Kreis Göppingen Neues Hickhack um B10

Die neue B 10 in Richtung Süßen. Wie es weitergeht, ist unklar. Foto: Archiv
Die neue B 10 in Richtung Süßen. Wie es weitergeht, ist unklar. Foto: Archiv
SUSANN SCHÖNFELDER 26.04.2012
Die Finanzierung steht soundso in den Sternen. Nun will das Land den B-466-Durchstich bei Süßen und den B-10-Weiterbau getrennt behandeln. Die Kreispolitiker sind empört, Landrat Wolff plant eine Resolution.

Es ist gut vier Wochen her, dass mehr als 2000 Teilnehmer lautstark für den Weiterbau der B10 trommelten und ihre Forderung in einem drei Kilometer langen Protestzug zum Ausdruck brachten. Der Appell wurde sicherlich in Stuttgart gehört. Dennoch haben Landrat Edgar Wolff und Jörg-Michael Wienecke, Verkehrsplaner des Landkreises, jetzt eine neue Hiobsbotschaft zu vermelden: "Wir haben bei einem Gespräch mit Ministerialdirektor Hartmut Bäumer erfahren, dass die Abschnitte drei und vier getrennt priorisiert werden sollen", berichtet Wienecke. Das bedeutet, dass der Anschluss der B 466 bei Süßen in Richtung Donzdorf (Kosten: 11,1 Millionen Euro) und der Weiterbau der B 10 bis Gingen-Ost (15,7 Millionen) möglicherweise nicht in einem Rutsch abgewickelt werden. "Das macht überhaupt keinen Sinn, das auseinander zu dividieren", meint der Verkehrsplaner. Es bestehe die Gefahr, dass ein Abschnitt deutlich früher als der andere gebaut werde - "das treibt einen Keil in den Landkreis", befürchtet Wienecke, weil die Anwohner sich natürlich gleichermaßen belastet sehen und eine Ungleichbehandlung nicht verstünden.

Um die Position des Landkreises deutlich zu machen, will der Landrat in der Kreistagssitzung am 11. Mai den Bürgervertretern eine Resolution vorstellen. Die Kreisräte hatten mit Ernüchterung und Bedauern reagiert, als sie am Dienstagabend im Ausschuss für Umwelt und Verkehr von der neuen Situation erfuhren.

Doch damit nicht genug: "Finanziell sind die Aussichten auch sehr ungewiss", sagte Wienecke gestern. Der Straßenbau ist allein in Baden-Württemberg notorisch unterfinanziert. Wie viel Geld der Bund dem Land in den kommenden Jahren überweist, steht in den Sternen. Dass Sondertöpfe für Straßenbau in Berlin angezapft werden können, sei eher unwahrscheinlich: "Da hat uns Herr Bäumer wenig Hoffnung gemacht", sagt Wienecke. Zudem mache die grün-rote Landesregierung kein Hehl daraus, dass sie erst begonnene Straßenbauprojekte abschließe, bevor sie neue in Angriff nehme. In Stuttgart gilt der Weiterbau der B 10 bei Gingen wohl als Neubauvorhaben, im Landkreis als eine vor Jahrzehnten begonnene und nicht fertig gestellte Baustelle.

Den Verkehrsexperten im Landratsamt wurmt noch etwas anders: Vor wenigen Wochen hatte die Landesregierung angekündigt, anhand festgelegter Kriterien zeitnah über die Zukunft der Straßenbauprojekte zu entscheiden. Neben harten Faktoren wie Verkehrswirkung, volkswirtschaftlichem Nutzen und Umweltbilanz sollte dabei auch die Akzeptanz vor Ort eine Rolle spielen. "Letzteres ist aus dem Kriterienkatalog herausgefallen", ärgert sich Wienecke, da es im Kreis "eine große politische Allianz" gebe. Das Hoffen und Bangen geht weiter.