Göppingen Neuer Vorschlag für Apostelhöfe

Göppingen / MAIKE DANIELS 08.10.2014
Die Apostelhöfe an der Marktstraße bieten noch immer genug Diskussionsstoff: Was soll weg und wie soll neu gebaut werden? Der Kreisarchäologe bringt eine weitere Möglichkeit der Umsetzung ins Gespräch.

"Ich beobachte schon lange die Entwicklung in Göppingen. Es sind viele alte Häuser im klassizistischen Stil abgerissen worden, so auch das Gebäude, wo jetzt die Buchhandlung Herwig drin ist", sagt Dr. Reinhard Rademacher, Kreisarchäologe im Landratsamt Göppingen. Ausgehend von diesen Beobachtungen sei ihm bei einem Besuch in Bregenz das neue Vorarlberger Museum aufgefallen.

Das Gebäude wurde 1902 nach den Plänen von Georg Baumeister fertiggestellt. Mitte der 1950er Jahre wurde das Museum mehrmals umgestaltet, in diesem Rahmen ein weiteres Geschoss aufgesetzt und der alte Fassadenschmuck entfernt. 2009 wurde das bestehende Museum abgerissen und wieder neu aufgebaut, wobei eine räumliche und architektonische Verbindung zum benachbarten Gebäude, der alten Bezirkshauptmannschaft, geschaffen wurde. Auf der Internetseite des Vorarlberger Museums heißt es: "Der Gebäudebestand der Bezirkshauptmannschaft wird aus Denkmalschutzgründen in wesentlichen Teilen erhalten und in die Gesamtlösung integriert." In der Gesamterscheinung seien die verschiedenen Bauabschnitte durch "differenzierte Fassadenstrukturen und Oberflächentexturen" absichtlich sichtbar gemacht und seien durch die einheitliche Farbgebung zu einem "großen Ganzen" verbunden worden.

Genau das ist der Ansatz, den Rademacher in der Städtebauplanung Göppingens nicht berücksichtigt sieht. Fakt sei es, dass die Diskussionen um das Apostel-Gebäude aus Sicht der Architekten hauptsächlich um den Abriss der alten Fassade kreisten, meint der Kreisarchäologe. Er wolle deshalb die Bregenzer Lösung als Lehrbeispiel und als Vorschlag in die Diskussion einbringen. "Ich bin Kreisarchäologe und ich werde nicht Verhaltensweisen bewerten. Ich will nur ein Beispiel aufzeigen, mich aber nicht in die Planungen der Stadt einmischen", macht Rademacher seine Absichten deutlich.

Der Versuch der Fraktion der Grünen, das Hotel Apostel unter Denkmalschutz stellen zu lassen und somit die Fassade vor dem Abriss zu bewahren, scheiterte im März dieses Jahres. Nach Auffassung des Landesdenkmalamts ist das Gebäude an der Göppinger Marktstraße kein schützenswertes Kultur- oder Baudenkmal. Die Wohnbau Göppingen (WGG) und die Stuttgarter Firma Nanz als Eigentümer der beiden Grundstücke, die die Apostelhöfe ausmachen, haben ganz andere Pläne für das innerstädtische Areal im Sinn, auf dem heute noch das Hotel Apostel und das MCC-Kino stehen. Auf dem Gelände soll ein Neubau entstehen mit etwa 50 Wohnungen, einem großen Supermarkt, vielen Einzelhandelsgeschäften und einer Tiefgarage mit 220 Plätzen.

Das Vorarlberg-Museum preist auf seiner Homepage das neue Gebäude als ein "auf dem Prinzip des Weiterbauens" basierendes Konzept. In der Bregenzer Umsetzung wird der Altstadt Rechnung getragen. Das sähe Rademacher auch gerne in der Stadt Göppingen. "Bevor die Göppinger Architekten so vehement für einen Abriss des Apostel plädieren, sollten sie vielleicht ganz schnell einmal nach Bregenz fahren und die dortige städtebauliche Lösung eingehend betrachten - und sich eventuell von dem Projekt der Bregenzer Kollegen inspirieren lassen", meint Rademacher.

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