An der Pforte links, ganz hinten, steht das flache Gebäude der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Göppinger Christophsbads. Chefarzt Dr. Markus Löble kommt jeden Morgen mit dem Fahrrad. Er mag es, wenn die Glastüre offen steht und frische Luft in den hellen Eingangsbereich weht. Das Lächeln der Mitarbeiterin am Empfang ist echt und herzlich.

„Wer zu uns kommt, geht immer zuerst durch diese Tür“, lächelt der junge Mann in Jeans und T-Shirt durch seine ebenfalls offen stehende Bürotür. Dr. Niklas Gebele, Psychologe und Psychotherapeut, leitet die Psychiatrische Ambulanz für Kinder und Jugendliche. Für ihn ist es selbstverständlich, dass man ihn sehen kann und er mitbekommt, was im Eingangsbereich vor sich geht.

Es ist nicht anders als in einer großen Arztpraxis. Ganz unterschiedliche Menschen kommen und gehen, viele sind sehr jung. Sie bringen oder holen Rezepte, machen Termine aus, lassen sich Abläufe und vieles mehr erklären. In der Ambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie wird die gesamte Bandbreite psychischer und psychosomatischer Störungen diagnostiziert und behandelt. Von Problemen im Umgang mit Babys über Essstörungen, Psychosen, Ängste, Depressionen bei Kindern und Jugendlichen.

400 Kinder und Jugendliche pro Quartal

„Wir arbeiten systemisch-familientherapeutisch, verhaltenstherapeutisch und tiefenpsychologisch“, erläutert Gebele. Er und drei weitere Psychotherapeuten sind für die jungen Patienten verantwortlich, zwei Psychologinnen sind auf Tests und Diagnostik spezialisiert. Die fünf Mitarbeiterinnen am Empfang managen die Ambulanz, die Schnittstelle zwischen „innen“ und „außen“.

Dort finden unzählige Gespräche mit Kindern, ihren Eltern, Lehrern, Jugendamtsmitarbeitern und Ärzten statt. Pro Quartal werden etwa 400 Kinder und Jugendliche aus allen Bevölkerungsschichten beraten, unterstützt und therapiert. Sie sind zwischen 5 und 18 Jahre alt. Manchmal reichen zwei, drei Gespräche mit hilfreichen Tipps, bei anderen zeigt erst eine monate-, jahrelange Therapie Wirkung.

In jedem Fall haben die Fachärzte, Therapeuten und Betreuende immer das gesamte System im Blick, das den jungen Menschen umgibt. Und in ebenso jedem Fall sind alle Verabredungen miteinander freiwillig und basieren auf gegenseitigem Vertrauen und aktiver Mitarbeit.

Warteliste ist lang

Wenn ein junger Mensch mithilfe der ambulanten Therapien nicht weiterkommt, hat er auf der Kinder- oder Jugendstation die Chance, noch intensiver Hilfe zur Selbsthilfe zu bekommen. Die Warteliste für einen Platz auf der Station ist lang, die durchschnittliche Wartezeit mit rund drei Monaten viel zu lang. Doch gegen den landesweiten Krankenhausplan hat auch das Team der Kinder- und Jugendklinik kein wirksames Rezept.

Niklas Gebele sieht die Aufgabe der Ambulanz auch darin, „raus zu gehen in die Welt der Kinder und Jugendlichen.“ Die Hemmschwelle, sich Rat und Hilfe zu holen, ist für die meisten enorm hoch. Um den jungen Menschen die Angst vor dem „Psycho-Doc“ zu nehmen, setzen Gebele und sein Team auf den persönlichen Kontakt. Mal besuchen sie Schulen, mal laden sie Kinder aus verschiedenen Jugendhilfeeinrichtungen des Landkreises ein. Erst kürzlich kamen 40 Schülerinnen der Schiller-Realschule und hörten einen Vortrag über Essstörungen. Eines von vielen interessanten Themen für Jugendliche in der manchmal schwierigen Übergangsphase zum Erwachsenwerden.

Klar kann man sich über sogenannte soziale Medien von 500 Freunden 1000 Tipps holen – aber so ein richtig echter Mensch, der einen anschaut während er zuhört, der richtig viel Ahnung und Erfahrung hat, ist für das echte Leben auch nicht schlecht.