Göppingen Neuer Streit um das Apostel-Hotel

Die Diskussion über die Zukunft des Apostel-Hotels in der unteren Marktstraße geht weiter: Die Stadtverwaltung wirbt um Geduld. Zunächst müsse die Untersuchung abgewartet werden, welcher Aufwand für einen Erhalt des historischen Gebäude notwendig wäre. Das Haus gehört der Firma Nanz. Foto: Giacinto Carlucci
Die Diskussion über die Zukunft des Apostel-Hotels in der unteren Marktstraße geht weiter: Die Stadtverwaltung wirbt um Geduld. Zunächst müsse die Untersuchung abgewartet werden, welcher Aufwand für einen Erhalt des historischen Gebäude notwendig wäre. Das Haus gehört der Firma Nanz. Foto: Giacinto Carlucci
HELGE THIELE 22.09.2012
Wenn die Göppinger Stadträte über die Zukunft des Apostel-Hotels diskutieren, brennt im Rathaus die Luft. Das war am Donnerstag nicht anders. Doch diesmal kam noch eine kräftige Prise OB-Wahlkampf dazu.

Die Zukunft des Apostel-Hotels stand am Donnerstag gar nicht auf der Tagesordnung. Doch eine "aktuelle Information" zu dem Thema von Stadtplanerin Eva Noller und Wohnbau-Geschäftsführer Volker Kurz zu Beginn der Sitzung sorgte für eine hitzige Debatte. Einmal mehr diskutierten die Stadträte über die Frage, ob das historische Gebäude in der unteren Marktstraße oder zumindest seine Fassade erhalten werden soll, kann oder gar muss.

Noller und Kurz waren allerdings nur in die Sitzung gekommen, um die gewählten Bürgervertreter über den Zwischenstand der Gespräche mit der Firma Nanz zu informieren. Nanz ist Eigentümer des Apostel-Hotels und will das gesamte Areal neu bebauen. Die bisher beauftragten fünf Architekten allerdings halten einen Erhalt des Apostel-Hotels für nicht wirtschaftlich. Entschieden ist allerdings noch nichts. Und der Gemeinderat wird mehr als nur ein Wort mitzureden haben, wenn es darum geht, die Pläne für die "Apostelhöfe" mit neuen Laden- und Wohnflächen endgültig aufs Gleis zu setzen. Das betonten auch Noller und Kurz in der Sitzung mehrfach - allerdings nahm die neuerliche Generaldebatte ihren Lauf - bis schließlich Stadtrat Dr. Emil Frick von der Bürgerallianz (BAG) beantragte, die Diskussion zu beenden. Die große Mehrheit stimmte diesem Ansinnen einigermaßen dankbar zu, die Gegner kritisierten das abrupte Ende dagegen als undemokratische Geste.

Vor allem die beiden Stadträte und OB-Kandidaten Christoph Weber (Grüne) und Christian Stähle (Linke) hatten zuvor heftig davor gewarnt, das Ziel, das Apostel-Hotel beziehungsweise seine Fassade zu erhalten, leichtfertig aufzugeben. Zusätzlich befeuert wurde die Grundskepsis von Weber und Stähle durch die Aussage der Stadtverwaltung, wonach das Gebäude des heutigen Apostel-Hotels zwar erhalten bleiben soll, man sich im Rathaus aber offenbar auch vorstellen kann, dass ein neues Gebäude "zumindest durch architektonische Zitate den Erinnerungswert" des Hotels erhält.

Das roch Stähle und Weber dann doch zu sehr nach Abrissbirne. Stähle fühlte sich sogleich "verschaukelt" und rief nach einem Bebauungsplan, um Schaden zu verhindern. Weber machte sich für einen Kriterienkatalog des Gemeinderats stark - ähnlich wie beim geplanten Einkaufszentrum in der Bleichstraße. Die Stadtverwaltung konnte die Aufregung nicht nachvollziehen, zumal auch Stadtplanerin Eva Noller das Apostel-Hotel als "Kopfgebäude" und "wichtigstes Verbindungsstück" bezeichnete. Allerdings müsse die Stadt, so Oberbürgermeister Guido Till, sehr genau überlegen, wie sie weiter vorgehe. Das Apostel-Hotel befinde sich im Privatbesitz der Firma Nanz. Zum Glück habe sich eine Art "Joint-Venture" zwischen Nanz und der städtischen Wohnbau GmbH ergeben - "nicht im rechtlichen, aber im ideellen Sinn". Wenn es soweit sei, würden alle Entwürfe ausführlich im Gemeinderat vorgestellt. Till, der sich bei der OB-Wahl am 14. Oktober um eine zweite Amtszeit bewirbt, warnte in Sachen Apostel-Hotel vor der Holzhammer-Methode: "Im ungünstigsten Fall verbieten wir Nanz den Umgang mit dem eigenen Gebäude. Dann besteht aber die Gefahr, dass der Investor seine Pläne für eine Neugestaltung des Areals gar nicht mehr weiterverfolgt." Auch Baubürgermeister Olav Brinker warb darum, "erst einmal die Untersuchung abzuwarten, mit welchem Aufwand ein Erhalt des Apostel-Hotels möglich wäre".