Das Jahr beginnt nicht mit Böllern und Raketen. Und auch nicht mit dem Auftritt der Wiener Philharmoniker am 1. Januar, die alljährlich das Konzert der Ulmer Philharmoniker zu kopieren versuchen – so begrüßte Benjamin Künzel die Besucher des Neujahrskonzerts in Eislingen am Samstagabend. Es beginne mit dem Original: dem Auftritt der Ulmer. Ähnlich launig setzte sich der Abend fort. Nachdem – um beim Thema Wien und Oper zu bleiben – auch einige Debütanten ihren Auftritt souverän absolviert hatten.

So begrüßte der ehrenamtliche Bürgermeisterstellvertreter Manfred Strohm erstmals in Vertretung von Oberbürgermeister Klaus Heininger die Gäste in der restlos ausverkauften Eislinger Stadthalle. Für Benjamin Künzel war es ebenfalls eine Premiere. Er moderierte den Auftritt des Philharmonischen Orchesters der Stadt Ulm. Viele Informationen streute er mit großem Unterhaltungswert in das Programm, das nicht nur dem klassischen Spielplan der Neujahrskonzerte folgte. Man darf gespannt sein, was die Wiener in 2020 aus der Ulmer Vorlage machen werden.

Zu hören waren unter der Leitung von Generalmusikdirektor Timo Handschuh Teile aus Opern, Operetten und Musicals. Den Auftakt machte die Ouvertüre zur tragischen Oper „Luisa Miller“ von Giuseppe Verdi. Darauf folgte aus der Oper von Vincenzo Bellini „I Capuleti e i Montecchi“ eine Fünf-Minuten-Arie. Nach dem Intermezzo aus der Oper „Manon Lescaut“ von Giacomo Puccini wurde der Trauermarsch für Marionetten von Charles Gounod gespielt.

Märchenhaft blieb es bei der französischen Variante des Aschenbrödel mit Stücken aus der Oper „Cendrillon“ von Jules Massenet. Nach dem Höllentanz aus Antonin Dvoraks Oper „Die Teufelskäthe“ wurde mit zwei Teilen aus den ebenfalls von ihm stammenden „Zigeunerliedern“ das Herz angerührt. „Mehr Bewegung für das neue Jahr – geistig, wie körperlich“, forderten Künzel und das Ulmer Orchester mit den multi-kulti inspirierten „Rumänischen Volkstänzen“ von Bela Bartok.

Nach der Pause wurde dann die Vorlage gespielt, welche laut Künzel „die Wiener so dreist“ abkupferten. Endlich Johann Strauß mit der Ouvertüre zur Operette „Eine Nacht in Venedig“. Bevor mit der Polka „Die Gazelle“ von seinem Bruder Josef Strauß auch dessen Lebensgeschichte erzählt wurde. Mit der Favorit-Polka von Joseph Lanner wurde die „Partymusik, wie es purer nicht geht“, der damaligen Zeit gespielt – uraufgeführt in einer Bierhalle.

Darauf folgte die spanische Runde. Nach dem Fandango aus der Zarzuela „Dona Francisquita“ von Amadeo Vives erklang mit der Zarzuela von Jeronimo Gimenez die Latino-Mischung aus Erotik, Komik und Partriotik: „La Tarantula e un bicho mu malo“, oder um es mit den Worten Künzels zu sagen: „Die Tarantel ist eine ganz miese Bitch“. Mit der „Alma Llanera“ von Pedro Elias Gutierrez sowie „Los pajaros perdidos“ und „Invierno porteno“, bei dem Tamas Füzesi an der Solo-Violone überzeugte, wurde auf das Thema der Ulmer hingeführt. „Defying Gravity“, das Ziel des Schneiders von Ulm, wurde in dem Stück von Stephen Schwartz musikalisch umgesetzt. Mezzosopranistin I Chiao Shih begeisterte auch dabei die Zuschauer.

Nach einigen umjubelten Auftritten den Konzertabend über bewies sie am Ende zusammen mit Dirigent Timo Handschuh ihr komödiantisches Talent. Der traditionell den Abschluss bildende Radetzkymarsch wurde als eine Art Chaos-Medley neu interpretiert.

Info Das 15. Eislinger Neujahsrkonzert wird am 4. Januar 2020 stattfinden. Auch dann werden wieder die Ulmer Philharmoniker in der Eislinger Stadthalle zu Gast sein. Die Eintrittskarten sind sehr begehrt. Bereits eine halbe Stunde nach Verkaufsstart war das Konzert Anfang Oktober praktisch ausverkauft.