bei Till und Cobet möglich, findet Felix Gerber (CDU).  „Es muss halt die Bereitschaft von beiden Seiten vorhanden sein.“ Für Christoph Weber (Grüne) ist klar, dass die beiden vertrauensvoll zusammenarbeiten müssen – „zum Wohle der Stadt“. Fast wortgleich äußert sich Klaus Rollmann (FDP/FW) – und er ergänzt: „Wir tun unser Möglichstes, um beide zu unterstützen.“

Erwachsen Emil Frick (FWG) findet, „dass die beiden erwachsen genug sind, das wieder hinzukriegen“. Christine Schlenker (SPD) berichtet von der Fraktionssitzung am Dienstagabend: „Wir sind jetzt gespannt, wie sich das entwickelt, es wird nicht einfacher.“ Denn: „Der OB ist halt wie er ist und er ist nicht zu bremsen.“ Philipp Siemer (Lipi) wagt keine Prognose über die künftige Zusammenarbeit: „Das wird die Zukunft zeigen.“

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