Göppingen Neues Jagdrecht fragwürdig

Landesjägermeister Dieter Deuschle: "Man sollte mit Betroffenen über das Jagdrecht reden." Foto: Staufenpress
Landesjägermeister Dieter Deuschle: "Man sollte mit Betroffenen über das Jagdrecht reden." Foto: Staufenpress
Göppingen / MARGIT HAAS 21.04.2012
Beim Landesjägertag im Uhinger Uditorium werden heute neben dem Besuch von Minister Alexander Bonde auch das Jagdrecht und die Auswirkungen der Energiewende auf die Jagd auf der Tagesordnung stehen.

Die meisten Jäger des Landes sind im Landesjagdverband organisiert. Der lädt heute zu seinem Landesjägertag in das Uditorium in Uhingen ein. "Wir brauchen Regelungen, die sich in der Natur umsetzen lassen", betonte Landesjägermeister Dr. Dieter Deuschle bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Veranstaltung.

Dem neuen Jagdrecht blickt Deuschle mit gemischten Gefühlen entgegen und fordert das Land nachdrücklich auf, eine Änderung des Landesjagdgesetzes mit den Betroffenen zu erarbeiten. An erster Stelle müssten die Bedürfnisse der Wildtiere an ihren Lebensraum stehen. Das werde er heute gegenüber Alexander Bonde, dem Minister für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, der in Uhingen erwartet wird, mit Nachdruck vertreten. Kritisch betrachtet Deuschle auch die Auswirkungen der neuen Verwaltungsvorschriften zum Waffengesetz. Zwar seien die Regelungen "hilfreich", würden sie doch jetzt eindeutig vorgeben, wie Waffen aufzubewahren seien. Dass Jäger jetzt aber quasi der Behördenwillkür ausgesetzt seien, "ist unfein und rechtswidrig". Der Landesjägermeister kritisiert hier die Praxis einiger Kommunen, auch für Kontrollen ohne konkretes Verdachtsmoment Gebühren teilweise im dreistelligen Bereich zu erheben. "Hier wird nicht berücksichtigt, welche Aufgaben wir für die Öffentlichkeit erfüllen".

"Die Energiewende ist unvermeidlich, aber sie darf nicht auf dem Rücken unserer heimischen Tierwelt umgesetzt werden", betont Deuschle mit Blick auf die Diskussion um geeignete Standorte für Windkraftanlagen. Noch lägenkeine wissenschaftlichen Erkenntnisse vor, wie sich diese Anlagen in Waldgebieten auswirken werden.

Der Landesjägermeister erwartet auf jeden Fall erheblich mehr Störungen für das Wild, weil gut ausgebaute Erschließungswege von Freizeitsportlern genutzt werden. Zunehmend Probleme bereiten auch die großen Maisanbauflächen. Wenn sie im gleichen Maße zunehmen würden wie in der jüngeren Vergangenheit, werde die Bejagung des Schwarzwildes immer schwieriger. "Wir haben aber die Aufgabe, des Bestand zu regulieren." Deuschle fordert deshalb Schneisen in den großen Flächen und Abstände zum Wald. Zudem müsse der Anteil des Mais an der Biomasse reduziert werden. Die Mitglieder des Landesjagdverbandes sehen sich nicht nur in der Verantwortung für einen gesunden Wildbestand.

In über 20 Jahren haben die Jäger weit über 150 000 Kindern und Jugendlichen in der Initiative "Lernort Natur" erlebnisorientiert Zusammenhänge in der Natur vermittelt. "Für die Sommerferien sind viele Veranstaltungen schon wieder ausgebucht", freut sich der Landesjägermeister. Seit einem Jahr bilde der Verband an seiner "Akademie für Wild, Jagd und Natur Baden-Württemberg" als erster Verband zudem Naturpädagogen aus.

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