Wohngebiet Neues Wohngebiet: Ein Zubringer durch den Ödewald

„Wenn wir den Bedarf an Bauland nicht decken, wird er von anderen gedeckt“, sagt dazu Helmut Renftle, Baubürgermeister in Göppingen.
„Wenn wir den Bedarf an Bauland nicht decken, wird er von anderen gedeckt“, sagt dazu Helmut Renftle, Baubürgermeister in Göppingen. © Foto: SWP GRAFIK
Faurndau / Von Arnd Woletz 13.11.2017
Die Stadt hat erste Überlegungen für die geplanten Neubauflächen im Dittlau bei Faurndau präsentiert. Das Riesen-Baugebiet würde auch auf die  Verkehrsströme der ganzen Umgebung durchschlagen.

Bauland verzweifelt gesucht. Das ist derzeit die Quintessenz in vielen politischen Debatten in Göppingen. Allein in der Hohenstaufenstadt werde der Bedarf in den kommenden 13 Jahren auf 4000 zusätzliche Wohneinheiten taxiert, rechnet die Verwaltung vor. Mit den äußerst aufwendigen Plänen zur Innenentwicklung in 20 kleineren Neubau-Gebieten schafft die Kommune aber gerade 200 Einheiten. Deshalb  will die Stadt Göppingen den großen Wurf wagen und im Gebiet Dittlau südlich von Faurndau bis zu 2000 Neu-Göppinger anlocken. Jetzt stellten Oberbürgermeister Guido Till und Baubürgermeister Helmut Renftle zum ersten Mal die Pläne im Gemeinderat vor.

Neu sind vor allem die Überlegungen, die die Stadt und die überörtlichen Verkehrsplaner zur Verkehrserschließung hegen. Denn weil eine eigene Zufahrt auf die B.10 dem Regierungspräsidium nicht schmeckt, würde nun eine Zubringerstraße durch den Ödewald und am Tierheim vorbei zum Anschluss an der Öde vorgesehen (grüne Linie in der Grafik). Diese neue Strecke würde auch Jebenhausen direkt an die Bundesstraße anbinden und zusammen mit dem geplanten neuen Zubringer von Rechberghausen her auch den Ortskern von Faurndau deutlich entlasten, schwärmten der Baubürgermeister und der OB.

Dass es noch sehr viele Vorüberlegungen braucht, bevor das erste Häusle am Dittlau stehen wird, das verschwiegen Till und Renftle nicht. Derzeit würden die Flächen mit ihren guten Böden von der Landwirtschaft gebraucht, der Sportplatz des Fußballvereins Faurndau müsste gegebenenfalls einen neuen Platz finden, sagte Till. Auch die Infrastruktur müsste mitwachsen, denn schließlich würde Faurndau etwa um die Bevölkerungszahl anwachsen, wie sie Nachbardörfer wie Birenbach haben.

Es handele sich um erste Überlegungen, in die die Lokalpoltiker frühzeitig eingebunden werden sollen, sagte der Rathauschef. Auch planerisch ist es noch ein weiter Weg, denn bisher sieht der Flächennutzungsplan am Dittlau Gewerbe vor. Das Hochplateau sei für Gewerbeansiedlungen aber „viel zu schade“, fand der Oberbürgermeister. „Wer würde dort nicht gerne wohnen?“ Von dem 40 Hektar umfassenden Areal könnten etwa 25 Hektar fürs Wohnen genutzt werden.

Christoph Weber (Grüne) wies dezent darauf hin, dass der OB diese Argumente vor einigen Jahren auch für das Plateau im Stauferpark verwendet hatte –  dort, wo sich nun die Firma Kleemann ausbreitet. Die Grünen wollen jedenfalls sicherstellen, dass die bisherigen Anstrengungen zur Innenentwicklung unvermindert weitergehen müssen, auch wenn im Dittlau groß gebaut werden soll. Das sagte die Rathausspitze zu. Vor allem von der SPD und der Lipi-Fraktion kamen Bedenken wegen des Eingriffs in den Ödewald und die Sportplatzflächen, der Lebensqualität der heutigen Faurndauer und der ungeklärten Verkehrsanbindung. Das Fazit von SPD-Fraktionschef Armin Roos: „Eine nette Idee, über die man noch intensiv diskutieren muss. Ob das jemals etwas wird, ist mehr als fraglich“.

Der Flächenverbrauch ist ein heißes Eisen, fand Dr. Emil Frick (FWG), er berichtete aber auch, dass es nach den ersten Berichten über ein mögliches Wohngebiet bereits viele Anfragen von potenziellen Häuslebauern beim Faurndauer Bezirksamt gebe.

Vielen Lokalpolitikern kann es deshalb gar nicht schnell genug gehen. Die CDU stimme den Plänen komplett zu, sagte Achim Fehrenbacher und sah sich in der Forderung nach rascher Bauland­entwicklung bestätigt: „Die CDU stellt seit fünf Jahren den Antrag, solche großflächigen Baugebiete auszuweisen.“ Für die FDP/FW-Fraktion regte Jürgen Schaile an, ein „Einheimischen-Modell“ zu schaffen, um vor allem die örtliche Bevölkerung mit Bauland zu versorgen. Es könne nicht sein, dass Göppingen die Stuttgarter Probleme löse.

Wohnen zwischen Wald und Dorf

Offensive Baubürgermeister Helmut Renftle räumte ein, dass die vor drei Jahren gestartete Göppinger Baulandoffensive nicht ausreiche. Der zusätzliche Wohnraum soll aber nicht irgendwo im Landkreis auf dem flachen Land, sondern auf den Entwicklungsachsen sein.

Größe Das Gebiet Dittlau südlich von Faurn­dau umfasst insgesamt etwa 40 Hektar, von denen nach Angaben der Stadtverwaltung etwa 25 Hektar für die Bebauung mit Wohnraum verwendet werden, das entspricht der Fläche von etwa 35 Fußballfeldern.

Planung Die Dittlau sei eine der wenigen Flächen auf der Göppinger Gemarkung, die nicht wegen Grünzügen, Vogelschutzgebieten oder anderen Vorbehalten als Bauland ausgeschlossen werden muss. Im Flächennutzungsplan ist eine Nutzung als Gewerbegebiet vorgesehen.