Lesung Nichts als Dada im Kulturcafé

Göppingen / Sandra Thurner 14.02.2018

Bei der Dada-Matinée im Kulturcafé Odeon präsentierten der Lyriker und Lehrer Gerd Kolter und die Berliner Schauspielerin Cornelia Schönwald Kostproben aus dem Labor für höheren Unsinn. In Kooperation mit dem Kulturreferat rezitierten die beiden dadaistische Texte und Lautgedichte.

Mehr als 100 Jahre liegt der Beginn der Kunstrichtung des Dadaismus, die im Cabaret Voltaire in Zürich entstanden ist,  jetzt schon zurück. Jegliche Definitionsversuche scheiterten im Nichts: „Dada wurde in einem Lexikon gefunden, es bedeutet nichts“, definierte der Psychoanalytiker und Schriftsteller Richard Hülsenbeck im Jahre 1916. Doch in seiner Wirkung entfaltete der Dadaismus sicher mehr als Nichts: Es gelang den Anhängern, traditionelle Kunstvorstellungen und bürgerliche Ideale in Frage zu stellen und sich gegen die irrsinnige Welt des ersten Weltkrieges aufzulehnen.

Dada wurde an diesem Vormittag nicht nur rezitiert, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert. Das Kostüm von Gerd Kolter erinnerte an das dadaistische Kostüm von Hugo Ball, eines Mitbegründers der Dada-Bewegung. Die ausdrucksstarke Cornelia Schönwald mimte die Gießkannenkönigin – denn statt einer Krone hatte Sie eine Gießkanne auf dem Kopf. Beide Gestaltungen enthielten Elemente des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer. Das eine „Da“ wurde sozusagen von Kolter dargestellt, das andere „Da“ von Schönwald – beide bildeten sie eine Komposition „Dada“, deren Wesensmerkmale Kraft, Entschlossenheit und Dynamik waren. Mal standen beide Künstler im ganzen Raum verteilt einander gegenüber, auf der Bühne oder auf einer Leiter, ein anderes Mal nebeneinander oder im Publikum, um sich dann wieder als Schattenriss zu zeigen.

Neben wenig bekannten Autoren wie Georges Ribemont-Dessaignes und Emmy Hennings wurden Texte von Kurt Schwitters und Hans Arp gesprochen – und auch solche, späterer Künstler, die vom Dadaismus zweifelsohne inspiriert waren, wie der österreichische Lyriker Ernst Jandl. Auch praktische Tipps brachten das Publikum in seiner Aktualität zum Schmunzeln. So rezitierte Kolter etwa ein Stück von Raoul Hausmann aus dem Jahre 1919: „Legen Sie Ihr Geld in Dada an!“. Dieses beginnt mit: „Dada ist die einzige Sparkasse, die in der Ewigkeit Zins zahlt.“ Lachen und Nachdenken lagen eng beieinander; allerdings nur dort, wo Worte noch nicht ihren gänzlichen Zusammenhalt verloren hatten, wie etwa beim Lautgedicht von Hugo Ball, in dem es heißt: „viola laxato viola zimbrabim viola uli paluji malooo“.

Die Matinée präsentierte ein vielschichtiges Dada und zeigte, dass dieses wahrlich mehr als Nichts und Gaga ist.

Sandra Thurner