Integration Neujahrsfest für alle Bürger

Den Kindern bot das Neujahrsfest viele Gelegenheiten zum Spielen und Toben. OB Till – hier auf der ­Bühne – lobte die Ehrenamtlichen für ihre Arbeit.
Den Kindern bot das Neujahrsfest viele Gelegenheiten zum Spielen und Toben. OB Till – hier auf der ­Bühne – lobte die Ehrenamtlichen für ihre Arbeit. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Evelyn Krix 25.01.2017

Schon 2015 gab es für die Flüchtlinge in Göppingen eine weihnachtliche Willkommensfeier. Die ist jetzt als Neujahrsfest in den Januar verlegt worden und hat ein Motto bekommen: „Gemeinsam 2017“. „Wir fanden es schön, das Jahr gemeinsam zu beginnen“, erzählt die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Sandra Corveleyn. Man wolle Begegnungen schaffen, nicht nur zwischen den Ge­flüchteten und den Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe, sondern auch zu den Göppinger Bürgern. „Wir möchten nicht, dass sich die Flüchtlinge alleine fühlen. Nur gemeinsam schafft man diesen Weg“, sagt sie.

Gleichzeitig diente die Feier als Anerkennung der Ehrenamtlichen und ihrer Leistungen. „Das ist ein toller Job, den Sie machen und ich weiß, Sie sind an der Leistungsgrenze, aber wenn Sie dieses Bild sehen, dann lohnt es sich“, würdigte Oberbürgermeister Guido Till die Arbeit der Helfer in seiner Eröffnungsrede und zeigte auf den gefüllten Saal. Auch die Flüchtlinge lobte er: „Wir freuen uns, dass Sie im vergangenen Jahr so fleißig an sich gearbeitet haben.“ Viele von ihnen hätten Sprach- und Integrationskurse besucht und würden hier für das ganze Leben lernen: „Das ist ein guter Anfang. Wir wollen mit Ihnen gemeinsam Ihre Zukunft entwickeln.“

Vor der Eröffnungsrede wurde die Veranstaltung mit musikalischen Klängen eingeleitet. „Auch Flüchtlinge sind hier aktiv als Akteure und nicht nur als Gäste“, erzählte die Organisatorin Sandra Corveleyn. Einige hätten sich für das Neujahrsfest im Integrationschor engagiert und viele weitere Künstler schlossen sich dem musikalischen Multikulti an. Mit den Worten „Pam Pam, okay?“ animierte ein Trommler das Publikum dazu, den vorgegebenen Rhythmus nach zu klatschen. Das sorgte für einige Lacher, wenn es mal nicht richtig funktionierte und lockerte die Stimmung sichtlich auf. Danach tanzte der albanische Kulturverein. Weiter ging es mit Gesang, Klavierspiel und einer Gruppe kurdischer Musiker. Jeder einzelne Künstler wurde für seine Leistung mit viel Applaus und Begeisterungspfiffen belohnt.

Viel Trubel gab es auch an den zwölf Ständen eines Spielparcours, bei dem Kinder verschiedene Aufgaben der beteiligten Einrichtungen bewältigen mussten. Der Weltladen hatte ein Glücksrad aufgebaut, bei dem man zum Beispiel T-Shirts und Mäppchen gewinnen konnte. Am Stand der Walther-Hensel-Schule wurden Schneemänner und Lesezeichen ausgemalt. An der achten Station brüllte ein kleines Mädchen jedes Mal vor Freude, wenn ihr Vorgänger aus voller Kraft einen Ball in Richtung einer Becherpyramide donnerte. Sie selbst räumte komplett ab, jubelte für sich selbst aber nicht und lief hochmotiviert zur nächsten Station. Für so viel Andrang sorgte das Spiel „Memory“, dass man vor lauter Kindern den Tisch nicht mehr sehen konnte. Währenddessen standen an der benachbarten Station der 13-jährige Maruf und sein 5-jähriger Bruder Yusuf. Beide stammen aus einer kurdischen Familie mit sechs Kindern, die in Bodenfeld lebt. Während Yusuf Becher farblich sortieren sollte, wies der große Bruder den Kleinen in der Muttersprache an.

„Je nachdem wie alt sie sind, machen wir es einfacher oder schwerer“, erklärte Yesim Kafadar vom Kinderhaus Seefrid, die den Stand gerade betreute. Yusuf war mit Hilfe seines Bruders schnell fertig und lief mit ihm Hand in Hand direkt an den nächsten Stand. „Die Kinder lernen die Sprache ganz schnell und die unterstützen ihre Eltern dann schon nach einem viertel Jahr“, meinte Stadt-Diakon Norbert Köngeter. Er steht an derselben Station wie die Geschwister. Die Mehrzahl sei sehr interessiert und würde die Sprache und Gebräuche lernen wollen, erzählte er weiter. Die ersten Worte seien meist Wohnung, Schule und spielen. „Sie integrieren sich auch“, sagte er, als ein Junge mit der deutschen Flagge auf der Stirn geschminkt vor ihm steht. „Das ist für die ganz normal.“

„Sehr laut, bunt und wuselig, aber das ist okay“, beschreibt Organisatorin Sandra Corveleyn die Veranstaltung kurz vor Ende mit einem Lächeln. Ob es das Begegnungsfest regelmäßig und auch wieder im Winter geben wird, könne sie nicht sagen: „Wir wissen ja noch nicht, wo wir nächstes Jahr mit den Flüchtlingen und den Zugangszahlen stehen.“

Rund 1000 Flüchtlinge leben in Göppingen

Zahlen: Etwa 790 geflüchtete Menschen wohnen derzeit in den Gemeinschaftsunterkünften. Die restlichen 160 leben in privaten Wohnungen. Nach Informationen des Diakon der katholischen Gesamtkirchengemeinde Norbert Köngeter suchen derzeit 16 Familien eine Wohnung, da sie nach spätestens zwei Jahren aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen müssten.

Betreuung: Solange die Menschen noch in den Unterkünften leben, werden sie von Sozialbetreuern vom Landratsamt betreut, die wiederum bei der Anmeldung in Kindergärten, Schulen oder Sprachkursen helfen. Pro Unterkunft gibt es einen zuständigen Sozialbetreuer.

Eingliederung: Ziehen die Flüchtlinge in private Wohnungen, werden sie nicht mehr betreut und gelten als normale Bürger. Hier kommen Ehrenamtliche und Familienpaten ins Spiel, die sich im Anschluss um die Betroffenen kümmern und sie beispielsweise in einen Sportverein integrieren.

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